Wenig Anstrengungen

Das Thema Diversity wird von vielen Unternehmen trotz aller Bekundungen vernachlässigt. Obwohl es im Talent Management eine Chance sein kann.

Mit den Themen Diversity& Inclusion (D&I) sowie Corporate Social Responsibility (CSR) scheinen es die europäischen HR-Verantwortlichen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Zu diesem Schluss kommt das 8. Europäische HR-Barometer, eine Studie von Aon Hewitt und dem European Club for Human Resources. Zwar erkennen 57 Prozent D&I als strategisches Thema an, für 43 Prozent gehört es sogar zu den obersten Prioritäten. Allerdings verfügt nicht einmal die Hälfte über ein Diversity-Programm. Insgesamt gibt es zum Thema nur sehr wenig Aktivitäten in den Unternehmen, heißt es auf Seiten der Studienverfasser. „Das legt den Schluss nahe, dass D&I eher dazu eingespannt werden, der Arbeitgebermarke ein positives Image zu verleihen. Als echte Chance im Talent Management werden sie nicht wahrgenommen“, sagt Wolf-Bertram von Bismarck, Leiter des Bereichs Talent EMEA bei Aon Hewitt. „Gleiches gilt für CSR.“ Auch hier gibt es laut der Studienergebnisse kaum messbare Aktivitäten. „Altruismus oder echte Werte sind oft leider nicht die Treiber, im Vordergrund steht das Image, das Unternehmen sich damit aufbauen möchten.“

Trotz der Vernachlässigung von D&I führt das Talent Management die Liste der langfristigen Prioritäten an, dicht gefolgt von der Führungskräfteentwicklung. Das ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Zweitrangige Themen sind Nachfolge- und Personalplanung sowie die Verbesserung der Leistung der HR-Abteilungen. Im Ranking der Faktoren, die sich HR-Verantwortliche zur Verbesserung ihrer Arbeit wünschen, sind vor allem sinnvolle HR-Metriken und Key Performance Indicators (KPIs), integrierte IT-Systeme sowie mehr Glaubwürdigkeit gegenüber den anderen Geschäftsbereichen zu finden.

Laut der Studie sehen sich die Personalmanager allerdings mit der Transformation ihrer HR-Abteilungen auf dem Weg hin zu einer strategischeren Rolle im Unternehmen. Hier geben sie sich selbst durchweg gute Noten, ganz im Gegensatz zum operativen Geschäft. In diesem Bereich schätzen sich die Verantwortlichen deutlich schlechter ein als in der Vergangenheit. „Viele europäische HR-Manager befinden sich de facto in einem Teufelskreis“, erläutert von Bismarck. „Mangelhafte IT-Systeme und Prozesse führen zu mangelhaften KPIs. In Kombination mit operativen Schwächen untergräbt dies die Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen und damit die Fähigkeit, langfristige strategische Themen durchzusetzen. Und das wiederum erweckt schnell den Anschein, als wären sie auch mit HR-strategischen Themen überfordert.“