Vielseitig und komplex

Spezialisten wie Compensation & Benefits-Experten sind inzwischen sehr gefragt. Höchste Zeit, sich einmal näher mit dieser HR-Rolle zu befassen. Erster Teil unserer zweiteiligen Mini-Serie (hier geht’s zum Teil 2).

Vergütungsstrategien, Pensions- und Ruhestandsmanagement und Marktbeobachtung – das sind laut einer Studie von TowersWatson die Hauptthemen, mit denen sich Compensation & Benefits-Experten befassen. Daneben gibt es noch Aspekte wie Job Grading, Benefits Management und variable Vergütung. Langeweile kommt da bestimmt nicht auf.

Zumal diese Spezialisierung noch gar nicht so alt ist. Erst vor gut fünfzehn Jahren gewann das Thema Vergütung innerhalb von HR an Bedeutung. Und wird immer wichtiger: Laut Vergütungsexperte Joachim Kayser von der Unternehmensberatung hkp/// group sind die Anforderungen an die Comp & Benler, wie sie sich selbst oft nennen, zuletzt wieder drastisch gestiegen. Vergütung werde mehr und mehr von oben nach unten definiert, es gäbe viel mehr regulatorische Dinge, die es zu beachten gelte, wie den Deutschen Corporate Governance Kodex.

Attraktive Gehälter

Es ist also ein komplexes Thema, bei dem viel in Bewegung ist. Darüber hinaus sind die Verdienstmöglichkeiten recht ansprechend: Mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung kann man meist schon zwischen 50.000 und 60.000 Euro verdienen, später in Leitungsfunktionen entsprechend mehr: Laut einer Erhebung der Beratung hkp/// group für die Jahre 2013/14 lag die Grundvergütung für einen Abteilungsleiter Compensation & Benefits in einem DAX-Unternehmen bei 112.000 Euro, in einem mittelgroßen börsennotierten Unternehmen bei 109.000 Euro.

Man kann also sagen, dass es eine attraktive Rolle ist. Auch, weil man enormen Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Es geht schließlich darum, Vergütungssysteme zu erarbeiten, die im Endeffekt auf die Unternehmensziele einzahlen.

Quereinstieg gewünscht

Und wie gelingt der Einstieg als Comp & Benler? Klar ist: Den einen Zugangsweg gibt es nicht. Auch wenn es inzwischen spezifische Weiterbildungsangebote gibt und manch angehender HRler schon in seinem Studium einen entsprechenden Schwerpunkt setzt. Es gibt aber auch nicht selten – und das wird von Experten durchaus als begrüßenswert erachtet, um das Silo-Denken innerhalb von HR aufzulösen – Quereinsteiger, insgesamt sind die Werdegänge vielseitig.

Lesen Sie auf der nächsten Seite ein Interview mit dem Vergütungsexperten Joachim Kayser.

„Eher bodenständig“

Joachim Kayser ist Senior Partner bei der auf Performance- und Talent Management sowie Vergütung spezialisierten Unternehmensberatung hkp/// group. Im Interview erklärt er, welche Fähigkeiten Compensation & Benefits-Experten mitbringen müssen und welche Aufgaben sie haben.

Herr Kayser, wie wichtig ist der Compensation & Benefits-Experte fürs Unternehmen?
Man schätzt die Expertise dieser Spezialisten, auch in der Geschäftsleitung. Allerdings erleben wir auch häufig, dass die Führungsebenen meinen, sie könnten über diese Expertise hinweg regieren und verändern durchdachte Dinge. Frustrationstoleranz gehört also zu den erforderlichen Eigenschaften für solch eine Aufgabe.

Welche weiteren Fähigkeiten sind erforderlich oder beobachten Sie?
Typischerweise haben diese Fachleute sehr viel Expertenwissen und sind sehr im Systemdenken geschult. Sie sind keine Schnellschießer oder Traumtänzer, eher bodenständig und an Fakten interessiert. Hinzu kommt idealerweise ein umfassendes Verständnis fürs Geschäft. Außerdem muss man Netzwerker sein, Altes in Frage stellen können und natürlich zahlenaffin sein. Und da man als Compensation & Benefits-Manager eine interne Zulieferfunktion innehat, muss man es aushalten können, dass man nicht am Endkunden arbeitet.

Was sind die Kernaufgaben eines Compensation & Benefits-Managers?
Einmal sind es reine Vergütungsvergleiche: Was zahlt man in der Funktion A bei uns, was zahlt der Markt? Das ist für viele das Hauptgeschäft. Dann gibt es diejenigen, die Stellenbewertungssysteme machen, eine wichtige Aufgabe, weil daraus weitere Personalinstrumente gespeist werden. Und die Königsklasse ist es, Vergütungssysteme zu erarbeiten.

Und was steht im Bereich der Benefits im Fokus?
Da kümmert man sich um Themen wie Versicherungen, Dienstwagen oder Altersversorgung. Gerade Letzteres ist ein Thema, dessen Komplexität enorm zugenommen hat. Früher gab es nur ein System, abgeleitet aus der Beamtenwelt. Das ist in die Kritik geraten. Hier mussten und müssen sich die Experten Neues einfallen lassen. Es gibt also einen dramatischen Wandel in dieser Rolle. Und dramatisch soll heißen: anspruchsvoll und attraktiv.

 

In Teil 2 unserer Mini-Serie lesen Sie anhand dreier Kurzporträts, welche Wege in die Funktion des Compensation & Benefits-Managers führen.