Die Macht der achtsamen Sprache

Rezension

Auf 120 Seiten entwirft Andreas Bornhäußer mit Kommunikative Inklusion. Anleitung zum respektvollen Miteinander in Unternehmen und Gesellschaft ein praxisnahes Plädoyer für eine achtsamere Sprache und bewusstere Kommunikation – im Berufsalltag wie im gesellschaftlichen Miteinander. Das
Wissen des Kommunikationsexperten und langjährigen Beraters beruht auf Erfahrungen in der Trainings und Führungskräfteentwicklung. In seiner Rolle als Entwickler diagnostischer Instrumente wie des SCIL Profiles bringt Bornhäußer zudem eine spezifische Expertise im Bereich der Persönlichkeitsanalyse ein.

Praxisnahe Impulse und alltagstaugliche Reflexionshilfen

Die Lektüre richtet sich primär an Führungskräfte, Personalverantwortliche und Unternehmen, die sich für diskriminierungsfreie Kommunikation, inklusive Unternehmenskulturen und nachhaltig funktionierende Teams engagieren wollen. Es versteht sich als Werkzeugkasten für die Praxis. Bornhäußer formuliert
keine akademischen Theorien, sondern gibt konkrete Impulse, Gesprächsbeispiele und alltagstaugliche Reflexionshilfen. Dabei bleibt allerdings offen, wie sich diese Ansätze in komplexeren organisationalen Wirklichkeiten umsetzen lassen – insbesondere dort, wo kultureller Wandel nicht nur vom Willen Einzelner abhängt, sondern strukturell verankert werden müsste.

Die Gliederung in fünf Kapitel, von der gesellschaftlichen Ausgangslage über psychologische Grundlagen bis zu konkreten Tools wie gezielten Fragetechniken für wertschätzende Dialoge, erlaubt einen schrittweisen Zugang zum Thema. Ein zentrales Element des Buchs ist die Anwendung diagnostischer Persönlichkeitsmodelle, darunter DISG und Reiss, aber auch das vom Autor mitentwickelte SCIL-Profile.

Leserinnen, die in solchen Instrumenten eine hilfreiche Struktur zur Selbst- und Fremdwahrnehmung sehen, werden hier viele Anregungen finden. Wer dagegen kritisch auf typologische Verfahren blickt oder stärker evidenzbasierte Ansätze bevorzugt, wird diesen Teil womöglich mit gemischten Gefühlen lesen.

Bornhäußer überträgt zudem Prinzipien des New-Work-Ansatzes auf Kommunikation und rundet die Lektüre mit einem Ausblick zur Zukunft der kommunikativen Inklusion ab. In seinem Ton wechselt er zwischen präziser Analyse und engagierter Haltung. Seine Sprache bleibt dabei verständlich und gelegentlich pointiert. Das macht das Buch sowohl für Erfahrene in dem Gebiet als auch für Einsteiger
in die Thematik lesenswert

Persönliches und hoffnungsvolles Ende

Am Ende der Lektüre verrät Bornhäußer, was ihn selbst inspiriert hat, das Buch zu schreiben. Der Sohn seiner Frau sei Halbbrasilianer und habe ihn in einem Streit damit konfrontiert, dass er als alter weißer Mann ja keine Ahnung habe. Für Bornhäußer der Anlass, sich intensiv mit diskriminierender Sprache zu beschäftigen.


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Seine Mischung aus kritischen Forderungen und Hoffnung könnte denjenigen Trost spenden, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen überfordert fühlen. „Sind wir eigentlich zu retten?“, fragt sich der Autor im Schlusswort und bezieht sich dabei auf die gesellschaftlichen Krisen, denen wir uns gegenübersehen: von wachsender Unsicherheit im öffentlichen Raum über steigende Gewalttaten bis
hin zum globalen Rückgang demokratischer Strukturen.

Doch trotz dieser düsteren Analyse lädt der Autor abschließend zur aktiven Mitgestaltung ein: Er habe das Buch vor allem mit dem Ziel geschrieben, echte Teilhabe zu ermöglichen und funktionierende Teams zu fördern. In einem augenzwinkernden Bild wird aus dem viel zitierten „Toll, ein anderer macht’s“ ein neues Verständnis von TEAM: „Totales Engagement aller miteinander“. In dieser Perspektive liegt auch seine
Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Ja, wir sind noch zu retten, wenn wir „kommunikative Inklusion leben und lieben lernen“. Individuell, kollektiv, jetzt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe Fake. Das Heft können Sie hier bestellen.

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Frau mit langen, braunen Haaren in einem blauen Rollkragenpullover vor einem hellen Hintergrund.

Salome Häbe

Salome Häbe ist Junior-Redakteurin beim Magazin Human Resources Manager. Dort absolvierte sie zuvor auch ihr Volontariat. Sie hat einen Bachelorabschluss in Internationaler Kommunikation und arbeitete neben dem Studium als freiberufliche Autorin für mehrere Online-Magazine im Bereich der Nachhaltigkeit.

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