„Wir handeln nicht nur aus sozialer Verantwortung“

Andreas Zimmermann ist Leiter Personal Entwicklung bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben. Dort ist er unter anderem für das Projekt „Entwicklung und berufliche Qualifizierung von ungelernten jungen Erwachsenen“ zuständig. Dabei lernen Jugendliche ohne Berufsabschluss verschiedene Berufsbilder kennen und können sich Schritt für Schritt für einen Job qualifizieren. Im Interview spricht er über die Chancen und Herausforderungen bei der Förderung ungelernter Beschäftigter.

Herr Zimmermann, was hat die BSR dazu bewegt, die Personalentwicklung gezielt auf ungelernte Beschäftigte auszurichten?
Wir waren gegenüber ungelernten Beschäftigten nie verschlossen. Vor zehn Jahren haben wir das erste konkrete Projekt aufgesetzt, das sich mit der Unterstützung des Jobcenters und des Jugendamts gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet hat. Unsere Motivation war es, dieser Gruppe die Chance auf eine berufliche Orientierung und einen Arbeitsplatz zu bieten. Heute bringen wir jährlich etwa 40 ungelernte Jugendliche in unsere Unternehmen. Und die Erfolgsquote bestätigt unser Engagement: 80 Prozent der unter 25-Jährigen erhalten zunächst einen befristeten Arbeitsvertrag, nur 20 Prozent brechen das Programm ab.

Wo sehen Sie die Chancen dieser Strategie?
Wir handeln nicht nur aus sozialer Verantwortung heraus, das ist nur eine Motivation. Wir nehmen an, dass sich der Arbeitsmarkt in Berlin verändern wird. Mit Blick auf unsere Altersstruktur wissen wir, dass uns in den nächsten Jahren viele Menschen – etwa 40 Prozent unserer Beschäftigten – verlassen werden, und das über alle Bereiche hinweg. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir genug Nachwuchs gewinnen können. Neben der Ausbildung und Einstellung von Fachkräften bieten wir deshalb auch ungelernten Personen eine Chance.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie dabei?
Die größte Herausforderung ist es, die Menschen zu motivieren, ihnen eine Arbeitsstruktur näher zu bringen, sie an die Hand zu nehmen und sich um sie zu kümmern. Das funktioniert nur mit einer positiven Grundeinstellung. Wir haben aber auch den Anspruch, dass unsere Strukturen eingehalten werden und die betrieblichen Abläufe funktionieren. So einfach sich das anhört, so schwierig ist es, eben diese Strukturen und eine gewisse Routine zu vermitteln. Die Menschen müssen dafür Vertrauen aufbauen und eine Eigenmotivation entwickeln.

Was heißt das für die Praxis?
Es geht nicht nur darum, Arbeitsprozesse zu verinnerlichen, sondern auch Arbeitszeiten und betriebliche Strukturen. Daneben geht es auch um soziale Kontakte und Kundenkommunikation, das ist für manche eine echte Herausforderung. Das kostet ein Unternehmen viel Energie und Aufwand und lässt sich nicht nebenbei machen. Es braucht Personen, die sich ausschließlich und hauptberuflich um ungelernte Arbeitskräfte kümmern.

Würden Sie Ihren Weg anderen Unternehmen empfehlen?
Grundsätzlich ja. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Betriebe den Mut aufbringen würden. Viele Unternehmen haben versucht, unsere Strategie zu kopieren, allerdings hat es oft nicht funktioniert. Das liegt einerseits an den unterschiedlichen Unternehmensstrukturen, andererseits darf der personelle und finanzielle Aufwand hinter einem solchen Modell nicht unterschätzt werden.

Die Berliner Stadtreinigung wurde für ihr Projekt während des PMK mit dem Personalmanagement Award des Bundesverbands der Personalmanager in der Kategorie Non-Profit-Organisationen und Öffentlicher Sektor ausgezeichnet.