Rezension: „Die 30 Erfolgs­geheimnisse der Top Manager“

12.07.2019  |  Jens Hungermann
Was unterscheidet einen hervorragenden Manager von einem durchschnittlichen?
(c) gettyimages / Toa55

Was unterscheidet einen hervorragenden Manager von einem durchschnittlichen? In seinem Ratgeber destilliert der Strategieberater Niklaus Leemann 30 Regeln heraus, die jede Führungskraft zum Nachdenken anregen sollten.

Was macht einen erfolgreichen Manager ­aus? Oder präziser: Was unterscheidet die wirklich erfolgreichen Manager – Niklaus Leemann verwendet den Begriff „Executives“ – von den herkömmlichen? Das ist die Gretchenfrage. In seinem Ratgeber „Die 30 Erfolgsgeheimnisse der Top Manager“ gibt der Autor gleich zu Beginn die Antwort: „Ihr positives Mindset gegenüber ihren Mitarbeitern, ihrer Organisation und ihrem Umfeld. Sie tragen die Organisation, statt sich von der Organisation tragen zu lassen.“

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Das Credo herausragender Manager laute: Sie befähigen statt zu befehligen, sie vernetzen statt abzugrenzen. Und das alles nicht aus dem Antrieb eines irgendwie gearteten Gutmenschentums heraus. Vielmehr erkennt dieser Schlag Führungskräfte, dass eine positive Einstellung erfolgskritisch nicht nur für die Organisation ist, sondern auch für die eigene Karriere. Letzterer Aspekt wird im Laufe der 214 Seiten zwar kaum beleuchtet, ist jedoch zweifelsohne nicht zu unterschätzen.

Nach eigenen Angaben kam Leemann im Laufe der Zeit mit mehr als 200 CEOs, CFOs, Vorständen und Top-Managern namhafter Unternehmen in Kontakt. Aus dem Erfahrungsfundus der anonym bleibenden Manager schöpft er als selbstständiger Strategieberater. Viele seiner Ratschläge sind für erfahrene Leser gängiger Management-Literatur sicherlich nicht neu. Der Autor hat das Beste aus dieser Welt in seinem nutzwertigen Buch jedoch sehr nachvollziehbar und gut verdichtet aufgeschrieben.

Dem Leser bietet sich eine Lektüre, die zur Reflexion über das eigene Führungsverhalten anregt. Es ist somit ein Buch für Fortgeschrittene egal welcher Branche oder Unternehmensgröße beziehungsweise für solche Leser, die Karriere als Führungskraft machen (wollen).

Wie aus einem PR-Ratgeber entnommen

Glücklicherweise, und womöglich um Frustration beim Leser zu vermeiden, stellt Leemann früh klar, dass seine gesammelten „30 Erfolgsgeheimnisse“ eine Persona beschreiben und als Ideale zu verstehen sind. Kein „Executive“ wird jemals alle Anforderungen in sich vereinen können. Doch je mehr es sind, desto besser. Leemanns Anwendungsmuster sind universell, sie sollen in jeder Art von Führungsposition anwendbar sein.

Zusammengefasst beschreibt der Autor den idealen Manager als einen uneitlen, empathischen, entschlossenen, rhetorisch erstklassigen, teamfähigen, humorbegabten und allzeit lernbereiten Optimisten, der – siehe „Geheimnis“ Nummer 29 – auch noch auf sein Aussehen achtet.

Den Erfolg eines Managers definiert Leemann so: „Wenn der Zustand einer Organisation nach der Amtszeit des Managers besser ist als davor.“ Dieser Zustand zeige sich nicht allein in den Finanzen, sondern obendrein an weit schwieriger zu messenden Faktoren wie der Motivation der Mitarbeiter oder dem Wert der Beziehungen zu Geschäftspartnern.

Mit einem SEO-tauglichen Titel versehen, nimmt sich das Buch in fünf Kapiteln jeweils einer anderen Rollen­beschreibung an (Leader, Stratege, Rhetoriker, Netzwerker, Persönlichkeit). „Rede wenig, höre zu“, „Rede über die Zukunft, nicht über die Gegenwart“ und „Sprich lauter als die anderen“ lauten beispielsweise drei der fünf Ratschläge im Kapitel „Der Executive als Rhetoriker“.

Manches davon klingt wie einem PR-Ratgeber-Handbuch entnommen. Etwa wenn Leemann skizziert, wie ein „Executive“ die Nöte von Change und Transformation in blumige Worte verpackt: „Das Zielbild ist immer etwas Positives. (…) Die Produkte von gestern werden ersetzt durch die Produkte von morgen“.

Kritik und unbequeme Wahrheiten

Ungewöhnlich, aber nicht nur für Schnellleser praktisch: Zu Beginn jedes Kapitels wird dessen Inhalt in drei Bulletpoints zusammengefasst. Infokästen ergänzen die Texte. Wobei die darin immer wiederkehrenden fünf kleinen Icons – sie stehen unter anderem für „Originalton“ oder „Checkliste“ – gerade zu Beginn der Lektüre verwirren können.

Die einzelnen Kapitel sind kurz und sie lesen sich flüssig, da der Autor verständlich und präzise formuliert. Leemann erwähnt weder Konzern- noch Personennamen, doch das schadet dem Ratgeber keineswegs. Seine Beobachtungen sind pointiert, Wahrheiten und Kritik scheut er nicht: „Die Zeit von hoch bezahlten Managern wird in einem Marathon an schlecht organisierten Besprechungen gebunden“, notiert er beispielsweise oder auch, dass „Executives“ zu ihren Mitarbeitern zwar ein tiefes Vertrauens-, aber auch Abhängigkeitsverhältnis schaffen. Zum Thema Kommunikation bemerkt er: „Viele Manager hören sich am liebsten selbst reden.“
Das indes ist nun tatsächlich kein Geheimnis.

Die 30 Erfolgsgeheimnisse der Top Manager.
Niklaus Leemann, 214 Seiten, Carl Hanser Verlag, München 32,90 Euro