Als freier, unabhängiger Kunsthistoriker kann ich mir meine Zeit weitgehend selbst einteilen und meine Arbeitsfelder selbst organisieren. Ich arbeite überwiegend von zu Hause aus, wo ich mein Büro habe. Nachdem ich morgens die aktuellen Feuilletons und die Fachpresse durchgesehen habe, erledige ich meinen E-Mail-Verkehr mit Museen, Universitäten, Auktionshäusern, Galerien und Privatsammlungen sowie mit Zeitungsredaktionen. Die wichtigsten Kommunikationsmittel sind für mich Internet und Telefon, ohne die nichts funktionieren würde. Die sich im Tagesablauf anschließende Arbeit ist sehr vielfältig, da kein Tag wie der andere ist.
Lesen, Recherchieren, Schreiben
Hauptsächlich bin ich als wissenschaftlicher Autor im Bereich der zeitgenössischen Kunst tätig: Für über 30 internationale Museen habe ich Texte für Ausstellungskataloge verfasst. Außerdem arbeite ich als freier Mitarbeiter etwa für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und gebe Bücher heraus, wie zum Beispiel das Werkverzeichnis der Editionen von Gerhard Richter, das Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst und ein kunstsoziologisches Buch über Kunstfälschungen. Da ich darüber hinaus Vorträge in verschiedensten Institutionen halte, verbringe ich auch dafür viel Zeit am Schreibtisch und beim Lesen und Recherchieren in meiner Bibliothek, die sozusagen mein Arbeitskapital darstellt.

Fakes aufspüren
Eines meiner Spezialgebiete ist das Verfassen von Gutachten für Werke von Gerhard Richter, in dessen Atelier ich in den 1990er Jahren als kunsthistorischer Assistent gearbeitet habe. Da er
der erfolgreichste und teuerste Künstler Deutschlands ist, werden seine Bilder häufig gefälscht. Fälschungen sind Objekte, die mit betrügerischer Absicht vorgeben, etwas zu sein, was sie nicht
sind. Dadurch werden im Kunsthandel, in Museen und Privatsammlungen mitunter große finanzielle Schäden angerichtet.
Im Auftrag von Kunsthändlern, Rechtsanwälten und Privatleuten oder auch für Ermittlungsbehörden untersuche ich verdächtige Werke und schreibe dann Expertisen. Vor allem drei Aspekte sind dabei zu berücksichtigen: Stilanalyse, materialtechnische Untersuchung und Provenienzforschung, wobei Letzteres die Frage nach der Geschichte und Herkunft eines Objekts meint. Bei der
materialtechnischen Analyse ist mein wichtigstes Werkzeug eine Lupe, mit der etwa bei druckgrafischen Blättern falsche Drucktechniken entlarvt werden können. Genauso relevant sind Fachwissen und jahrelange Erfahrung, ohne die man als Experte nicht auskommt.

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Reisen als Inspirationsquelle
Besonders gerne mache ich Reisen in Städte, wo ich Sammler, Museen und Ausstellungen besuche, um auf dem Laufenden zu bleiben und zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Es gibt immer wieder Unbekanntes oder Überraschendes zu entdecken, sodass die Auseinandersetzung mit der Kunst und dem Kunstbetrieb immer spannend und inspirierend ist.
Freizeit und Ehrenamt
Obwohl ich privat sehr gerne in Konzerte, Restaurants und ins Kino gehe sowie enge Freundschaften pflege, gibt es kaum eine echte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Das empfinde ich jedoch als positiv, da ich Beruf und Leidenschaft miteinander verbinden kann. So engagiere ich mich zum Beispiel ehrenamtlich für die Grafische Gesellschaft, den Förderverein des Berliner Kupferstichkabinetts, wo wir im Team ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm für die Mitglieder und Gäste organisieren, was viel Freude macht.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe Fake. Das Heft können Sie hier bestellen.

