Compliance-Systeme mit Defiziten

Wenn es um die Prävention und Bestrafung von Regelverstößen der eigenen Mitarbeiter geht, haben deutsche mittelständische Unternehmen immer noch Nachholbedarf.

Ungeachtet der nahezu täglichen Berichterstattung über Betrugs- und Korruptionsvorwürfe besteht bei deutschen mittelständischen Unternehmen vielerorts noch Skepsis gegenüber einem Compliance Management System (CMS). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Berliner Unternehmensberatung Agamon Consulting, für die 1.637 Unternehmen des deutschen Mittelstands (150 bis rund 1.000 Mitarbeiter) befragt wurden. Die Skepsis liegt in den vermeintlich hohen Kosten (50 Prozent) begründet sowie im hohen Kontrollaufwand (37 Prozent). Ein Viertel der befragten Unternehmen verfügt nicht über ein institutionalisiertes CMS.

Gefragt wurde in der Studie unter anderem nach dem Stand der Entwicklung, nach Maßnahmen zur Feststellung und Kontrolle von Compliance-Verstößen sowie nach geeigneten Vorsorgemaßnahmen. Deutliche Schwächen sind bei der Prävention zu sehen: nur rund 25% haben ein Antikorruptionsprogramm eingerichtet oder führen turnusmäßig Sicherheitsüberprüfungen durch.

Auch bei der Einrichtung von Hinweisgebersystemen liegt der Mittelstand zurück: weniger als die Hälfte der Unternehmen verfügt über ein sogenanntes „Whistleblowing-System“ zur anonymen Meldung von Fehlverhalten.

Trotz der Defizite beobachtet Eckart Achauer, Geschäftsführer von Agamon Consulting, eine positive Entwicklung. In Zukunft sei die faktische Erfüllung regulatorischer Anforderungen allerdings nicht mehr ausreichend, sagt er. „Vielmehr ist die psychologische und soziologische Bedeutung von Compliance bei den Maßnahmen zum Aufbau eines CMS in besonderem Maße zu berücksichtigen. Das erfordert ein verändertes Vorgehen, das eine breite Akzeptanz im Unternehmen schafft.“