5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen

23.04.2019  |  Wybo Wijnbergen
(c) gettyimages / kynny
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Jungen Talenten ist das Thema Umweltschutz bei der Arbeitsplatzwahl immer wichtiger. Um mithalten zu können, brauchen Unternehmen die richtige Strategie.

Unternehmen sind heute erstmals in der Lage, gesellschaftlich nachhaltiges Handeln entscheidend mitzuprägen. Dabei spielt die zunehmende Verantwortung gegenüber unserer Umwelt eine immer wichtigere Rolle. Anders als viele annehmen, steht das Wahrnehmen dieser Verantwortung unternehmerischen Interessen keinesfalls im Wege – ganz im Gegenteil. Laut der Deloitte Millennial Survey 2018 gehört Umweltschutz zu den fünf wichtigsten Zielen, für die Unternehmen sich einsetzen sollten, wenn es nach den Vorstellungen der heranwachsenden Arbeitnehmer geht. Und weil diese neue Generation Schätzungen zufolge bis 2020 bereits über ein Drittel der weltweiten Arbeitnehmerschaft ausmachen wird, ist nachhaltiges Handeln nicht länger nur “eine gute Sache”, sondern wird wesentlichen Einfluss darauf nehmen, Talente anzuwerben und eine moderne Unternehmenskultur zu fördern.

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Die grüne Unternehmenskultur

Nur wenige Faktoren innerhalb eines Unternehmens tragen mehr zum Geschäftserfolg bei wie die eigene Kultur, manifestiert in Werten, Verhaltensweisen und Prioritätensetzung, die die Arbeitsweise von Mitarbeitern prägen. Ob Unternehmenswerte wirklich gelebt werden, hängt entsprechend davon ab, ob Mitarbeiter sich mit der vorgelebten Kultur eines Unternehmens identifizieren und sie aktiv mitgestalten.

Die Kultur von vielen renommierten Arbeitgebern wie Salesforce oder Microsoft wird mittlerweile durch umfangreiche Freiwilligenprogramme geprägt, die es Mitarbeitern ermöglichen, ihren täglichen Aufgaben einen höheren Sinn zu geben und sich für Themen einzusetzen, die ihnen persönlich wichtig sind. Diese Beispiele zeigen: Nachhaltigkeit sollte fest in der unternehmerischen Kultur verankert sein und sich umfassend im Arbeitsalltag wiederfinden. Angefangen bei der Unternehmensmission über die Ausstattung der Büroräume und das operative Geschäft bis hin zu sozialem Team-Engagement.

Wie aber gelingt es Unternehmen in der Praxis, eine nachhaltige Arbeitskultur zu etablieren? Hier sind fünf Tipps für Unternehmen:

1. Den eigenen ökologischen Fußabdruck verstehen

Möchte man als Unternehmen die Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren, sollte man erst einmal ein Verständnis dafür entwickeln, woraus sich der derzeitige ökologische Fußabdruck zusammensetzt. Hierzu zählt ein klares Verständnis des aktuellen Energieverbrauchs, des Abfallmanagements, Essens- und Getränkelieferungen, des Büro-Managements, Logistikprozesse etc. Auch die Mobilität der Mitarbeiter spielt eine Rolle – welche Verkehrsmittel werden zum Pendeln genutzt, wie oft fliegen Mitarbeiter zu Geschäftsterminen und so weiter.  Erst mit diesem Know-how können realistische Ziele geplant werden. Die Erkenntnisse können schockieren: Strom, Heizung und Klimatisierung machen in der Regel mehr als 75 Prozent des Energieverbrauchs eines Geschäftsgebäudes aus, wobei rund ein Drittel dieser Energie verschwendet wird.

2. Ambitionierte Ziele in der Unternehmensmission verankern

Um in die Kultur überzugehen, sollte nachhaltiges Handeln in der Unternehmensmission und damit im Kerngeschäft integriert sein. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen, die nachhaltige Ziele bündeln, zum Beispiel die RE100, eine globaler Zusammenschluss von Unternehmen, die sich verpflichten, zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzusteigen. Für maximales Engagement sollten Mitarbeiter beim Festlegen der Ziele eingebunden werden – sei es in Form von Fokusgruppen, Umfragen oder dem offenen Aufruf für Vorschläge. Entsprechende Ziele könnten zum Beispiel sein, Plastik vollständig aus dem Büro zu verbannen, klimaneutrale Mobilität zu erreichen oder nur noch mit Logistik-Partnern zusammenzuarbeiten, die eine sozial nachhaltige Lieferkette garantieren. Je höher das Thema in der Unternehmensagenda aufgehängt ist, desto einfacher ist es, die Ziele zu priorisieren und umzusetzen.

3. Fortschritte messen und mit dem Team feiern

Die Dynamik der “Mission Nachhaltigkeit” wird gefördert, indem Sie regelmäßige Updates mit den Mitarbeitern teilen, die zu weiterem Engagement ermutigen. Wie viele Einweg-Verpackungen konnten gespart werden, seitdem man in der Küche auf Glasbehältnisse umgestiegen ist, um wie viel Prozent wurden Emissionen reduziert, seitdem das Team Job-Tickets für den Nahverkehr nutzt, wie viel Wasser, CO2 und Tiere konnten geschont werden, seit die Firmencaterings vegetarisch sind? Regelmäßig zu feiern, was man gemeinsam erreicht hat, motiviert, weitere Veränderungen anzustoßen.

4. Den Einflusskreis vergrößern

Um den Wirkungskreis der eigenen Initiative zu erweitern, können Unternehmen nach Möglichkeit auch Dienstleister verpflichten, umweltbewusster zu handeln. Warum nicht zum Beispiel gemeinsam Kaffeebohnen wiederverwerten, Ausbildungsprogramme zur Förderung umweltbewusster Talente ins Leben rufen oder lokale Bildungsprogramme unterstützen? Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen und Initiativen, die kluge Recyclingprozesse entwickelt haben. Zum Beispiel das Berliner Startup Kaffeeform, das aus gebrauchtem Kaffeesatz nachhaltige Tassen presst.

5. Den Status quo in Frage stellen

Unternehmen sollten sich nicht scheuen, ihre bisherigen Prozesse im Lichte einer nachhaltigeren Zukunft regelmäßig neu zu bewerten. Was nach Erkenntnissen in 2019 die beste nachhaltige Geschäftspraxis ist, hat 2020 eventuell schon ausgedient. Das eigene Team sollte ermutigt werden, Ideen rund um das Thema Nachhaltigkeit regelmäßig in Frage zu stellen. Helfen kann aber auch der Blick über den eigenen Tellerrand, um eine Antwort auf die Frage zu finden: Was können wir uns eventuell von anderen Unternehmen abschauen?

Klar ist: Es gibt viel zu tun. Für maximales Engagement sollte sich jedes Unternehmen damit auseinandersetzen, welchen Nachhaltigkeitsmaßnahmen es die höchste Priorität beimisst.  Verankern Firmen diese stringent in ihre Unternehmensstruktur und nehmen dabei ihre Mitarbeiter mit, sorgen sie nicht nur dafür, dass sie langfristig wettbewerbsfähiger, profitabler und innovativer sind. Sie sind gleichzeitig auch noch interessanter für junge Talente und helfen dabei, unseren Planeten zu schützen.