Warum Neues so schwer fällt

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Foto: Getty Images / Westend61

Die Digitalisierung ist da, sie bringt Bewegung und beständig Neues. Damit umzugehen fällt nicht jedem leicht. Vor allem Älteren, die nicht ständig mit neuer Technik zu tun hatten, fällt das schwer. Sechs Gründe, warum Mitarbeiter 40+ sich mit der digitalen Arbeitswelt schwertun und wie Sie helfen können.

Ich arbeite Jahr für Jahr immer wieder an meiner Webseite. Einmal wurde sie gehackt und musste neu erstellt werden. Später musste sie mobiltauglich gestaltet werden. Suchbegriffe wurden optimiert, der Blog verbessert, um anschließend erneut die Suchbegriffe zu optimieren. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn parallel dazu landeten Fragen zu Archivierung, Werbung und Datenschutz neu auf meinem Tisch. Jedes Mal denke ich „ gleich ist es geschafft und ich kann mich wieder in Ruhe meiner Arbeit widmen“. Sie wissen bestimmt schon, wie die Realität aussieht: Die Ruhe hält nur wenige Wochen vor und schon gibt es ein neues Tool, ein neues Update, das verstanden und umgesetzt werden will. Diese Welt ist neu für mich und viele von Ihren Arbeitnehmern.

Haben wir uns die Digitalisierung gewünscht?

Nein. Schließlich kann man sich nicht wünschen, was man nicht kennt. Doch wir genießen ganz unreflektiert die Vorteile. Programmieren die Waschmaschine vor, und das Fernseherlebnis auf großen Flachbildschirmen in Kinoqualität ist bereits selbstverständlich. Die Apotheke besorgt binnen Stunden unser Medikament, wir können immer und überall Theatertickets online buchen und der elektronische Assistent hilft uns, das Auto zu parken. Apropos Auto: Die heute erreichte Präzision in der Fertigung hat dazu geführt, dass wir uns seltener über Pannen oder Rost ärgern müssen. Und weil wir gerade bei Präzision sind – auch in der Medizin sind wir dankbar dafür, dass viele Behandlungsmethoden durch modernste Computertechnik schonender für den Patienten werden. Auch Webinar sind fast schon so normal wie das Homeoffice.

Tipp: Sammeln Sie mit Ihrem Team einmal Informationen, wo wir alle längst digital unterwegs sind, es aber gar nicht merken.

Was meinen wir überhaupt, wenn wir von Digitalisierung sprechen? Keiner weiß es genau zu definieren und doch haben wir erst einmal Vorbehalte. Oder tun uns schwer damit. Vor allem, wenn wir andere dafür begeistern sollen. Recherchiert man im Internet, so geht es um die Umwandlung analoger Daten in digitale.

Digitalisierung ist Teil von „new work“

Und „neu“ zu arbeiten heißt eben nicht ein bisschen anders, sondern neu. In meiner Wahrnehmung gibt es sechs Gründe, warum wir uns – mich eingeschlossen – so schwer damit tun:

Unser Gehirn liebt Bekanntes

Es fühlt sich zunächst einmal am wohlsten, wenn sich nichts ändert. Einerseits, weil die ältesten Gehirnanteile aus den Anfängen der Menschheit wissen, dass Veränderungen gefährlich sein können. War die Wasserquelle versiegt oder hatte ein Sturm die Höhle verwüstet, bedeutete das Lebensgefahr. Ähnlich gestresst und ablehnend reagieren wir noch heute auf Veränderungen, obwohl wir nicht in Gefahr sind. Verantwortlich dafür ist der so genannte Neulandinstinkt.

Alles, was wir häufig denken und tun, formt sogenannte neuronale Netzwerke im Gehirn. Sie bestimmen, was wir künftig bevorzugt denken und tun, weil es uns vertraut ist. Neues zu lernen, dauert 30 Tage bis drei Monate. Begeisterung hilft dabei am besten. So gelingt es am leichtesten, eine Fremdsprache zu lernen, wenn Sie unbedingt in dieser Sprache kommunizieren möchten, zum Beispiel weil Sie eine Liebste in diesem Land haben.

Tipp: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter nach einzelnen Aspekten im Rahmen von Digitalisierungsprojekten suchen, die sie faszinieren und interessieren und nutzen Sie diese als Türöffner für alles Weitere. 

Wir wollen etwas ändern und gleichzeitig alles beim Alten lassen

Belustigt habe ich in den ersten Jahren der Smartphones beobachtet, wie ungeschickt meine Generation mit einem Finger auf dem Display herumtippt, Anrufe nicht entgegennehmen kann, weil das Wischen nicht klappt und vieles mehr. Inzwischen habe ich diese Erfahrungen selbst gemacht. Dennoch finde ich die Möglichkeiten, Fotos zu versenden, beeindruckend, genieße den engen Kontakt zum Leben meiner Freunde und profitiere sehr von der Erinnerungsfunktion meines Smartphones.

Aber ich will keine neuen Updates die ohne mein Wollen installiert werden. Ich will nicht, dass Facebook meine Daten speichert und so weiter. Ich möchte die Vorteile der digitalen Welt genießen, jedoch nicht- den Preis dafür zahlen. Das funktioniert leider nicht.

Vieles wurde uns in den vergangenen Jahren durch neue digitale Möglichkeiten tatsächlich abgenommen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass wir uns dieser neuen Welt stellen müssen. Leider jedoch ist Lernen in unserem Land nicht mit Spaß und Lust verbunden. Viele glauben, wenn man Ausbildung und Qualifizierung gemeistert hat, reiche es aus. Doch wir leben inzwischen in einer Wissensgesellschaft. Die Schlussfolgerung: Wir werden nie mehr aufhören können zu lernen.

Tipp: Planen Sie mit Ihren Mitarbeitern Zeitfenster, um sich mit den digitalen Neuerungen in Ruhe zu befassen.

Wir sind auf diese neue Welt nicht vorbereitet

Die Smartphones sind inzwischen elf Jahre auf dem Markt und was wir Digitalisierung nennen, hat vor etwa 20 Jahren begonnen. Die industrielle Revolution als Vorgänger und Wegbereiter der digitalen ist etwa 200 Jahre alt. Die Frühmenschen sollen vor etwa 2,8 Millionen Jahren auf der Erde gelebt haben.

Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, es ist nie anders gewesen als heute: Die Entwicklungen, mit denen wir gern hadern, sind sehr jung. Niemand hat uns in Schule oder Ausbildung beigebacht, was auf uns zukommt. Da wir gern die Kontrolle haben, verunsichert das. Vor allem deshalb, weil alte Spielregeln nicht mehr gelten. Das war schon immer so, wenn sich etwas grundlegend ändert. Den ersten Eisenbahnen wurde mitebensolcher Hassliebe begegnet wie den ersten Kaufhäusern. Alles, was extrem in die Gewohnheiten und Lebensweisen der Menschen eingreift, fasziniert und verunsichert gleichermaßen.

Tipp: Verabschieden wir uns alle von altem Denken, zum Beispiel: am Ende eines Tages alle Aufgaben erledigt zu haben. Es wird immer wieder neue E-Mails, Updates und so weiter geben. Leiten Sie zu realistischen Erwartungen an. Dann sind wir häufiger zufrieden.

Wir vergeuden unsere Ressourcen im Kampf gegen etwas, das längst Realität ist

Es ist keine Option, sich aus der Digitalisierung dieser Welt herauszuhalten. Nicht im Berufsleben und nicht privat. Spätestens am Fahrkartenautomaten oder wenn die Krankenkasse Daten online erhalten möchte, ist jeder gefordert. Besser wäre also „Ja“ zu sagen zu dem, das ohnehin schon ist. Etwas, womit wir uns auch in anderen Lebensbereichen schwertun – wenn sich eine Beziehung ändert oder unser Körper, hängen wir am Vergangenen oder träumen von etwas, das gegenwärtig nicht existiert.

Tipp: Es geht nicht darum, was früher oder heute richtig oder falsch ist. Es ist nur anders. Diese Sichtweise erspart negative Emotionen, die Kraft und Denkleistung kosten. Achten Sie auf Wertschätzung und Integration des Geleisteten in der Kommunikation.  

Wir konzentrieren uns auf das Negative

Mir macht es besonders zu schaffen, wenn ich etwas nicht verstehe, nicht nachvollziehen kann. Zum Beispiel, warum sich Funktionalitäten auf meinem Rechner nach Updates plötzlich ändern oder meine Mailadressen nach einer Serverumstellung komplett verschwunden sind. Natürlich hat das etwas mit mir zu tun, weil ich mir nicht genug Zeit für digitale Themen nehme.

Und doch: Wenn ich dagegen ankämpfe, mich aufrege, verunsichert, empört, erschöpft bin, schade ich nur mir selbst. Mein Gehirn gerät in einen schlechten Zustand und trifft keine guten Entscheidungen. Und die negativen Gefühle wirken nach. Habe ich mich über eine Technikpanne aufgeregt, nehme ich das in meine nächste Tätigkeit mit und verderbe mir zum Beispiel selbst die Freude am Schreiben einer Kolumne.

Tipp: Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, sich dem, was Sie nicht mögen, zu stellen. Kleinste Erfolge sollten gefeiert werden. Sich ein neues Thema erschlossen zu haben, bringt Freude. Nutzen Sie Mentoring – oder Tandemprogramme in umgekehrte Richtung. Dann kann der Mentor von den digitalen Talenten seines Schützlings lernen.

Wir können es nicht mehr allein schaffen

Aus der „alten Welt“ stammt das Denken, dass der Einzelne ein Spezialist auf seinem Gebiet ist und in diesem alle Fragen alleine beantwortet.  Das gilt zum Teil auch heute noch, weil ich beispielsweise nicht selbst programmieren möchte. Neu und eine tolle Chance dazu ist, dass gemeinsames Wissen und Können gefragt sind weil die Fragestellungen immer komplexer werden. Gemeinsam etwas zu entwickeln, bereitet viel mehr Freude als allein im stillen Kämmerlein. Lösungen, die ein für alle Mal gelten, wird es in Zukunft kaum noch geben, dafür jedoch Lösungsansätze, die kontinuierlich angepasst und weiterentwickelt werden. Das ist alleine nicht mehr zu schaffen.

Meine Einladung an Sie: Sorgen wir gemeinsam für mehr Wohlbefinden in der digitalen Arbeitswelt

Aus dieser Erkenntnis möchte ich lernen und mein neues Vortragsthema mit Ihnen entwickeln. Aus Ihren und meinen Erfahrungen wird ein Vortrag entstehen: Die Kunst des guten Umgangs mit der digitalen Welt.  Ich möchte Menschen 40+ in Unternehmen zeigen, warum unser Gehirn uns die Akzeptanz von digitalen Veränderungen schwerer anstatt leichter macht, wie wir uns darauf einstellen und unser Gehirn umprogrammieren können. Wie wir den Umgang mit der Digitalisierung selbst steuern anstatt uns steuern zu lassen. Und wie wir lange Belastungszeiten während digitaler Umstellungsprozesse gesund und guter Dinge überstehen.

An diesem Punkt benötige ich Ihre Entwicklungshilfe. Bitte nehmen Sie mit mir Kontakt auf: ilonabuergel@ilonabuergel.de.  Mich interessieren Ihre Erkenntnisse, Erfahrungen und Fragen zum Thema Digitalisierung. Was möchten Sie ganz konkret in einem Vortrag dieses Formates hören und erleben? Worüber ärgern Sie oder Ihre Mitarbeiter sich, was haben Sie für gute Erfahrungen. Vielen Dank und viel Erfolg für all Ihre digitalen Projekte.

Weiterbildungen zum Thema Future of Work und Digitale Transformation