Netzwerken im Auftrag des Arbeitgebers

Ob Entwickler, Journalist oder Marketeer: viele Festangestellte positionieren sich über ihr Wissen in externen Netzwerken. Dabei sind ihre Arbeitgeber oft nur Zaungäste, die dies tolerieren, aber nicht fördern. Eine verschenkte Chance für das Employer Branding.

Ein Alptraum: der erste Eindruck zum Betriebsklima eines Unternehmens entstammt Kommentaren von unzufriedenen Mitarbeitern in entsprechenden Portalen und Foren. Spätestens jetzt sollte jedem Unternehmenslenker klar werden, dass die Mitarbeiter die Fäden in der Hand haben, wenn es um die Beurteilung des Arbeitsklimas, des Home-Office-Konzepts oder der Führungspraxis geht, ob positiv oder negativ. Ihnen vertraut man, da sie ungeschönt die Wahrheit über die Arbeit im Unternehmen ans Tageslicht bringen, wenn auch nicht immer ganz objektiv.

Ungeachtet der Arbeitgeberbewertungen bringt die Vernetzung fähiger Mitarbeiter mit der Fachwelt aber noch eine ganz andere Facette mit sich: das Personal Branding. Darunter versteht man den gezielten Aufbau von Experten in den Zielmärkten des Unternehmens – unter der persönlichen Flagge. Den Firmen geht es hier darum, über Blogs, Fachbeiträge oder Vorträge ihrer Wissensarbeiter ein attraktives Arbeitgeberimage nach außen zu entwickeln. Zudem hoffen sie, dadurch diese Mitarbeiter zu binden und gleichzeitig neue anzuziehen. Denn betreibt ein Software-Experte einen interessanten eigenen Themenblog, vernetzen sich weitere thematisch Interessierte gerne mit ihm, und übertragen bestenfalls seine fachliche Kompetenz auch auf den Arbeitgeber. Wie es scheint, ein echter Zugewinn.

Dennoch treibt viele Firmen die Sorge, Experten durch deren öffentliche Aktivitäten an die Konkurrenz zu verlieren. Oder sie sehen es schlicht nicht ein, ihren Spezialisten diese Freiräume zu gewähren. Wie sich die Vorstellungen in Bezug auf das Vernetzen über die Unternehmensgrenzen hinweg zwischen Chef und Fachkraft unterscheiden, wird auch in entsprechenden Studien deutlich. Das decken der Personaldienstleister Hays und die Marktforscher von PAC in ihrem Studienprojekt „Wissensarbeiter und Unternehmen im Spannungsfeld“ auf.

Das empirische Ergebnis der Studie zeigt, dass nur ein Drittel aller befragten Führungskräfte die thematische Vernetzung ihrer Experten auch jenseits der Unternehmensgrenzen für wichtig hält. Dagegen sind 50 Prozent der Wissensarbeiter selbst der Meinung, dass diese Vernetzung wichtig für ihre Arbeit und Produktivität ist. Kein Wunder, dass sich bei dieser Diskrepanz die Führungskräfte zurücklehnen und unternehmensübergreifende Aktivitäten ihren Mitarbeitern überlassen. So sprechen sich zwei Drittel der befragten Manager dafür aus, Investition in ihre Kompetenzen und ihre fachliche Weiterentwicklung seien allein Sache der Mitarbeiter. Schließlich hätten sie bereits ausgiebig in die technische Infrastruktur, den sicheren Zugang vom Firmen- ins soziale Netz, investiert und damit ihr Soll erfüllt.

Wissensarbeiter verstehen unter einer aktiven Unterstützung ihrer externen Profilierung aber weitaus mehr. 50 Prozent von ihnen wollen ihr Wissen über Netzwerke wie XING, Twitter oder auch eigene Blogs ständig weiterentwickeln, um es produktiv für ihren Arbeitgeber einzusetzen. Bei diesen Bemühungen sehen sich aber erst 24 Prozent wirksam gefördert.

Es scheint so, dass Freiräume für die unternehmensbezogene Teilnahme an externen Netzwerken unter eigenem Namen seitens der Unternehmen bisher wenig beachtet werden. Wenn ein Entwickler, Journalist oder auch Berater sich mit seinem Fachwissen extern positioniert, dann meist auf eigene Faust und ohne Hilfe des Arbeitgebers. „Unsere Ergebnisse zeigen, viele Firmen haben noch nicht begriffen, wie stark ihr eigener Erfolg von der externen Wirkung ihrer Mitarbeiter abhängt. Die Unternehmensmarke selbst agiert mehr und mehr im Umfeld des Misstrauens. Fähige Wissensträger aber gehören zu den Akteuren, die öffentlich eine hohe Glaubwürdigkeit besitzen“, heißt es denn auch von Seiten der Studienverfasser.