Warum es sich lohnt, auch einmal Ärger zu fasten

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Foto: Thinkstock / SIphotography
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Für viele gehört er einfach zum Arbeitsalltag – der alltägliche Ärger über Kollegen, Prozesse oder die ranzige Kaffeemaschine. Ärger kann befreiend sein. Er kann aber auch sehr belastend wirken. Einmal bewusst auf ihn zu verzichten, lohnt sich. Hier sind zehn Fakten zum Ärgerfasten.

Negatives Denken in positives zu verwandeln, wäre eine zeitgemäße Interpretation der Fastenzeit. In der Regel versuchen wir, uns schlechte Gewohnheiten wie zu viel Alkohol, Fleisch oder Zucker abzugewöhnen und Raum für bessere zu gewinnen. Dabei denken wir zumeist an unseren Körper. Doch was ist mit dem Kopf?

Was genau ist mit negativem Denken gemeint: Falsche Erwartungen, Zweifel, Unsicherheiten oder Erlebnisse, die wir „nicht verzeihen können“.  Ganz besonders häufig beobachte ich den kleinen Ärger im Alltag. Lassen Sie mich einige Beispiele aufzählen: Die Software öffnet sich nicht so schnell wie sonst, ein Mitarbeiter ruft einfach nicht zurück. Sie haben das Handy zu Hause vergessen. Ihr Budget für digitale Weiterbildung wurde gekürzt. Überlegen Sie selbst einmal, wann oder worüber Sie sich am schnellsten oder häufigsten ärgern.

Nun könnte man behaupten, Ärger kommt und Ärger geht. Allerdings hinterlässt er Spuren. Er raubt uns unsere Weitsicht, Kreativität, Konzentration und mentale Cleverness. Deshalb ist mein Vorschlag für Sie:

Fasten Sie doch einmal für einen klaren Kopf, der Ihnen Freude und Leistungsfähigkeit bringt!

Die zehn Fakten, wie wir Ärger verursachen

Wir sind der Ausgangspunkt unseres Ärgers. Wenn wir uns das klar machen, haben wir schon gewonnen. Das Gehirn verfügt über einige Mechanismen, die Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden im Alltag entgegenstehen. Ausgangspunkt ist jedoch immer eine Interpretation unserer Lebensumstände. Dies sind die einflussreichsten Faktoren:

Das Gehirn mag Probleme

Das sogenannte „katastrophische Gehirn“ beschreibt den Automatismus unseres Gehirns, sich bevorzugt auf Gefahren, Probleme und Schwierigkeiten zu konzentrieren. Mittagessen mit Kollegen, Plausch mit den Nachbarn – worüber sprechen wir? Genau. über Unglücke, Misslungenes, Probleme. Kurzum: negative Gedanken anstatt positiver.

Wir lassen das Gehirn machen, was es will

Geistige Disziplin benötigt Energie. Die haben wir oft nicht, weil wir zu wenige Pausen machen, zu wenig auftanken, zu wenig an uns denken.

Unerledigtes verursacht Stress

Dinge, die wir noch nicht geschafft haben, To-do-Listen, die nicht abgearbeitet sind, beschäftigen uns stärker, länger und unangenehmer als alles, das geklappt hat. Gelungenes wird abgehakt und unverzüglich zur Tagesordnung übergegangen.

Wir sammeln Ärger

Anstatt Ärger aktiv abzubauen, zu verarbeiten, zu vergeben, zu verstehen, gehen wir einfach darüber hinweg. So kommt ein kleiner Ärger zum nächsten und irgendwann resultiert daraus eine Explosion.

Probleme scheinen größer, als sie sind

Unser Gehirn neigt dazu, Probleme größer erscheinen zu lassen, als sie in der Realität sind. Gerade dann, wenn wir über etwas grübeln, das längst Vergangenheit ist oder – noch gar nicht eingetreten. Bestimmt fällt auch Ihnen eine Nacht ein, in der Ihre Gedanken Sie wachgehalten haben, Sie vielleicht immer wieder das ungünstig verlaufene Gespräch mit einem wichtigen Bewerber rekapituliert haben, um es letztlich schlimmer in Erinnerung zu behalten, als es tatsächlich war.

Gedanken wirken wie Realität

Ob wir uns mit Tatsachen befassen oder mit der Vorstellung von Tatsachen – die Informationsverarbeitung in unserem Gehirn läuft ähnlich ab. Wir fühlen uns genauso schlecht, wenn wir ein unangenehmes Gespräch erleben, als wenn wir es uns nur vorstellen.

Die Dinge haben die Macht, die wir ihnen geben

Der Unterschied im Befinden von Menschen wird von Wissenschaftlern zu 50 Prozent auf unsere Anlagen, zu zehn Prozent auf die Lebensumstände und zu beachtlichen 40 Prozent auf unseren Umgang damit zurückgeführt. Selbst markante Ereignisse wie Unfälle oder Verluste oder positive, wie zum Beispiel eine Beförderung, haben langfristig weniger Einfluss auf das subjektiv erlebte Wohlbefinden, als wir in der jeweiligen Situation glauben.

Wir gewöhnen uns an Gutes

Erleben wir Gutes und Schönes immer wieder, nehmen wir es kaum noch wahr. Weil der Wohlfühlbotenstoff Dopamin neue Reize oder andere Mengen benötigt, um ausgeschüttet zu werden. Der wunderbare Blick aus Ihrem Büro, das gute Essen in der Kantine, die netten neuen Azubis, alles wird irgendwann selbstverständlich – wenn wir nicht bewusst und aufmerksam sind.

Die Anstrengungsfalle

Anstrengung ist in unseren Köpfen oft negativ besetzt, weil wir sie nicht nur mit Aufwand, Fleiß und Ausdauer, sondern vor allem mit Überforderung und Strapaze gleichsetzen. Dabei ist es nicht entscheidend, wie oft und wie lange wir etwas tun, sondern mit welchem Motiv, welchem Gefühl, welchem Ergebnis und zu welchem Preis. Ärger entsteht, wenn für uns selbst diese Bilanz nicht stimmt.

Wir verlagern die Verantwortung

Es ist viel leichter, den Chef, die E-Akte, den Geschäftspartner für unseren Unmut in einer Situation verantwortlich zu machen, als zu überlegen, was das mit uns zu tun hat. Man kann sich nicht ärgern, wenn man nicht weiß, wie beziehungsweise worüber.

Die besten Strategien, negative Gedanken sofort in positive zu verändern

Jede Situation, in der wir uns über etwas aufregen, ärgern, enttäuscht sind, bietet die Chance auf eine positive Reaktion:

Seien Sie freundlich zu sich

Niemand ist uns gegenüber so kritisch wie wir selbst. Dabei wäre es unsere erste Aufgabe, besonders liebevoll und aufmerksam mit uns zu sein, wenn etwas nicht geklappt hat, wir enttäuscht oder müde sind. Gleichen Sie unangenehme Gefühle mit guten Gefühlen für sich aus. Sehen Sie, was Sie geleistet haben. Listen Sie zum Beispiel auf, was Ihnen im Gespräch mit der Geschäftsleitung, auch wenn Sie damit nicht zufrieden waren, gelungen ist.

So ärgern Sie sich künftig maximal drei Minuten:

Ändern Sie Ihre Gehirnfrequenz

Kommt von außen Ärger oder Frust auf Sie zu, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie antworten auf derselben Frequenz und schicken Ärger zurück, so dass sich die Situation hochschaukelt. Oder Sie ändern bewusst die Frequenz und neutralisieren so den Ärger. Eine Möglichkeit dafür ist Dankbarkeit. Wenn Sie ganz kurz dankbar an etwas ganz Schönes wie Ihre Kinder oder Ihren Lieblingsurlaubsort denken, haben Sie schon gewonnen. Eine andere Variante ist, zu denken oder sagen: „Es tut mir leid“ (dass diese Situation entstanden ist). Dies muss natürlich authentisch sein.

Relativieren Sie

Unangenehme Erfahrungen und Erlebnisse sind immer eine Ausnahme im großen, guten Ganzen unseres Lebens. Zählen Sie einfach einmal die positiven und negativen Dinge an einem scheinbar schlechten Tag und Sie werden staunen, wie verzerrt Sie wahrnehmen. Wir übersehen ganz schnell, dass wir unfallfrei zur Arbeit gelangt sind, einen höhenverstellbaren Schreibtisch haben, wir uns trotz Erkältungszeit gesund fühlen, oder sich ein Mitarbeiter bei uns bedankt hat.

Ent-täuschen Sie sich

Die Chance für uns liegt darin, herauszufinden, welchen Anteil wir selbst an einer ärgerlichen Situation haben. Wo haben wir uns Illusionen gemacht, falsche Erwartungen gehegt oder etwas ignoriert? Jede noch so kleine Erkenntnis ist Prävention für die nächste ähnliche Situation. Was immer hilft, ist die Frage: Was kann ich daraus lernen?

Überprüfen Sie Ihre Gewohnheiten

Welche Ihrer Gewohnheiten rufen immer wieder Ärger hervor? Das könnte unter anderem Perfektionismus sein. Legen Sie eine Checkliste an und kümmern Sie sich Schritt für Schritt um Ihre Themen. Meist wissen wir genau, wie es besser ginge, nehmen es nur nicht wichtig genug. So lange, bis es in einem Lebensbereich richtig kracht und der Personalchef oder Partner sagt: „Wir müssen reden“.

Machen Sie eine Bestandsaufnahme

Wie oft lachen Sie, wie schnell regen Sie sich auf, wie gern sind Sie mit anderen zusammen, wie leicht verzeihen Sie, wie sehr freuen Sie sich morgens auf den Tag, wie gern gehen Sie zur Arbeit? Die Antworten zeigen Ihnen, wieviel „Fastenbedarf“ Sie haben.

Sie wollen öfter und leichter positiv denken? Dann können Sie hier zehn Tage lang in nur zehn Minuten täglich testen, wie es gelingt.

 

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