Unterschiedliche Wahrnehmung

Wissensarbeit genießt in den Unternehmen zwar insgesamt eine hohe strategische Bedeutung, doch in der Praxis driften die Ansichten und Einschätzungen von Führungskräften und Wissensarbeitern dazu oftmals auseinander.

Die Zahl derjenigen, die in wissensintensiven Berufen arbeiten, steigt seit Jahren stetig an. Allein aus diesem Grund werden Wissensarbeit sowie der Umgang mit Wissen immer wichtiger für die Unternehmen. Über die grundsätzliche Bedeutung dieses Themas herrscht daher auch weitgehend Einigkeit zwischen Führungskräften und festangestellten Wissensarbeitern: Laut einer aktuellen Studie des Personaldienstleisters Hays in Zusammenarbeit mit PAC und der Deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement finden 71 Prozent dieser beiden Gruppen, das Wissen eine strategische Ressource ist und auch als solche behandelt wird. Jeweils rund ein Viertel findet hingegen, dass der Umgang mit Wissen nicht der großen Bedeutung entspricht, die das Thema für Unternehmen eigentlich hat.

Erste unterschiedliche Einschätzungen zeigen sich aber bereits bei der Frage danach, ob Wissensarbeiter eine herausgehobene Stellung im Unternehmen innehaben. Führungskräfte bejahen dies zu 57 Prozent, festangestellte Mitarbeiter nur zu 49 Prozent. Uneinig ist man sich darüber hinaus bei der Beschreibung der Wissensarbeit und beim Umgang mit dem Thema Wissen. Beispielsweise meinen fast drei Viertel der festangestellten Wissensarbeiter, dass ihre Tätigkeit nicht über feste Regeln und Prozesse definierbar ist, Führungskräfte stimmen dem nur zu 59 Prozent zu. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sich nach eigener Einschätzung mehr als die Hälfte der Wissensarbeiter mit vielen Routinearbeiten beschäftigen, wohingegen nur ein Viertel der Führungskräfte dies so sieht.

Auch in punkto Flexibilität gehen die Meinungen auseinander: Denn immerhin 97 Prozent der Führungskräfte sehen flexible Arbeitszeiten als gegeben an, 82 Prozent auch flexible Arbeitsorte. Dem steht entgegen, dass nur 62 Prozent der festangestellten Wissensarbeiter die Frage danach, ob sie meist selbst bestimmen können, wann und wo sie arbeiten, positiv beantworten.

Eine unterschiedliche Wahrnehmung herrscht aber nicht nur zwischen Führungskräften und festangestellten Wissensarbeitern. Auch die Ansichten von externen Experten unterscheiden sich zum Teil von denen der anderen befragten Gruppen. So spielt in der täglichen Arbeit von Wissensarbeitern die Vernetzung mit anderen Experten eine große Rolle. Sowohl festangestellte als auch externe Wissensarbeiter nennen hierfür Fachkonferenzen und Workshops als wichtigstes Instrument. Danach unterscheiden sich die Präferenzen aber stark. Festangestellte fokussieren vor allem auf Messen, Verbandsmitgliedschaften und -mitarbeit sowie Social-Media-Dienste beziehungsweise Software für den Aufbau von unternehmensinternen Netzwerken, wohingegen Externe an zweiter Stelle auf öffentliche Social-Media-Dienste wie Xing und LinkedIn setzen.

Insgesamt zeigen sich externe Wissensarbeiter sowohl bei der Bedeutung des Themas Wissen in Unternehmen als auch in Bezug auf die Stellung der Wissensarbeiter als deutlich skeptischer als ihre festangestellten Kollegen oder Führungskräfte: Die Hälfte von ihnen ist der Ansicht, das Wissen in den Unternehmen zwar als wichtige strategische Ressource gesehen wird, aber nicht entsprechend behandelt wird, acht Prozent denken sogar, das Wissen keine herausragende Rolle in Unternehmen spielt. Und 65 Prozent sehen Wissensarbeiter nicht in einer besonderen oder herausgehobenen Stellung in den Unternehmen.

Die aktuellen Ergebnisse der Studie „Wissensarbeiter und Unternehmen im Spannungsfeld“ sind Teil eines dreistufigen Studienprojekts, an dessen Anfang Interviews mit Wissenschaftlern, Beratern und Knowledge Management-Verantwortlichen aus Unternehmen standen. Die Befragung von 309 festangestellten und 272 freiberuflichen Wissensarbeitern sowie 432 Führungskräften aus deutschen Unternehmen schloss daran an.