„Wir sind an Hochschulen präsent“

Die eigenen Mitarbeiter als Markenbotschafter, das geht beim BND nicht. Heidi Denz, Leiterin externe Personalgewinnung, über das Recruiting und den Umzug nach Berlin.

Frau Denz, der Bundesnachrichtendienst ist ja nicht gerade für seine Transparenz bekannt. Muss der Nachrichtendienst eigentlich für sich als Arbeitgeber werben wie das private Unternehmen tun?

So intransparent sind wir gar nicht – schauen Sie mal auf unsere neu gestaltete Homepage. Aber Sie haben natürlich Recht: Geheimhaltung spielt für einen Nachrichtendienst bei der Erfüllung seiner Aufgaben eine entscheidende Rolle. Sie bleibt unverzichtbar. Dieses besondere Bedürfnis erfordert aber, dass sich der BND als potenzieller Arbeitgeber so transparent und offen wie möglich präsentiert, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Nur so können wir unseren vielfältigen Bedarf an sehr unterschiedlich qualifizierten Fachkräften decken. Dabei stehen wir zwangsläufig im Wettbewerb mit privaten Unternehmen und anderen öffentlichen Arbeitgebern. Die Instrumente des modernen Personalmarketings, auf die wir schon seit Jahren setzen, helfen uns dabei, uns als Arbeitgeber vorzustellen, Zielgruppen anzusprechen und mögliche Vorbehalte abzubauen.

Auf welche Wege konzentrieren Sie sich vor allem im Bereich des Personalmarketings? Sind Sie beispielsweise an den Hochschulen präsent?

Unsere Maßnahmen orientieren sich an den sehr unterschiedlichen Zielgruppen. Wir stellen nicht nur Akademikerinnen und Akademiker ein, sondern suchen auch Bewerberinnen und Bewerber für eine zwei- bis dreijährige Laufbahnausbildung und Arbeitskräfte mit Berufsabschlüssen. Für die Personalwerbung im Bereich des akademischen Nachwuchses nutzen wir unterschiedliche Recruiting-Kanäle. Und ja: Wir sind regelmäßig an Universitäten und Hochschulen in ganz Deutschland präsent und informieren direkt vor Ort über unsere Tätigkeitsbereiche und Einstiegsmöglichkeiten. Wir schalten aber auch Anzeigen in Online- und Printmedien. Dass unsere Maßnahmen durchaus erfolgreich sind, zeigt im Übrigen das gute Abschneiden des BND als Top-Arbeitgeber in verschiedenen Arbeitgeberrankings – zum Beispiel bei „trendence“ und „universum“. Darauf sind wir stolz.

Wie groß ist die Bandbreite an Jobprofilen beim BND?

Um unseren breitgefächerten Auftrag professionell und kompetent erfüllen zu können, wie es die Bundesregierung von uns erwartet, bedarf es hoher Flexibilität und eines umfassenden Informations- und Wissensmanagements. Kaum eine andere Behörde in Deutschland beschäftigt deshalb so vielfältig und unterschiedlich qualifiziertes Personal. Die Bandbreite geht vom Ingenieur, Informatiker, Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Dolmetscher, Übersetzer und Juristen bis hin zum ausgebildeten Fachinformatiker oder staatlich geprüften Techniker sowie Verwaltungspersonal.

Was suchen Sie derzeit vor allem?

Im digitalen Informationszeitalter haben IT-gestützte Verfahren der Informationsgewinnung und -verarbeitung für Nachrichtendienste eine zentrale Bedeutung. Daher steht besonders die Gewinnung von IT-Fachkräften und Elektroingenieuren im Fokus. Aber auch auslandserfahrene Volljuristen, Politologen und Volkswirte – bevorzugt mit Fachexpertise aus Krisenregionen und guten Fremdsprachenkenntnissen – sind willkommen. Besonders am Herzen liegt uns übrigens die Einstellung von qualifizierten weiblichen Fach- und Führungskräften. Deren Anteil möchten wir gerne in allen Bereichen weiter steigern.

Viele Unternehmen nutzen im Rahmen des Employer Branding die eigenen Mitarbeiter als Markenbotschafter. Ist das beim BND überhaupt möglich, wo doch sicherlich Verschwiegenheit eine besonders geschätzte Eigenschaft sein dürfte?

Das ist in der Tat schwierig. Dies müssen wir akzeptieren. Denn unsere Mitarbeiter sind aus Sicherheitsgründen dazu angehalten, eher zurückhaltend über ihren Arbeitgeber zu sprechen. Unsere Aufgabe und unsere Arbeitsfelder sind wohl die Faktoren, die für mögliche Bewerber einen Anreiz darstellen, auch wenn wir auf Markenbotschafter verzichten.

Derzeit wird die neue BND-Zentrale in Berlin gebaut. Können Sie ein paar Eckdaten geben, um eine Vorstellung zu bekommen vom logistischen Aufwand? Wie viele neue Mitarbeiter-Wohnungen werden beispielsweise in Berlin gebraucht?

Bei unserer neuen Zentrale in der Chausseestraße haben wir es tatsächlich mit den Dimensionen einer Kleinstadt zu tun. Es wird hier etwa 4.000 Büroarbeitsplätze geben. Dazu kommen Sonderbereiche wie Werkstätten, Labore oder Konferenzzentren. Allein für die Standardbüroausstattung werden wir dann über 58.000 Stück lose Möbel in den Neubau einbringen. Darüber hinaus transportieren wir etwa 250 LKW-Ladungen an Arbeitsmaterial in die Chausseestraße.

Was die Mitarbeiter angeht: etwa 2.000 Kolleginnen und Kollegen werden – überwiegend aus Bayern – nach Berlin wechseln. Die andere Hälfte der Mitarbeiter arbeitet bereits in Berlin. Die Nicht-Berliner-Mitarbeiter und gegebenenfalls deren Familien werden nach Berlin umziehen. Insofern benötigen diese natürlich Wohnraum.

Aktuelle Immobilienangebote werden bereits über unser Intranet bekannt gemacht. Wenn es zum privaten Umzug kommt, erhalten die Mitarbeiter Unterstützungsleistungen, die das Bundesumzugskostengesetz festlegt, also zum Beispiel Erstattung der Speditionskosten und Reisekostenerstattung für Wohnungsbesichtigungen.

Die Zentrale soll 2016 bezogen werden. Macht es überhaupt Sinn, jetzt schon Mitarbeiter zu suchen?

Maßgeblich für die Personalzuführung ist nicht der Umzug, sondern der aktuelle Einstellungsbedarf. Daher werden wir weiterhin neues Personal suchen und einstellen, auch für Berlin. Hinsichtlich des Dienstortes erwarten wir von allen Bewerbern allerdings hohe Flexibilität. Eine Garantie für einen Dienstort geben wir grundsätzlich nicht.

Im Sommer hieß es in den Medien, dass aufgrund von Verzögerungen beim Umzug dem BND die Mitarbeiter weglaufen, die extra für Berlin eingestellt wurden. Wie schwer ist das Recruiting aufgrund der Verschiebungen derzeit tatsächlich für Sie?

Der Umzug nach Berlin ist seit längerem ein Faktor, der das Recruiting beeinflusst und sicher nicht leichter macht. Die damaligen Schlagzeilen überzeichneten das Problem aber sehr. Eine gewisse Personalfluktuation ist auch im BND Normalität. Dennoch ist richtig: Zeitliche Verzögerungen beim Umzug haben auch schon zu Kündigungen geführt, wenn die persönliche Lebensplanung in Einzelfällen allzu sehr betroffen war.

Allerdings möchten wir an dieser Stelle nochmals anmerken, dass wir grundsätzlich keine Einstellungen ausschließlich für einen bestimmten Dienstort vornehmen. Darauf weisen wir bereits im Bewerbungsverfahren hin. Und wir hoffen, dass es uns wie bisher gelingt, interessierte und engagierte neue Mitarbeiter zu finden, die ihre Entscheidung zum BND zu kommen nicht nur vom Standort abhängig machen.

Angeblich werden die Mitarbeiter in Pullach seit 2003 systematisch auf den Umzug vorbereitet. Was sind die wichtigsten Punkte dieser Vorbereitung?

Dies ist in der Tat so. Immerhin sind ja bereits rund 2.000 Arbeitsplätze nach Berlin verlagert worden. Bei der letzten größeren Verlagerung im Jahr 2005 ist eine ganze Abteilung nach Berlin gegangen. Bei den Vorbereitungen für den anstehenden Großumzug kann der BND dabei auf die Erfahrungen aus den bisherigen Umzügen zurückgreifen.

In der neuen Zentrale werden so viele BND-Mitarbeiter in einem einzigen großen Gebäude arbeiten wie nie zuvor. Dieser komplexe und eindrucksvolle Neubau, der zahlreiche Vorteile für die Ablaufprozesse mit sich bringt, wird eine völlig neue Arbeitsatmosphäre schaffen. Die mit dem Umzug befassten Kollegen stellen daher bereits jetzt zahlreiche Informationen zur BND-Zentrale bereit.

Das beginnt bei Bildern und Erläuterungen zu den Räumlichkeiten, virtuellen Rundgängen und interaktiven Musterbüros, geht weiter über die Herausgabe einer Mitarbeiterzeitung mit Themen rund um den Gesamtumzug bis hin zu regelmäßigen Baustellenführungen für die Mitarbeiter. Darüber hinaus wird der aktuelle Sachstand zum Bau in internen Lehrgängen und Veranstaltungen präsentiert. Wichtig ist hierbei, den Mitarbeitern die Vorteile näher zu bringen: Die kurzen Wege und der schnelle Austausch in der neuen Zentrale – zusammen mit der Nähe zu unseren „Abnehmern“, den Ministerien. Dies alles wird den BND noch effizienter, noch schlagkräftiger werden lassen.

Darüber hinaus unterstützt der BND seine Mitarbeiter auch beim persönlichen Wohnortwechsel: Wir stellen unseren Mitarbeitern unter anderem umfangreiche Informationen und Ratgeber zur Stadt Berlin zur Verfügung.

Trotzdem wollen eine ganze Reihe der Mitarbeiter nicht nach Berlin wechseln, wie man hört. Sie sorgen sich unter anderem um die Schulbildung ihrer Kinder. Wie gehen Sie mit deren Befürchtungen um?

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von persönlichen Gründen, die einer Familie oder einer Einzelperson einen Umzug erschweren können. Das reicht von der Berufstätigkeit des Partners über pflegebedürftige Angehörige bis hin zur hohen Lebensqualität im Voralpenland. Das nehmen wir selbstverständlich sehr ernst. Die sozialen Härtefälle wollen wir, soweit im gesetzlichen und betrieblichen Rahmen möglich, berücksichtigen. Auf der anderen Seite haben sich unsere Mitarbeiter für den Beruf beim Auslandsnachrichtendienst entschieden. Berlin dürfte da ja nun einen deutlich geringeren Kulturschock hervorrufen als manch anderer denkbare Dienstort.