Zwei Tage volles Programm

Unter dem Leitthema Motivation ging der Personalmanagementkongress Ende Juni in die vierte Runde. Neben dem Austausch im Rahmen des umfangreichen Programmes gab es mit der Nacht der Personaler auch genügend Raum für den Plausch in lockerer Atmosphäre.

Über 1.500 Teilnehmer und 120 Referenten, mehr als 100 Best Cases, Keynotes und Workshops. Dazu die Gala „Nacht der Personaler“ – der diesjährige Personalmanagementkongress bot ein vielseitiges Programm.

Das begann mit der Eröffnungskeynote des EnBW-Vorstandsvorsitzenden Frank Mastiaux. Der Energieversorger EnBW erlebt turbulente Zeiten. Die Energiewende hat das Geschäftsmodell in kürzester Zeit ziemlich alt aussehen lassen. Der Konzern muss sich einen neuen Weg in die Zukunft suchen. Gerade in solchen Umbruchsituationen kommt es auf Leadership an und dafür braucht man die richtigen Leute. Das war das Thema, über das Mastiaux sprach, die er mit vielen persönlichen Eindrücken aus seiner Berufslaufbahn anreicherte. Im Laufe der Zeit habe er unterschiedliche Entwicklungskonzepte für Führungskräfte erlebt, wie er erzählte. Doch entscheidend sei nicht, welches Konzept HR verfolge, sondern dass es überhaupt eines gibt, es stets aktualisiert und systematisch angegangen wird.

Seiner Erfahrung nach müssten Entwicklungskonzepte verhindern, dass die falschen Leute nach oben kommen, die aufgrund ihrer Fähigkeiten da nichts zu suchen haben. Also steht gar nicht so sehr die Förderung der Top-Leute im Vordergrund. Denn die „gehen immer ihren Weg. Sie sind nicht zu stoppen“. Nach Meinung des EnBW-Chefs zeichnet solche Leute vor allem aus, dass sie kommunikationsfähig sind. „Die Fähigkeit sich ausdrücken zu können, ist fundamental.“ Eine zweite Kompetenz ist die Selbstreflexion. Doch den entscheidenden Unterschied sieht Mastiaux darin, ob jemand einen Sachverhalt prägnant darstellen könne, ob jemand sortiert sei. „Können Sie mir das mal in drei Sätzen sagen?“, sei die „Killerfrage“. Die Top-Leute könnten das.

Kompetenzentwicklung bei Volkswagen

Eine weitere Keynote hielt Horst Neumann, Personalvorstand bei VW. Dabei ging es darum, wie aus Teams Spitzenteams werden. Spitzenteams sind ein Erfolgsfaktor – auch bei Volkswagen. Davon ist Horst Neumann überzeugt. Die Basis für Spitzenteams seien Kompetenzen, sagte er. Im Rahmen der Kompetenzentwicklung stellt VW den Berufsgedanken in den Mittelpunkt. Das geht bei der dualen Berufsausbildung los, die man weltweit implementieren will. Der Leitgedanke des Berufs findet sich allerdings auch nach dem Ausbildungsabschluss wieder. In den zahlreichen Berufsfamilien gibt es Entwicklungswege mit verschiedenen Karrierestufen. Und bei allen sei der Wissenstransfer der Schlüssel, so der VW-Vorstand. Das gelinge über Instrumente wie Trainings, Mentorings oder das Tandemlernen. Auch die Gesundheit ist für die Leistung der Teams von großer Bedeutung. Der Konzern ist dabei, immer mehr Arbeitsplätze ergonomisch zu gestalten. Zum Gesundheitsmanagement gehört ebenso die Prävention. Neumann zeigte sich stolz auf die bei VW 2010 eingerichteten Check-ups – freiwillige ärztliche Untersuchungen. Eine dritte Säule der Teamarbeit ist das Engagement der Mitarbeiter. Dazu werde jedes Jahr ein Stimmungsbarometer erhoben, sagte Neumann.

Abseits der Keynotes wurden in den verschiedenen Workshops und Best Cases diverse andere Themen aufgegriffen. Auch der Bereich der sozialen Medien wurde nicht vernachlässigt. So sprach beispielsweise Cornelia Hulla von der Gea Group mit Florian Schrodt von der Deutschen Flugsicherung über Blogs als Employer-Branding-Medium. Hulla ist der Ansicht, dass Blogs einen sehr vielfältigen und authentischen Einblick ins Unternehmen geben können, weil sie über viele Stilmittel und anschauliches Material Erlebnisse gut transportieren könnten. Sie sieht aber auch, dass bloggen für Personaler noch sehr neu ist und dass es oftmals gilt, Widerstände in den Unternehmen abzubauen. „Social Media kann man nicht mehr vermeiden, man muss sich dem stellen“, so lautet ihr Fazit.

Eine Diskussion im Rahmen des Personalmanagementkongresses widmete sich unter dem Titel „Zwischen Macht und Ohnmacht – Die Verantwortung der Personalabteilungen“ den Begriffen Macht, Verantwortung, Ethik und Werte. Mit dabei waren die BPM-Vizepräsidentin Ursula Schütze-Kreilkamp, der Mediziner Peter Bäurle und Christiane Staffhorst von der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik. Staffhorst spricht den Personalern Gestaltungsmacht zu, sieht diese aber häufig nicht ausreichend wahrgenommen und appelliert an sie, mehr Verantwortung zu übernehmen, wenn es um die Frage geht, welche Mitarbeiter man im Unternehmen haben möchte, welche Werte gepflegt werden sollen und welche Art der Nachwuchsförderung man möchte. „Es geht aber auch darum, mal nein zu sagen und deutlich zu machen, dass man nicht das ausführende Organ ist, sondern sich als Gestaltungsmacht im Unternehmen und als Teil der gesamten Unternehmensstrategie versteht“, meint Staffhorst.

Galarede der Bundesarbeitsministerin

Im Anschluss an den ersten Kongresstag fand im Berliner Friedrichstadtpalast die Gala „Nacht der Personaler“ statt. Als Auftakt hielt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen eine Festrede. Auch hier wurde das Kongressthema Motivation deutlich: „Ich hoffe die Motivation der Anwesenden ist noch groß genug für meine kurze Rede“ begann sie und rezitierte anschließend Motivationstheorien von Hirnforscher Gerald Hüther, der die Auffassung vertritt, dass nur jene wirklich motiviert sind, die auch das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Und das sei auch Aufgabe der Personaler in Unternehmen. Die Ministerin sprach anschließend über die Problematik der aktuell erschreckend hohen Jugendarbeitslosigkeit in weiten Teilen Europas und darüber, dass die betroffenen Jugendlichen beginnen neben ihrer Motivation ihre Perspektiven und den Mut zu verlieren. „Die Zeit drängt. Wir dürfen Europas Jugend in dieser Situation nicht im Stich lassen“, sagte sie. Die duale Ausbildung Deutschlands könne auch als Erfolgsmodell für Europa herhalten. Die CDU-Politikerin nannte die Personaler „Schalthebel“ um der Jugend Europas wieder eine Chance zu geben.

Nach der Festrede wurde der Personalmanagement Award 2013 vergeben sowie der Nachwuchsförderpreis des Bundesverbands der Personalmanager (BPM). Diesen bekam Tina Klähnhammer für ihre Masterarbeit „Beurteilungsqualität in der Karriere- und Nachfolgeplanung der Rewe Group“. Der Personalmanagement Award wurde in drei Kategorien verliehen, in der Kategorie Großunternehmen ging er an BASF für das Projekt „Der neue BASF Ausbildungsverbund: Ein Markt der Möglichkeiten“. Für die kleinen und mittelständischen Unternehmen wurde die Meyer & Meyer Holding und ihr Gesundheitskonzept ausgezeichnet und der Preis in der Kategorie Organisation und Verband ging an die Stadt Esslingen für ihr Projekt „Gewinnung von pädagogischem Fachpersonal zur Betreuung von Kindern ab dem ersten Lebensjahr“.

Damit war die Vergabe von besonderen Auszeichungen im Rahmen des Personalmanagementkongresses aber noch nicht abgeschlossen: Am zweiten Kongresstag erhielt Ruth Lemmer noch den HR Journalismuspreis 2013 für ihren Artikel „Anker in den Köpfen“, der in der Wirtschaftswoche erschienen ist.