Zwischen virtuellen Universitäten und Wissenskrediten

Nichts ist beständiger als der Wandel – das gilt auch für die Welt des Lernens. Auch sie wird sich in Zukunft von der heutigen unterscheiden. Doch wie wird Lernen und Weiterbildung dann aussehen? Ein Ausblick.

Die Welt des Lernens wird sich zukünftig von der heutigen unterscheiden: Studenten virtueller Universitäten könnten bald ebenso Realität sein, wie ein wachsender Markt für Bildungskredite. Wie werden wir in Zukunft lernen? Welche Trends und Innovationen werden die Entwicklungen maßgeblich prägen? Diesen Fragen sind das Institute of Corporate Education, die F.A.Z. Executive School, Bayer MaterialScience und der Corporate Campus für Management und Strategie der DZ BANK Gruppe im Rahmen einer breit angelegten gemeinsamen Studie zur Zukunft der betrieblichen Weiterbildung nachgegangen und haben die zentralen Trends der kommenden Jahre analysiert. Das Ergebnis ist unter anderem ein „Chancen-Radar“, das die Veränderungen bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Im Folgenden stellen wir ausgewählte Projektionen der nahen Zukunft dar:

Altersgerechtes Lernen (2014)
Die Gruppe der „Lernenden“ sollte im Weiterbildungsmarkt – aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse hinsichtlich Wissensvermittlung und Lernumgbung – nicht als homogen betrachtet werden. Die altersgerechte Gestaltung von Trainings wird daher an Bedeutung gewinnen. Viele Bildungsanbieter haben das bereits heute auf die Agenda genommen.

Die virtuelle Uni (2016)
Eine virtuelle Universität, die Weiterbildungsprogramme, Trainings oder Übungen online anbietet, könnte die Antwort auf die Veränderungen der Gesellschaft sein. Die Internationalisierung der Weiterbildung schreitet voran. Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels insbesondere in den westlichen Ländern könnten Unternehmen von weltweit verfügbaren Fachkräften und ebensolchen Weiterbildungsangeboten profitieren. Trainingsprogramme innerhalb einer virtuellen Uni sind nicht an Raum und Zeit gebunden und werden zur attraktiven Mitarbeiterbindungs- und Entwicklungsmaßnahme.

Bildungssparen (2017)
Private Universitäten und Fachhochschulen boomen in Deutschland. Ihre Anzahl hat sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt auf heute knapp über 100 von zirka 400 Hochschulen. Immer mehr Studierende verstehen ihre Ausbildung als Investition in die Zukunft und sind bereit, Kredite zur Vorfinanzierung der teils hohen Studiengebühren aufzunehmen. Finanzierungsformen wie Studiendarlehen, Bildungskredite oder auch offene Bildungsfonds könnten zum Standardmodel der Zukunft avancieren.

Augmented Reality (2018)
Erweiterte Realität (Augmented Reality) steht für die Vermengung realer und virtueller Daten und ermöglicht bereits seit einigen Jahren insbesondere in den Bereichen Tourismus, Navigation oder Immobilien erste Anwendungen von computergenerierten Zusatzinformation. Zukünftig werden Lerntechnologien durch den rasanten Ausbau der Augmented Reality Systeme (ARS) eine erhebliche weitere Entwicklung erfahren, zum Beispiel wenn Lerninhalte aus Büchern, dem Internet und anderen Aufzeichnungen mittels Brillenbildschirmen mit unserer aktuellen Realität verknüpft und verbildlicht werden. Denkbar ist, dass ARS zukünftig das altbewährte Prinzip „learning by doing“ technisch unterstützen und eine erweiterte Wissensvermittlung „on the job“ ermöglichen.

Return on Education (2019)
Nach wie vor wird der Trainingserfolg häufig nur über Zufriedenheitsbefragungen und Wissenstests quantifiziert. Die kritische Bedeutung der Bildung und die steigende Höhe der Weiterbildungsbudgets werden das in den kommenden Jahren jedoch ändern: Der Nutzen und finanzielle Konsequenzen werden als „Return on Education“ standardisiert und transparent berechnet. Viele Unternehmen arbeiten heute schon daran, den Erfolg der Weiterbildung quantifizierbar zu machen – so setzt etwa MAN bereits die Kennzahl „Trainingsgrad“ ein.

Bewußtsein für Veränderungen
Das im Rahmen der Studie entwickelte Chancen-Radar kann Mitarbeitern und Unternehmen dabei helfen, sich den wichtigsten technologischen, sozialen und ökonomischen Trends in der betrieblichen Weiterbildung aktiv zu stellen. Das Gleiche gilt auch für Wissenschaft und Politik, die in der Verantwortung stehen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die künftigen Herausforderungen in Wissensvermittlung und -erwerb gerecht werden. Die wichtigste Aufgabe der vorliegenden Studie ist es aber, ein Bewußtsein dafür zu wecken, dass die betriebliche Weiterbildung in den kommenden Jahrzehnten ein hochdynamisches Feld sein wird, dessen Entwicklung jeden Aspekt unseres Lebens immer stärker beeinflussen wird.