Wie Führung werden muss

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Die Komplexität und Dynamik neuer Arbeitswelten erfordern auch von Führung eine Anpassung, davon sind Adriana Abstein und Stefan Eim von Mercuri Urval überzeugt. Auf dem PMK 2015 erläutern sie, was die Führungskräfte der Zukunft auszeichnet.

Die wachsende Komplexität und Geschwindigkeit in der Arbeitswelt, die stetig sinkende Bindung der Mitarbeiter an ihr Unternehmen und das fortschreitende Verwischen der Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben stellen auch veränderte Anforderungen an die Führungsarbeit der Zukunft. Wie kann eine Führungskraft vor diesem hochdynamischen Hintergrund auch in Zukunft eine Arbeitsumgebung schaffen, in der Mitarbeiter motiviert, leistungswillig und produktiv sind?

Ein wichtiger Trend in diesem Zusammenhang, der sich heute bereits abzeichnet und sich unserer Meinung nach in Zukunft durchsetzen wird, ist der Ruf nach gelebter Mitarbeiterorientierung in der Führung. Dieser in der Praxis zu großen Teilen von den Mitarbeitern selbst geforderte aber mittlerweile auch von Managern geteilte Anspruch wird sich in den nächsten Jahren flächendeckend auf alle Industriebereiche, Mitarbeitergruppen und Mitarbeitergenerationen ausbreiten. Im Kern dieses Anspruchs steht der Wunsch nach einer Neuausrichtung des Denkens der Führungskräfte: Weg vom Fokus auf die Arbeitsanforderungen und Arbeitsabläufe an sich hin zu einer Fokussierung auf die eigentlichen Akteure – die Menschen hinter den Prozessen und deren individuelle Ausgangslage und Bedürfnisse.

Die Individualisierung der Führungsarbeit, das heißt die flexible aber konsequente Anpassung des Führungsstils und der Führungsinstrumente an die individuelle Situation des Mitarbeiters, kann hier ein sinnvoller Ansatz sein. Für die Führungskraft stellt sich damit nicht länger nur die Frage, wie alle in der Abteilung gleichmäßig und auf dieselbe Art zu steuern sind. Vielmehr wird als gut und fair empfundene Führung in Zukunft in der Beantwortung der Frage liegen: Was treibt jeden einzelnen Mitarbeiter an und was muss der Vorgesetzte tun, um die richtigen Rahmenbedingungen für ihn zu schaffen? Neben Evergreens im Themenkoffer wie Mitarbeitermotivation, offene Kommunikation, Unterstützung bei der Work-Life-Balance (unter anderem) ist hier vor allem das Stichwort kooperative Führung wesentlich.

Dem Mitarbeiter der Zukunft wird es nicht reichen, ein „anonymes Rädchen im Getriebe“ des Unternehmens zu sein und einem Führungsstil zu folgen, bei dem beispielsweise Entscheidungen „aus der Wolke“ getroffen werden, „Ansagen“ ohne Erklärungen gemacht werden oder andere „Chefallüren“ auf der Tagesordnung stehen. Vielmehr wird es für Unternehmen in Zukunft noch mehr darauf ankommen, Mitarbeiter als wichtige Beitragsgeber ernst zu nehmen, ihnen gegenüber Wertschätzung zu leben und sie an der Unternehmensgestaltung – natürlich in gewissen Grenzen – teilhaben zu lassen. Für die Führungskräfte heißt das in der täglichen Führungsarbeit unter anderem, Mitarbeiter zum Mitdenken, Entwickeln und Mitdiskutieren einzuladen.

Auf Basis dieser Grundüberlegungen wollen wir in unserem Vortrag Antworten suchen auf die Frage, was die Führungskraft der Zukunft mitbringen muss, um im Umfeld dieser gewandelten Anforderungen zu bestehen. Wir werden auf Einstellungen sowie Kompetenzen eingehen und zeigen auf, wie diese Erkenntnisse im Rahmen sowohl der Führungskräfteauswahl als auch der Führungskräfteentwicklung berücksichtigt werden sollten.