Warum Unternehmen junge Talente an die Hand nehmen sollten

Vielen Uni-Absolventen mangelt es an praktischer Erfahrung.
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Vielen Uni-Absolventen mangelt es an praktischer Erfahrung. Es liegt an den Unternehmen, Orientierung zu geben, sagt Adrien Ledoux von Job Teaser.

Wer Absolventen und Studierende für das eigene Unternehmen begeistern und sie erfolgreich rekrutieren will, sollte sich mit den Vorlieben, Wünschen und den Herausforderungen dieser Generation beschäftigen. Am besten schon bevor der potenzielle neue Mitarbeiter das Studium abgeschlossen hat.

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Beschäftigt man sich mit der Frage „Wie erreichen Unternehmen die Generation Z?“, stößt man schnell auf ein zentrales Problem, das oftmals durch die große Auswahl an beruflichen Möglichkeiten, sowohl im Studium als auch im ersten Job, entsteht: Orientierungslosigkeit. Vielen frisch von der Uni stammenden Absolventen mangelt es an praktischer Erfahrung. Gerade zu Beginn der Karriere ist es für sie schwierig, die Anforderungen eines Jobs richtig einzuschätzen und zu entscheiden, ob die Position in einem Unternehmen langfristig die richtige Wahl ist und sie dazu noch glücklich macht.

Was wollen Absolventen und junge Talente?

Einer von zwei jungen Menschen fühlt sich nach dem Studium noch nicht bereit, in den Arbeitsmarkt einzutreten. Und 88 Prozent möchten in ihrer Berufswahl besser unterstützt werden. Das geht aus einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Ipsos hervor.

Talente wollen heute mehr denn je von Unternehmen an die Hand genommen werden. Für Unternehmen ergeben sich aus dieser Erkenntnis verschiedene Ansatzpunkte und Maßnahmen, um potenzielle Bewerber anzusprechen, sie am Anfang ihres Karrierewegs zu unterstützen und damit gezielt ihre persönliche Entwicklung und Potenziale zu fördern. Für Unternehmen ist es wichtiger denn je, zu wissen und zu verstehen, was Berufseinsteiger von einer Organisation verlangen. Die nachfolgenden fünf Empfehlungen sollten Personaler bei der Ansprache und im Umgang mit Berufseinsteigern beherzigen:

1. Die Vorlieben kennen

Für Unternehmen ist es essenziell, die Wünsche, Herausforderungen und Prioritäten der Kandidaten zu kennen und diese für die Kommunikation zu berücksichtigen. Der heutige Absolvent und Berufseinsteiger freut sich mehr denn je über eine strukturierte Einarbeitung und die Möglichkeit schnell Verantwortung zu übernehmen. Auch interne Angebote zur persönlichen Weiterentwicklung, beispielsweise in Form von Mentoring oder Fachschulungen, gehören aus Sicht der angehenden Fachkräfte zu einem guten Berufseinstiegspaket.

2. Gezielte Ansprache mit Mehrwert

Wie informieren sich Studierende und junge Talente und wo wollen sie von Arbeitgebern angesprochen werden? Diese Frage ist elementar, wenn es darum geht, interessante Angebote und Inhalte zu kreieren. Der klassische „Post & Pray“ Ansatz funktioniert in Zeiten des Fachkräftemangels kaum noch. Die häufig zur Generation Z gehörenden Nachwuchstalente verlangen nach persönlichem Kontakt über digitale und physische Plattformen. Das können Business-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing, aber auch Jobmessen sein. Studierende suchen vor allem Angebote von Unternehmen, bei denen sie sich einbringen, beweisen und sich ausprobieren können. Am beliebtesten sind dafür Praktika, Werkstudententätigkeiten und Abschlussarbeiten.

3. Frühzeitig Orientierung bieten

„Ich weiß nicht, wo ich mich nach meinem Studium bewerben soll“, diese Aussage ist bezeichnend für die oftmals große Orientierungslosigkeit von Studierenden und jungen Absolventen. Hier können Unternehmen frühzeitig Abhilfe schaffen, indem sie durch praxisnahe Angebote wie Praktika- oder Werkstudentenstellen eine Spielwiese für Nachwuchstalente anbieten. Ganz nebenbei wird dadurch der eigene Talent-Pool erweitert und passende Kandidaten an ein Unternehmen gebunden.

4. Transparenz verkörpern

Neue Zielgruppe, neue Kanäle und jede Menge Informationen: Die Führungskräfte von Morgen sind wissbegierig und suchen über unterschiedliche Plattformen nach Job-Angeboten, Arbeitgeberprofilen und nützlichen Informationen. Unternehmen sollten in ihrer Employer-Branding-Strategie fokussierte Informationen zu Unternehmensvorteilen und Einstiegs- und Kontaktmöglichkeiten preisgeben. Authentische Fotos oder Videos, Mitarbeiterbewertungen und eine detaillierte Beschreibung des Bewerbungsprozesses zählen ebenfalls zur erfolgskritischen Kür und werden in einer digitalen Welt immer wichtiger.

5. Offenheit und Menschlichkeit

Gerade Studierende haben viele Fragen rundum erste praktische Erfahrungen und den Berufseinstieg in einem Unternehmen. Unternehmen sollten jedem Interessenten, der eine Frage zu einem bestimmten Thema hat, Offenheit und Menschlichkeit entgegenbringen. Ob persönlicher Kontakt mit Foto und Kurzbeschreibung eines HR-Mitarbeiters, Fotos in Stellenanzeigen oder Dialogangebote in Netzwerken wie Xing, LinkedIn oder Facebook, die Möglichkeiten für Unternehmen im Erstkontakt positiv wahrgenommen zu werden, sind vielfältig.

Fazit: Silos brechen, Menschen in den Mittelpunkt rücken

Bei all den Maßnahmen, die HR-Abteilungen zur Auswahl haben, um die neue Generation von Fach- und Führungskräften zu rekrutieren, wird die Glaubwürdigkeit von Botschaften und die Abschaffung von internen Silos immer wichtiger. Gemeinsame und abteilungsübergreifende Visionen von Unternehmen, in denen sich Mitarbeiter frei und kreativ entfalten können, sind für junge Menschen, die in das Berufsleben starten, ein entscheidender Faktor geworden. Damit junge Talente die nötige Orientierung erhalten, sind eine beratende und helfende Hand im Unternehmen sowie Möglichkeiten für eine flexible Karriereentwicklung unabdingbar.