Zufrieden mit Liebe und Beruf

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HR und Attraktivität liegen nicht so weit auseinander wie gedacht, meint Jan C. Weilbacher. Belege dafür findet er in einer aktuellen Studie. Derzufolge flirten Personaler ziemlich gern. Eine Glosse

Eigentlich wollte ich über Arbeitszufriedenheit schreiben. Doch kurz bevor ich anfing zu tippen, stieß ich auf diese Meldung: Personaler sind ziemlich attraktiv. Also, der HR-Bereich gehört für liebeshungrige Mitarbeiter zu den fünf beliebtesten „Jagdgebieten“ in einer Firma. Das ergab eine Studie von Forsa und Xing. Besonders gern geflirtet wird in der Produktion und im Vertrieb, dann folgt HR.

Interessant an der Umfrage ist auch, dass insbesondere die Jüngeren geringe Berührungsängste haben – mit dem Thema Liebe und Sex am Arbeitsplatz, meine ich. Jeder Fünfte der 18- bis 29-jährigen Erwerbstätigen ist bereits eine Affäre unter Kollegen eingegangen, weitere 30 Prozent sind einer solchen Beziehung gegenüber aufgeschlossen.

Das sind durchaus für HR relevante Ergebnisse. Denn Affären zwischen Kollegen haben sicherlich eine Wirkung auf die Arbeitszufriedenheit. Das könnte ein neues großes Aufgabengebiet für HR werden. Es geht dabei um nicht weniger als die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Denn: Haben Sie schon mal mit Liebeskummer im Büro gesessen? Es ist die Hölle. Und wenn die Person des Herzens auch noch Teil des Teams ist, ist an Arbeit nicht mehr zu denken. Man ist damit beschäftigt, auf YouTube Lieder des Schmerzes anzuschauen und in Selbstmitleid zu baden. Was für ein Verlust an Arbeitsproduktivität! Es könnte sich für Personaler also lohnen, eine Weiterbildung in Sachen Liebeskummer zu machen. Wie baue ich die Leute auf? („Wird schon wieder“) Wie reagiert man überhaupt auf Mitarbeiter mit Liebeskummer? („Weine so viel Du willst“) Oder sollte der Personaler den Betreffenden zu mehr Professionalität ermahnen? („Schreib Deinen Scheiß in Dein verdammtes Tagebuch!“).

Vermutlich hilft es, erst einmal den Leidenden vom Objekt der Begierde ganz weit weg zu setzen und ihn für seine Arbeit zu loben. Ein Lob am Arbeitsplatz ist das schönste Lob. Das sagen laut einer Studie des Happiness Institut auch 54 Prozent der Deutschen.

Lob wirkt sich nachhaltig auf die Arbeitszufriedenheit aus. Ob die Deutschen allerdings mit ihrem Job überhaupt zufrieden sind, ist gar nicht so einfach zu sagen. Von Gallup hört man jedes Jahr Schreckensberichte. Im März hieß es, fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland habe innerlich gekündigt und 61 Prozent würden Dienst nach Vorschrift machen. Das Institut der deutschen Wirtschaft behauptet quasi das Gegenteil. Eine aktuelle Umfrage hat hier ergeben, dass neun von zehn Arbeitnehmern mit ihrem Job zufrieden sind. Mit anderen Worten: Man weiß nicht, ob der Deutsche zufrieden ist. Je nach Art der Fragestellung bekommt man die Antworten, die man hören will.

Das Einzige was wirklich aussagekräftig ist, ist die Beobachtung. Deswegen: Beobachten Sie, liebe Personaler, von Zeit zu Zeit das Verhalten der Mitarbeiter. Die sollen das aber natürlich nicht mitbekommen. Also verstecken Sie sich hinter einem Blumenkübel oder so. Folgende drei Verhaltensweisen des Mitarbeiters – das hat die Forschung ergeben – machen mit großer Sicherheit deutlich, dass dieser sehr unzufrieden ist mit seinem Job.

Erstens: Er schlägt seinen Kopf immer wieder auf den Tisch und murmelt: „Ich hasse den Job/das Unternehmen/den Chef.“ Zweitens: In der Konversation mit Kollegen neigt er zu ungewöhnlichen Reaktionen: Er weint/schreit/schmeißt sich auf den Boden und ruft, dass man ihn bedrohe. Und drittens: Er rennt durch die Büroräume und fordert alle Kollegen auf, mit ihm Essen/Spazieren/Schwimmen zu gehen – und das jede Stunde.

Nun gut, wenn ich es mir genau überlege, könnten das auch Indizien für ein Burn-out sein. Ist ja ein großes Thema zurzeit. Genauso wie „Liebe am Arbeitsplatz“. Neulich las ich eine Meldung, die von einem Zahnarzt in Iowa handelte, der mit seiner Ehe nicht zufrieden gewesen ist und über die Jahre mit seiner Assistentin immer wieder anzügliche SMS ausgetauscht hatte. Von einem auf den anderen Tag feuerte er die Mitarbeiterin mit der Begründung, sie sei zu attraktiv. Er fürchtete um seine Ehe. Die Frau klagte dagegen – und verlor vor einem durchweg männlich besetzten Gericht. Ein Leser auf „Spiegel Online“ kommentierte: „Dubai und Iowa liegen nicht so weit voneinander entfernt, wie man dachte.“ Ja, dasselbe gilt für HR und Attraktivität. Die liegen auch nicht so weit voneinander entfernt, wie man dachte.