Blick über den Tellerrand

Es ist manchmal erstaunlich, durch wen oder was wir inspiriert werden. Es lohnt sich in jedem Fall, ab und an über die Grenzen des eigenen Wirkungsbereichs zu schauen. Was Manager beispielsweise vom Fußball, vom Gärtnern oder vom Jazz lernen können. Erster Teil unserer zweiteiligen Serie.

Herr Frosch, was kann HR vom Profi-Fußball lernen?

Vor allem die Konsequenz und Professionalisierung im (Talent) Scouting. Es ist beeindruckend, mit welch durchdachten Konzepten und Strategien das Scouting nicht mehr dem Zufall oder Einzelnen überlassen wird. Insbesondere der deutsche Profi-Fußball hat erkannt, dass dies die Grundlage für eine gesunde wirtschaftliche und sportliche Entwicklung ist. Dabei stehen nicht nur die Nachwuchsspieler im Fokus, sondern auch passende ältere, etablierte Profis, die nicht die Mega-Stars sind. Bei der demografischen Entwicklung könnte auch dies ein Vorbild für Wirtschaftsunternehmen sein, deren Schwerpunkt immer noch auf der Gewinnung der „Generation Y“ liegt. Bemerkenswert finde ich zudem, dass in der Förderung von Nachwuchs immer mehr die „Besten“ eingesetzt werden. Das Ergebnis davon haben wir ja bei der WM gesehen.


Markus Frosch ist Vorstand und Partner der HR-Beratung Promerit.

Herr Nöllke, sollte jeder gestresste Manager in seiner Freizeit Gärtner sein?

Das zu entscheiden, sollte man den gestressten Managern selbst überlassen. Aber Gärtnern ist ein schönes und entspannendes Hobby. Und es bietet jede Menge Anregungen für den Führungsalltag. Ein Gärtner verkörpert vielleicht am sinnfälligsten, was wir heute an Führungskräften oft vermissen: Unaufgeregtheit, Beharrlichkeit und vor allem Zugewandtheit. Ein Gärtner mag Pflanzen. Er pflegt in Ruhe seinen Garten und nicht sein Ego. Der Garten soll erblühen, nicht der Gärtner. Vielleicht am wichtigsten ist sein Verhältnis zur Zeit. Ein guter Gärtner denkt langfristig und vorausschauend. Was er morgen ernten will, muss er heute pflanzen. Und er muss in Zyklen denken. Ruhephasen muss er respektieren und die Blütezeit nutzen. Darüber hinaus erfordert der Garten eine gesunde Mischung aus Planung und Improvisation. Ein schöner Garten ist vielfältig, lebendig und daher niemals perfekt. Ständig geschehen unvorhergesehene Dinge. Es gibt Unkraut, Schädlinge, und das Wetter ist auch niemals, wie man es haben möchte. Ein Gärtner stellt sich genau darauf ein.

Matthias Nöllke ist Autor und Referent. Von ihm ist unter anderem erschienen: „In den Gärten des Managements: Für eine bessere Führungskultur“.

Herr Küthe, wie kann man mit Hilfe von Goethe das Leben meistern?

Bei Goethe handelt es sich um einen außergewöhnlich guten Ratgeber zum Thema „Erfolgreich das Leben meistern“. Zum einen war Goethe nicht nur ein genialer Dichter und Denker, sondern gleichzeitig Maler, Naturwissenschaftler, Theaterleiter und Politiker. Lebte er heute, würden wir ihn Manager, Unternehmer, Netzwerker und Geschäftsmann nennen. Er verstand es, seine unterschiedlichsten Tätigkeiten souverän zu organisieren. Zum anderen brauchen heutige Manager mehr denn je ein stabiles Wertegerüst und das findet sich in Goethes Werk. Ich nenne Ihnen drei beispielhafte Zitate: „Es geht uns der ganze Gewinn des Lebens verloren, wenn wir uns nicht mitteilen können.“ Wirksam mit anderen sprechen zu können ist eine dieser wesentlichen Lebensregeln. Und noch wichtiger: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ Wer also seinem Herzen folgt, wer ein bestimmtes Ziel verfolgt, der geht trotz Widrigkeiten beharrlich seinen Weg. Diese Menschen werden schlussendlich mit persönlichem Wachstum und beruflichem Erfolg belohnt. Wohl am wichtigsten: „Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Was eine Zauberlaterne ist ohne Licht!“

Stefan Küthe ist Trainer und Coach. Von ihm ist das Buch erschienen: „Goethe für Manager – wie Sie einfach genial Arbeit und Leben meistern“.

Herr Scheer, warum ist Jazz ein wunderbares Modell für Management?

Das Besondere an der Jazzmusik ist ihr Organisationsmodell und die Improvisation. In einer Jazzband ist jeder Musiker Solist, der seine eigenen Ideen in großer Freiheit ausdrücken kann. Andererseits gibt es Regeln über die harmonische Struktur und die rhythmische Form des Stückes, die dafür sorgen, dass ein Gruppenergebnis erzielt wird. Auch in modernen Teamorganisationen, zum Beispiel bei der Softwareentwicklung, muss das Gleichgewicht zwischen individueller kreativer Freiheit und Beachtung von Schnittstellen zu den anderen Mitgliedern eingehalten werden. Gekonntes Improvisieren heißt, spontan neue Ideen zu entwickeln und auf unvorhergesehene Impulse reagieren zu können. Das ist eine Eigenschaft, die auch im Business bei einem turbulenten Umfeld immer wichtiger wird. Im Jazz werden Musiker im Improvisieren und im Spielen innerhalb einer Band mit hoher Kommunikation zwischen den Mitgliedern ausgebildet. Davon könnten auch Manager profitieren.

August-Wilhelm Scheer ist Alleingesellschafter und Geschäftsführer der Scheer Group und ehemaliger Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Scheer ist außerdem ein angesehener Baritonsaxophonist.