Mehr Spaß in Remote-Meetings

Online-Meetings

Herr Szary, ursprünglich wollte ich mit Ihnen darüber sprechen, wie es gelingt, im virtuellen Raum witzig zu sein. Im Vorabgespräch meinten Sie jedoch, das Wort „witzig“ sei für den Arbeitskontext ungeeignet. Warum?
Steffen Szary: Bei dem Wort „witzig“ denken die meisten eher an Clowns und flache Witze, was vor allem traditionelle Unternehmen abschreckt. Sie würden das Thema Humor dann gleich abschreiben. Doch dafür ist es zu wichtig. Deshalb sollten wir eher darüber sprechen, wie ein Team bei der digitalen Zusammenarbeit Spaß haben kann und wie Führungskräfte eine angenehme Atmosphäre schaffen – wobei Humor auf jeden Fall erwünscht ist.

Warum sind Spaß und Humor gerade im virtuellen Raum so wichtig?
Im Büro passieren humorvolle Mo­mente meist automatisch. Leute erzählen sich lustige Anekdoten an der Kaffeemaschine oder im Flur. Wenn viele remote arbeiten, müssen wir angenehmen Momenten bewusst eine Chance geben. Sonst hetzen wir nur noch von einem Online-Meeting ins nächste. Das kann auf Dauer nicht funktionieren, egal ob hybrid oder komplett remote gearbeitet wird.

Wie können Führungskräfte denn dafür sorgen, dass Online-Meetings und andere virtuelle Kommunikationsformen mehr Freude machen?
Da gibt es unterschiedliche Ebenen. Zum einen macht es Freude, wenn Meetings produktiv sind; dafür sollte die Person, die das Meeting organisiert, dafür sorgen, dass es eine vernünftige Agenda gibt und die Ziele klar sind. Auch ein wertschätzender Umgang miteinander macht Freude – das Meeting sollte ein Raum sein, in dem alle Menschen ihren Beitrag leisten und Feedback geben können. Mindestens genauso wichtig ist, dass eine angenehme Atmosphäre herrscht, in der auch Spaß erlaubt ist. Diese Atmosphäre kann man gezielt schaffen.

Wie funktioniert das?
Menschen sollten einander vor allem Raum zum gegenseitigen Zuhören geben. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Was viele Unternehmen schon eingeführt haben, sind kleine Check-ins am Anfang des Meetings. Dabei beantworten zu Beginn alle Teilnehmenden eine – gerne auch etwas humorvolle – persönliche Frage. Es erzählen zum Beispiel alle, wann sie das letzte Mal so richtig herzlich gelacht haben. Abgesehen davon gibt es auch die Möglichkeit, wohldosiert virtuelle Kaffeepausen oder Lunch­breaks einzuführen.

Es geht also darum, sich besser kennenzulernen?
Gute Beziehungen sind die Basis für eine angenehme Atmosphäre. In den zwei Jahren Pandemie sind viele Teams neu zusammengestellt worden, Mitarbeitende sind gegangen und neu dazugekommen. Aber die Beziehungen sind in vielen Fällen nicht nachgekommen, weil im digitalen Raum meist nicht die gleiche Zeit ins Kennenlernen investiert wird wie in Präsenz. Das ist essenziell, damit die Mitarbeitenden sich wohl und dem Unternehmen zugehörig fühlen – und kann so natürlich auch der hohen Fluktuation entgegenwirken.

Welche Fettnäpfchen drohen bei virtuellen Spaßmaßnahmen?
Besonders peinlich wird es, wenn der oder die Verantwortliche den Spaß erzwingen will. Spaß entsteht nicht auf Knopfdruck. Witze unter der Gürtellinie und zu intime Check-in-Fragen können ebenfalls unangenehm sein. Die Person, die das Meeting organisiert, sollte sich immer vorher fragen, wie eng die Beziehungen der Teilnehmenden untereinander sind und welche Art der Interaktion entsprechend angebracht ist, wie persönlich es werden darf. Und man sollte sich auch bewusst machen, dass Sarkasmus und Ironie im digitalen Raum nicht immer funktionieren, weil man Mimik und Gestik weniger mitbekommt.

Eisbrecherfragen für einen lockeren Einstieg

Mit einer persönlichen Frage zu Beginn des Online-Meetings lernt sich das Team besser kennen – und erlebt häufig auch humorvolle Momente. Welche Fragen sich eignen, hängt von den Persönlichkeiten und der Beziehungstiefe im Team ab. Hier ein paar Anregungen:

  • Was bringt dir im Alltag Freude?
  • Welche Situation hat dich zuletzt zum Lachen gebracht?
  • Wenn heute deine beste Freundin oder dein bester Freund an der Tür klingelt und dich zu einem freien Tag einlädt. Was würdet ihr tun?
  • Was hat dich in der vergangenen Woche zum Lachen oder zum Nachdenken gebracht?
  • Was oder wer hat dich zuletzt inspiriert – und warum?
  • Hast du eine seltsame Marotte? Welche ist es?
  • Du darfst dir eine Eigenschaft als Superpower aussuchen. Welche wäre das?
  • Wie ist dein inneres Wetter heute?

Wie sollten Führungskräfte mit Spaßbremsen umgehen?
Die würde ich sofort aus dem Meeting werfen (lacht). Nein, Quatsch. Wenn eine Person sich beschwert, dann liegt das meist nicht nur daran, dass sie auf das Spiel im Meeting keine Lust hat, sondern es gibt ein grundsätzliches Problem. Deshalb sollten Führungskräfte auf jeden Fall das Gespräch suchen. Wenn die Person nun aber während ihrer Arbeitszeit einfach nur arbeiten und nicht unbedingt sozial interagieren will, sollte das auch respektiert werden. Dann muss es in Ordnung sein, dass jemand bei den Check-ins oder digitalen Spielen nicht mitmacht. Doch wenn die Führungskraft ihr Team gut kennt und die Methoden richtig auswählt, dann ist das Risiko gering, dass Teammitglieder sich weigern.

Angenommen die Führungskraft ist einfach ein eher ernster Mensch. Kann und soll sie ihr Team trotzdem zum Spaßhaben animieren?
Das Wichtigste ist, authentisch zu bleiben. Jede Führungskraft muss also ihre eigenen Methoden finden und sich auch bewusst machen, dass das Fördern von Spaß und sozialer Interaktion ein Prozess ist. Wer von heute auf morgen in ein bisher sehr hierarchisch aufgebautes Meeting persönliche Fragen, Spiele und dann noch eine digitale Kaffeepause einbaut, verwirrt das Team nur. Besser wäre, langsam zu starten und Verschiedenes auszuprobieren. Mein Tipp: den Ball auch mal an das Team weiterspielen. Es könnte zum Beispiel jede Woche eine andere Person einen lockeren Einstieg für das wöchentliche Meeting organisieren. Aber auch hier ist es wichtig, die richtige Balance zu finden. Während es für die einen ein toller Eisbrecher ist, über den letzten Urlaub zu sprechen, finden andere, das gehe die anderen gar nichts an.

Was macht Ihnen in Online-­Meetings besonders viel Freude?
Bei uns im Team lieben wir Check-ins. Wir stellen uns dabei gerne Fragen, die uns zum Nachdenken anregen und inspirieren. Weil wir uns als Team sehr nah sind, können wir uns auch recht persönliche Fragen stellen, wie zum Beispiel „Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?“ oder „Welcher Ort hat dich besonders geprägt?“. Besonders spannend war auch: „Was war der seltsamste Nebenjob in deiner Kindheit und Jugend?“ Dabei erfahren wir mehr übereinander und es wird teilweise auch richtig witzig. Klar, solche Fragen kann man nicht in jedem Team stellen, aber für uns sind sie jedes Mal ein kleines Highlight.

Zum Gesprächspartner:

Steffen Szary, Gründer und Geschäftsführer der Innovationsberatung Openmjnd
© Alexander Schank

Steffen Szary ist Gründer und Geschäftsführer der Innovationsberatung Openmjnd. Der Agile Coach und zertifizierte Scrum Master begleitet Unternehmen bei der agilen, digitalen und hybriden Transformation.

Am meisten zum Lachen bringt ihn Situationskomik, wie eine kleine Panne, die er kürzlich in einem virtuellen Workshop erlebte: Er sprach fünfzehn Minuten lang über die Grafiken auf seinen Präsentationsfolien und realisierte, erst als er fertig war, dass er seinen Bildschirm gar nicht geteilt hatte.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe Humor. Das Heft können Sie hier bestellen.

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Senta Gekeler, Online-Redakteurin beim Human Resources Manager

Senta Gekeler

Senta Gekeler ist Online-Redakteurin beim Magazin Human Resources Manager in Berlin. Sie hat Vergleichende Literaturwissenschaft in Augsburg und Sevilla studiert und war danach unter anderem als freiberufliche Texterin für verschiedene Blogs, Websites und Magazine tätig. Sie arbeitet außerdem nebenberuflich als Yogalehrerin.

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