Wissen der Generationen verbinden

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Mit dem HR Excellence Award 2015 sind zahlreiche herausragende HR-Projekte ausgezeichnet worden. Sie wollen wir hier vorstellen. Dieses Mal ist es das Wissensmanagement-Projekt von Diehl Defence. Unsere Fragen dazu beantworten Dieter Monka und Tina Steimer aus dem HR-Management des Unternehmens.

Wissensmanagement ist eine der großen Herausforderungen, vor denen Unternehmen stehen. Das gilt für Handwerksbetriebe wie Hochtechnologie-Konzerne gleichermaßen. Bei Technologie-Unternehmen kommt erschwerend hinzu, dass hier die Mitarbeiter mitunter lange Bildungswege hinter sich bringen müssen, bis sie im Job starten, sich zugleich aber der Takt immer mehr erhöht, in dem einmal gelerntes Wissen veraltet. Mit seinem Wissensmanagement-Prozess „EXPERTISE by Diehl Defence – Connecting Generations“ will der Teilkonzern Diehl Defence Holding GmbH nicht nur einen Know-how-Übergang im Rahmen des Wissensmanagements bei ausscheidenden Experten sichern, sondern auch gleichzeitig die Alterskluft in der Belegschaft überwinden. Das Projekt ist in der Kategorie „KMU Wissensmanagement“ ausgezeichnet worden.

Können Sie kurz Ihr Projekt beschreiben?
Der Erfolg unseres Technologiekonzerns Diehl basiert auf der Entwicklung innovativer Hightechprodukte und damit auf der Expertise unserer Mitarbeiter in strategischen Schlüsselfunktionen. Um auch zukünftig dem Wissens- und Fachkräftemangel entgegen zu wirken und gleichzeitig den Erhalt von Expertenwissen generationsübergreifend zu sichern, haben wir seitens HR einen Lösungsansatz entwickelt. In den nächsten zehn Jahren verlassen altershalber 30 Prozent unserer Mitarbeiter das Unternehmen. Dies bedeutet neben dem Generationenwechsel einen potenziellen Wissensabfluss, wenn nicht entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Zudem erschwert der hohe Altersunterschied in unserer Belegschaft die Kommunikation in der gemeinsamen Zusammenarbeit. Aus diesem Grund haben wir den seit 2011 implementierten Know-how-Transfer-Prozess „Expert Debriefing“ um einen genrationsübergreifenden Ansatz erweitert.

Speziell auf die Generation Y abgestimmte Methoden der Dokumentation (z.B. Video Podcast) strukturieren die Know-how-Übergabe, die auf Basis einer gemeinsam mit HR erarbeiteten Jobmap (persönliche Wissenslandkarte in Form eines Mindmaps) durchgeführt wird. Die ausscheidenden Experten der Generationen Babyboomer und Wirtschaftswunder mit strategischem Wissen werden in jährlichen Demografiegesprächen (mit HR und Führungskraft) identifiziert und drei bis sechs Monate vor Austritt von HR zum Auftaktgespräch des Know-how-Transfers eingeladen. Experte und Nachfolger erstellen gemeinsam mit einem ausgebildeten Wissensmanager aus dem HR in einem ersten Schritt die Jobmap mit den verschiedenen Wissensgebieten, aus der in einem zweiten Schritt der Know-how Schedule (Maßnahmenplan) abgeleitet wird. Das Generationentandem (Connecting Generations) setzt dann in enger Zusammenarbeit die Transfermaßnahmen um (Transfer of Technology).

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?
Unserer Meinung sind die folgenden Punkte die besonderen Erfolgsfaktoren:

  • Jeder Know-how-Prozess ist systematisch und gleich strukturiert aufgebaut.
  • Die Verantwortlichkeiten sind klar geregelt: Die Prozessverantwortung liegt bei HR, die fachliche Verantwortung im Fachbereich.
  • Eine individuelle Übergabe der Expertise angepasst an den unterschiedlichen Bedarf der Generationen wird sichergestellt.
  • Die Nachhaltigkeit des strategischen Wissens sichert den Unternehmenserfolg.
  • Wertschätzung für die erfahrenen Experten, die ihr berufliches Lebenswerk übergeben können.
  • Eine stärkere Bindung der neu eingestellten Mitarbeiter der Generation Y.


Grafik: Diehl

Die Nominierung auf die Shortlist 2013 („Expert Debriefing“) und der 1. Platz („Expertise – Connecting Generations“) bei den HR Excellence Awards 2015 war die Krönung des Projektes zum Know-how-Transfer und gleichzeitig eine schöne Bestätigung der langjährigen und erfolgreichen strategischen Personalarbeit im Unternehmen. Das Programm „Expertise – Connecting Generations“ hat die 29-köpfige Jury überzeugt. Innovation, Mitarbeiterorientierung und strategische Einbindung waren unserer Meinung nach die drei wesentlichen Kriterien, die zum Erfolg führten.

Worin hat sich vor allem der Erfolg des Projektes gezeigt?
Der Ansatz „Connecting Generations“ führt bei neuen Mitarbeitern zu einer stärkeren Bindung an das Unternehmen, sie fühlen sich, durch die Übernahme von strategischer Expertise, von Anfang an besser eingebunden und sehr von der Unternehmensseite geschätzt. Seit wir 2014 unseren Know-how-Transfer-Prozess um diesen generationsübergreifenden Ansatz erweitert haben, gab es keine Kündigungen der von uns neu eingestellten Jungingenieure mehr, die in einem Generationstandem eingebunden waren.