Unternehmen und Bewerber driften auseinander

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Im Recruiting gehen noch längst nicht alle Unternehmen mit der Zeit. Doch auch jene, die auf Active Sourcing oder Social Recruiting setzen, suchen nach Bewerbern oft über andere Kanäle als der Nachwuchs nach einer Stelle. Das zeigt die Studie „Recruiting Trends 2016“ des Stellenportals Monster.

In Zeiten der digitalen Medien stehen Recruitern viele Wege offen, um auf Kandidatensuche zu gehen – und es werden gefühlt beinahe täglich mehr. Dass es nicht immer leicht ist für die HRler wie auch für die Bewerber, mit dieser Entwicklung mitzuhalten, ist verständlich, aber anscheinend auch folgenreich. Denn wie die aktuelle Studie „Recruiting Trends 2016“ des Karriereportals Monster und des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) zeigt, „driften“ Bewerber und Recruiter auseinander. Entwickeln sich also in ihrem Nutzungsverhalten der jeweiligen Jobsuche- beziehungsweise Recruiting-Kanäle in unterschiedliche Richtungen.

Vorab bleibt festzuhalten, dass die aktive Kandidatenansprache bei deutschen Unternehmen zwar verbreitet aber noch immer nicht Standartvorgehen ist. So wird derzeit bei 34,7 Prozent der Vakanzen sowohl die Ansprache über klassische Stellenanzeigen als auch über aktive Kanäle betrieben. Bei weiteren 7,1 Prozent werden ausschließlich Kandidaten mittels Active Sourcing gesucht. Auf Bewerberseite will fast jeder Zweite (45 Prozent) von Unternehmen angesprochen werden.

Betrachtet man die Kanäle, die diejenigen Unternehmen wählen, die Active Sourcing betreiben, so zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede zum Nutzungsverhalten der Kandidaten. Am nächsten sind sich beide Seiten noch bei Karrierenetzwerken. Auf sie setzen 78,3 Prozent der entsprechenden Unternehmen und 70,8 Prozent der Stellensuchenden. Und auch bei persönlichen Netzwerken ist der Unterschied mit 94,0 Prozent bei den Unternehmen und 61,1 Prozent bei den Stellensuchenden noch nicht so groß.

Deutlicher ist der Abstand aber bei Karriere-Events für Studenten (Unternehmen: 90,3 Prozent; Stellensuchende: 12,6 Prozent), Personal- und Absolventenmessen (Unternehmen: 89 Prozent; Stellensuchende: 21,3 Prozent) und Unternehmenseigenen Talentpools (Unternehmen: 91 Prozent; Stellensuchende: 55,5 Prozent). Auch das Sourcing in Fachforen scheint überschätzt – zumindest, was aktiv Stellensuchende betrifft. Denn nur für 6,4 Prozent von ihnen sind Blogs und Fachforen interessant, während es bei den entsprechenden Unternehmen genau die Hälfte ist.

Einig sind sich beide Seiten bei der geringen Bedeutung der sozialen Netzwerkplattformen für die Stellen- beziehungsweise Kandidatensuche. Hier fällt die Nutzung mit 25 Prozent bei den Unternehmen und 14,5 Prozent bei den Stellensuchenden eher niedrig aus. Bei externen Lebenslaufdatenbanken hingegen scheinen die Unternehmen Potenzial zu verschenken, stehen hier doch 38,1 Prozent bei den Unternehmen 75 Prozent bei den Stellensuchenden gegenüber.

Für die aktuelle Ausgabe der Studienreihe „Recruiting Trends“ wurden die 1.000 größten Unternehmen (Rücklaufquote 11,4 Prozent) in Deutschland befragt. Die Ergebnisse wurden mit den Resultaten des Nutzungsverhaltens und den Einschätzungen von über 4.800 Stellensuchenden und Karriereinteressierten verglichen.