5 Fragen zur Personalarbeit der Bundeswehr

Interview

Herr von Heimendahl, zu welchen Teilen wird das geplante Geld in die personelle Infra­struktur fließen?
Es wird derzeit noch darüber beraten, wie und für was dieses Geld verwendet wird. Letztlich entscheidet das Parlament, also der Deutsche Bundestag. Auswirkungen für das Personal der Bundeswehr ergeben sich aus den konkreten Beschaffungsentscheidungen. Sowohl Stärke als auch Qualifikationen und Fähigkeiten des Personals müssen mit den technischen Entwicklungen und Anforderungen Schritt halten. Eine bedarfsgerechte und einsatzbereite Personalausstattung ist der Kernauftrag unseres Personalmanagements. Ziel ist die Sicherstellung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.

Wie wirkt sich der Krieg in Europa und das akute Risiko auf die Personalpolitik aus?
Die Bereitschaft, unserem Land gerade auch in diesen Krisenzeiten zu dienen und die Bundeswehr zu unterstützen, ist generell hoch. Wir regis­trieren seit dem Ausbruch des Krieges eine erhöhte Zahl an interessierten Menschen, die Kontakt mit uns aufnehmen und unsere Karriereberatung aufsuchen. Auch seitens der Reserve gibt es eine erhöhte Bereitschaft an Reservedienstleistungen. Andererseits erreichen uns auch Anträge auf Kriegsdienstverweigerung. Wie sich die Entwicklungen auf das konkrete Bewerbungsaufkommen auswirken werden, ist noch nicht abzuschätzen. In Bezug auf unser Bestandspersonal richten sich unsere Maßnahmen der Personalbindung – unabhängig vom aktuellen Geschehen – vor allem an gefragte Spezialkräfte mit dem Ziel, sie an Bord zu halten.

Wie wird innerhalb der Bundeswehr das Risiko thematisiert, das mit einer militärischen Laufbahn einhergeht?
Im Rahmen multinationaler Missionen ist die Bundeswehr stetig an mandatierten Auslandseinsätzen weltweit beteiligt und damit auf die grundsätzliche Einsatzbereitschaft der Soldatinnen und Soldatinnen, die sich für den Dienst entscheiden, angewiesen. Ein transparentes und an den individuellen Fragestellungen orientiertes persönliches Gespräch ist Grundlage und Ausgangspunkt jeder Karriereberatung der Bundeswehr. Die Anforderungen und Risiken, die mit dem militärischen Dienst verbunden sind, werden gegenüber Interessierten und Bewerbenden während des gesamten Einstellungsprozesses und der späteren soldatischen Ausbildung immer wieder dargestellt.

In unseren Assessmentverfahren analysieren wir die individuellen Stärken, Fähigkeiten und Eigenschaften der Bewerberinnen und Bewerber. Dabei wird auch dem Thema „Dienst an der Waffe“ eine besondere Bedeutung eingeräumt. Unser Ziel ist es, die Wünsche der Bewerbenden mit dem Bedarf der Bundeswehr in Übereinstimmung zu bringen.

Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Schritte, um mehr Menschen für das Militär zu gewinnen?
Wir stehen in direkter Konkurrenz zu anderen Unternehmen und Institutionen am Arbeitsmarkt. Dennoch wird der Dienst bei der Bundeswehr als attraktiv wahrgenommen. Das spiegelt sich in einem konstant hohen Interesse und jährlichen Bewerbungsaufkommen wider. Im Trendence Fachkräftebarometer belegte die Bundeswehr im vergangenen Jahr den ersten Platz; auch bei Schülerinnen und Schülern steht sie mit dem zweiten Platz hoch im Kurs. Die Bundeswehr ist auf Wachstumskurs, und Vakanzen sind Voraussetzung für unseren Aufwuchs. Dienstposten müssen eingerichtet sein, bevor sie besetzt werden können. Im Moment befinden sich rund 35.000 Menschen bei uns in Ausbildung. Sie werden die offenen Stellen nach und nach besetzen. Wir haben einen jährlichen Einstellungsbedarf von rund 23.000 Menschen für die Bundeswehr, in der Bandbreite vom Gärtner über spezialisierte Fachleute im IT- oder Medizinbereich bis hin zur Eurofighter-Pilotin. Mit einem Medien- und Marketing-Mix, analog wie digital, wollen wir eine breite Zielgruppe ansprechen und informieren über Möglichkeiten und Angebote der Bundeswehr als Arbeitgeberin.

Welche Bedeutung hatte das Risiko für Sie als junger Soldat?
Ich bin 1978 in die Bundeswehr eingetreten, da war das Risiko eines Krieges auf der einen Seite abstrakt, auf der anderen Seite aber auch sehr greifbar. Zum Beispiel an der damaligen innerdeutschen Grenze. An Auslandseinsätze auf dem Balkan oder in Afghanistan dachte damals niemand. Als junger Mensch neigt man sicher dazu, Risiken eher leichtzunehmen – ein Grund, warum wir sie in der Personalgewinnung offen thematisieren müssen. Für mich war der Offiziersberuf interessant, er schien fordernd zu sein und vor allem gab er mir die Möglichkeit, schnell und früh Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu führen. Manche Eindrücke habe ich durch meinen Vater bekommen, der auch Offizier in der Bundeswehr war. Nach meinen rund 44 Dienstjahren kann ich sagen, dass sich viele meiner Erwartungen an den Dienst erfüllt haben, dass aber gleichzeitig vieles überraschend und auch mit großen Herausforderungen verbunden war. Ich glaube, kaum ein Berufsweg könnte abwechslungsreicher, fordernder, aber auch erfüllender sein als der eines Offiziers.

Klaus von Heimendahl hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.

Zum Gesprächspartner:

Generalleutnant Klaus von Heimendahl, Abteilungsleiter Personal im Bundesministerium der Verteidigung
Klaus von Heimendahl © Tom Twardy / Bundeswehr

Generalleutnant Klaus von Heimendahl ist seit Mai 2018 Abteilungsleiter Personal im Bundesministerium der Verteidigung. Die Bundeswehr beschäftigt rund 265.000 Frauen und Männer und bietet über 1.000 Berufs­bilder an. Klaus von Heimendahl verantwortet das Personal­management für alle Soldatinnen und Soldaten, Beamtinnen und Beamte sowie Tarifangestellte im Geschäftsbereich des BMVg.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe Risiko. Das Heft können Sie hier bestellen.

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Mirjam Stegherr, Journalistin, Moderatorin und Beraterin

Mirjam Stegherr

Freie Journalistin, Moderatorin und Beraterin
Mirjam Stegherr ist freie Journalistin, Moderatorin und Beraterin.

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