Von der LKW-Fahrerin bis zur Reiseführerin

Zum zweiten Mal organisierte die Charta der Vielfalt e.V. den Diversity-Tag. Im Zuge dessen wurde auch eine Ausstellung bei SAP Deutschland eröffnet, die sich mit Transgeschlechtlichkeit am Arbeitsplatz beschäftigt.

Globalisierung und Pluralisierung prägen unsere Gesellschaft zunehmend, was nicht nur politische Herausforderungen mit sich bringt. Auch für die Wirtschaft wird dies beständig relevant: Diversity Management wird immer bedeutender, weil es von Unternehmen lohnend genutzt werden kann. Verdeutlichen soll dies der gleichnamige Aktionstag, der vergangenen Dienstag zum zweiten Mal stattfand.

Anlässlich dessen eröffnete der Verein „Charta der Vielfalt“ sowie die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat im Forum von SAP in der Hauptstadt eine Fotoausstellung, die sich um das Thema Transgeschlechtlichkeit am Arbeitsplatz dreht. Zwölf verschiedene Portraits von Menschen, die ihre Geschlechtsidentität als transgeschlechtlich auffassen, sollen verdeutlichen, welche Vielfalt das Thema aufweist und diese Personen in der Gesellschaft sichtbar machen. Anja Weber recherchierte die Trans*-Menschen – so die gängige Bezeichnung – fotografierte sie und konzipierte die Ausstellung. Bei der Suche gab es einige Hindernisse zu überwinden: „Ich kann alle verstehen, die sich nicht fotografieren lassen wollten. Diejenigen, die Arbeit haben, sind oft – aus berechtigter Sorge vor Diskriminierung – nicht out im Job“, so die Fotografin. Umso mehr Respekt habe sie vor denen, die mitgemacht haben.


Fotografin Anja Weber hat schon mehrere Arbeiten zum Thema Transgeschlechtlichkeit erstellt. / Foto: Laurin Schmid

Laut der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen haben nur 25 bis 30 Prozent aller Trans*Menschen eine Vollzeitbeschäftigung. Anja Weber hat sich bemüht, dennoch die größtmögliche Vielfalt von Transgeschlechtlichkeit in unterschiedlichen Berufsbildern abzubilden: Die Spanne an portraitierten Personen in der Ausstellung reicht daher von der Lastkraftwagenfahrerin bis zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Uni. Eine weitere ist Mandy Günther, die seit 1999 als Reiseführerin in Berlin arbeitet. Nachdem sie in den 90er Jahren vom Bundespresseamt als potenzielle Arbeitnehmerin abgewiesen wurde fühlte sie sich anfangs diskriminiert, erzählt sie. „Ich habe dann einfach weiter gemacht, beziehe Position und stehe zu mir selbst“, so Günther. Dabei bekomme sie viel positives Feedback für ihre Authentizität, sodass sie sich einen eigenen Kundenstamm aufgebaut habe.

Aletta Gräfin von Hardenberg hat das Diversity Management der Deutschen Bank mit aufgebaut und ist seit 2011 als Geschäftsführerin von „Charta der Vielfalt“ tätig. Von Hardenberg ist überzeugt davon, dass Unternehmen von einem ganzheitlichen Ansatz, der unter anderem Aspekte wie die Religion, die ethnische Herkunft und die sexuelle Orientierung einbezieht, wirtschaftliche Vorteile haben: „Wenn Unternehmen einen vorurteilsfreien Raum für die Beschäftigten bieten, dann können sowohl passende Mitarbeiter als auch passende Kunden gewonnen werden.“ Der Verein „Charta der Vielfalt“ möchte laut Selbstbeschreibung „Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen“. Institutionen und Unternehmen können die Charta der Vielfalt als Selbstverpflichtung unterzeichnen, bislang sind es 1.800 an der Zahl, darunter auch sechs Bundesministerien.


Laut Aletta Gräfin von Hardenberg profitieren Unternehmen von einem ganzheitlichen Diversity Management. / Foto: Laurin Schmid

In Großunternehmen sei das Thema Diversity auf der Agenda, mehr hingegen müsse das Thema noch an mittelständische Unternehmen herangetragen werden, so von Hardenberg. Drei Ansätze zum Diversity Management seien besonders wichtig: Zum einen müsse es unter der Geschäftsführung ein klares Commitment geben, zum zweiten müssen die Prozesse vorurteilsfrei und für jeden und jede zugänglich sein, zum dritten sollte auch die Belegschaft mit eingebunden werden, etwa in Form von Netzwerken zum Austausch untereinander.

In ähnlicher Form handhabt es SAP Deutschland, wo sich Mitarbeitende zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben. Bereits 2005 wurde dort ein Global Diversity Office verankert, für das unter anderem Urte Thölke verantwortlich ist. Verschiedene Faktoren spielen Thölkes Erfahrung nach eine Rolle, darunter fallen schon die Formulierungen der Stellenausschreibungen, die Sensibilisierung von Recruitern oder die Überprüfung von Prozessen innerhalb des Unternehmens.  „Das Management muss zudem auch einbezogen werden, indem klar wird, dass es um den Mehrwert für das Unternehmen geht und die Qualifikationen für das Unternehmen zählen“, so Thölke während der Ausstellungseröffnung.

Bis zum 10. Juni noch kann die Ausstellung im Forum von SAP in der Rosenthaler Straße 30 in Berlin besucht werden.