3 Beispiele für digitale Beratung 

Digitale Lohnabrechnung, digitale Coaches und digitale Mitarbeiterbefragung.
© gettyimages / Mehaniq

Mit der Digitalisierung tun sich deutsche Unternehmen nach wie vor schwer. Drei Beispiele dafür, wo sie digitale Tools einsetzen können.

Der digitale Steuerberater für Lohnabrechnungen

Die meisten Unternehmer, Personaler und Gründer, denen das Fachwissen für Lohnsteuer, Sozialversicherungen und Abgaben fehlt, scheitern irgendwann an der deutschen Bürokratie. Zwar können sie sich rechtliche Kenntnisse aneignen, allerdings müssen sie von da an auch alle Gesetzesänderungen im Blick behalten sowie Personaldaten und -anträge pflegen. Dabei stoßen Firmen oft an ihre Grenzen, am Ende bleibt meist nur noch der Gang zum Steuerberater.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Ein externer Experte ist aber nicht mehr in jedem Fall nötig. Es gibt mittlerweile Lohnabrechnungsprogramme, die die Sprache deutscher Bürokratie verstehen und es ermöglichen, Lohnabrechnungen und Mitarbeiterverwaltung digital und sofort abzuwickeln. Neue Gesetze werden regelmäßig über Updates direkt integriert. Die Handhabung ist selbsterklärend, sodass weder Fachwissen noch externe Steuerberater benötigt werden. Auch Mitarbeiter können auf die meisten Online-Tools über eine Cloud zugreifen und unter anderem ihre Urlaubstage beantragen, Arbeitszeiten eintragen, Abwesenheiten festlegen, Daten verwalten und ihre Lohnabrechnung herunterladen. Das hilft besonders kleinen Unternehmen und Firmen, in denen der Chef die Lohnabrechnung noch selbst erledigt.

Digitale Coaches für die Mitarbeiter

Aktuelle Zahlen zeigen: Fast jeder fünfte Mitarbeiter in Deutschland hat innerlich schon gekündigt, die große Mehrheit macht nur Dienst nach Vorschrift (knapp 70 Prozent). Damit es erst gar nicht so weit kommt, spielen Führungskräfte eine entscheidende Rolle. Sie haben mit ihrem Führungsstil einen erheblichen Einfluss auf das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter. Wenn es im Unternehmen doch mal knirscht, vertrauen Unternehmen auf einen externen Business Coach, der quasi den Sand aus dem Getriebe holen soll. Doch der Coaching-Markt ist unübersichtlich. Den passenden Coach zu finden, ist eine echte Herausforderung. Hinzu kommen hohe Kosten für Anreise, Unterbringung, Organisation und Umsetzung des Coachings im Unternehmen sowie für die Ausfallzeiten der Seminar-Teilnehmer. Daher scheuen Firmen zumeist, Coaching unternehmensweit auf alle Führungskräfte auszurollen und beschränken die Personalentwicklungsberatung wenn überhaupt nur auf die höhere Führungsebene. Das mittlere Management hat das Nachsehen.

Zahlreiche digitale Angebote setzen genau hier an: Unternehmen laden ihre Mitarbeiter über digitale Plattformen zum internen Coaching-Programm ein. Die Programme finden über einen Algorithmus – ähnlich wie bei einer Partnerbörse – den passenden und standardmäßig zertifizierten Business Coach. Jeder Klient – auch Coachee genannt – bekommt seinen persönlichen Coach an die Seite gestellt – wenn auch nur digital. In regelmäßigen Abständen sprechen Coach und Klient über eine App oder Web-Anwendung für den PC am Arbeitsplatz per Videokonferenz. E-Learning-Aufgaben zwischen den Sitzungen ergänzen das Coaching zumeist. Termine, Ziele und Meilensteine werden über die App oder eine Online-Anwendung festgehalten. Manchmal ermöglicht eine Chat-Funktion, den Coach jederzeit bei Fragen zu erreichen. Unternehmen messen den Erfolg des Coachings über ein Management-Board oder erhalten wöchentlich anonymisierte Reportings. So wird Coaching messbar.

Echtzeit-Pulsbefragung statt externer Unternehmensberatung

Jedes Unternehmen will und sollte wissen, was seine Mitarbeiter beschäftigt, um eine inspirierende Arbeitsumgebung zu schaffen und die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Dabei geht es nicht nur um Fragen zu täglichen Aufgaben, sondern auch um Themen wie den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes. Um die Frage zu klären, was die Mitarbeiter eigentlich wollen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.  Viele Unternehmen setzen immer noch ganz klassisch auf eine jährliche Mitarbeiterumfrage in Papierform, die im Anschluss von einer externen Unternehmensberatung analysiert wird.

Allerdings gibt es auch hier mittlerweile digitale Tools, die den Prozess vereinfachen und im Vergleich schneller abwickeln: Intelligente Software und lernende Algorithmen analysieren das Mitarbeiter-Engagement in Unternehmen automatisch. Mit ihren Erkenntnissen und wissenschaftlich fundierten Handlungsvorschlägen helfen sie dabei, die Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit in Organisationen zu steigern. Im Mittelpunkt stehen kontinuierliche Mitarbeiterbefragungen in hoher Frequenz, durch die das aktuelle Stimmungsbild im Unternehmen ebenso wie Verbesserungen in der Mitarbeiterbindung in Echtzeit verfolgt werden können. Mitarbeiter werden hierfür in sogenannten Pulsbefragungen um Feedback gebeten (zum Beispiel alle zwei Wochen), um zu erfahren, in welchen Bereichen sich Unternehmen verbessern müssen, um ihre Mitarbeiter zu halten. In Deutschland reden bei dem Einsatz solcher Tools natürlich auch die Betriebsräte mit und achten darauf, dass sämtliche Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Für Unternehmen sollte es aber ohnehin selbstverständlich sein, sich pflichtgemäß und aus ethischer Verantwortung an geltendes Recht wie die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung zu halten.