Digitales Lernen nach dem Netflix-Prinzip

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(c) gettyimages/Delmaine Donson
(c) gettyimages/Delmaine Donson

Viele Mitarbeiter finden E-Learning-Programme kompliziert und zeitintensiv. Was wäre, wenn sich das digitale Lernen an Netflix orientieren würde?

Passende Lerninhalte sind schwer zu finden und nicht besonders attraktiv aufbereitet, lautet oft die Kritik derjenigen, die sich weiterbilden sollen oder wollen. Vorbilder für attraktive Plattformen im Web gibt es genug. Netflix beispielsweise. Wie wäre digitales Lernen gestaltet, wenn Netflix die Sache in die Hand nehmen würde? Welche Erfolgsrezepte der weltweit größten Streaming-Plattform lassen sich auf die Weiterbildung übertragen?

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Maßgeschneiderte Angebote schaffen

Netflix verdankt seinen weltweiten Erfolg der Video-on-Demand-Vermietung per Streaming. Nicht nur die Qualität der Inhalte, sondern auch die einfach zu bedienende Plattform sowie eine ansprechende Programmpräsentation mit intuitiver Suchfunktionalität sorgen für Kundenbindung. Zusätzlich hat Netflix die Programmgestaltung ausschließlich auf das individuelle „Fernsehverhalten“ seiner Kunden ausgerichtet. Auf dieser Grundlage empfiehlt die Plattform jedem Abonnenten ein auf seine persönlichen Präferenzen maßgeschneidertes Angebot.

Lernende Mitarbeiter als Kunden betrachten

Intuitive Bedienung und ein individuelles Programm sollten auch für Lernplattformen selbstverständlich sein. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Wie eine Studie von „Towards Maturity“ und „Skillsoft“ ergab, findet ein Großteil der 6.000 befragten Arbeitnehmer E-Learning-Programme zu kompliziert und zeitintensiv. Am häufigsten wird beanstandet, Lerninhalte seien schwer zu finden, unattraktiv und würden ‚nichts bringen‘.

Diese Negativ-Erfahrung fördert nicht gerade die Motivation von Mitarbeitern, sich über digitale Formate weiterzubilden. Laut der Studie sind auf diese Weise E-Learning Projekte schon bei 60 Prozent der befragten Unternehmen gescheitert und damit ein Großteil der Investitionen in digitales Lernen wirkungslos verpufft.

Das Beispiel Netflix belegt: die Qualität und Attraktivität der Plattform sind ein neuralgischer Punkt für den Erfolg. Unternehmen können hieraus zwei wesentliche Erkenntnisse gewinnen. Erstens: Lernende Mitarbeiter sollten als Kunden betrachtet und entsprechend behandelt werden. Und zweitens: Eine moderne Lernplattform muss viel mehr als eine bloße Content-Datenbank früherer Tage bieten.

Durch vertraute Benutzeroberflächen Barrieren abbauen

Was macht eine Lernplattform im digitalen Arbeitsumfeld aus? Was spricht Lernende an? Die gute Nachricht vorweg – Arbeitnehmer wollen lernen, sich weiterentwickeln, ihre Karriere vorantreiben. Es dürfte demnach von den Mitarbeitern grundsätzlich begrüßt werden, wenn ein Unternehmen ein digitales Lernprogramm zur Weiterbildung einführt.

Eine moderne Lernplattform präsentiert sich im „Look & Feel“ wie die Benutzeroberflächen von Netflix, YouTube oder Facebook. Anwender haben bei diesen Lernanwendungen das Gefühl, etwas Derartiges schon aus dem privaten Umfeld zu kennen. Das baut gerade bei eher ungeübten Nutzern Berührungsängste ab. Übersichtlichkeit und eine einfache Bedienung sind essenziell: Nichts ist für Anwender demotivierender, als sich mühsam in einer unüberschaubaren Fülle von Funktionen zurechtfinden oder langwierig nach passenden Lerninhalten suchen zu müssen.

Individuelle Anforderungsprofile passend bedienen

Nach dem Netflix-Vorbild der Konsumentenanalyse sollten heutige Lernprogramme ebenfalls in der Lage sein, die individuellen Bedürfnisse der Lern-Kunden zu analysieren und maßgeschneiderte Kursangebote zu empfehlen. Dies erfordert einerseits eine große Vielfalt an Inhalten sowie andererseits die gezielte Zuordnung passender Inhalte zu persönlichen Anforderungsprofilen auf der Grundlage leistungsstarker Algorithmen und künstlicher Intelligenz.

So können Lernende individuell begrüßt und mit auf ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Inhalte auf einer vertrauten Benutzeroberfläche willkommen geheißen werden.

Drei Schritte zum Netflix-Effekt für digitales Lernen:

1. Zielgruppenansprache optimieren

Unter ihren Lern-Kunden im Unternehmen befinden sich verschiedene Zielgruppen: Basis- und Führungskräfte, junge Talente, gestandene Mitarbeiter, routinierte und eher unerfahrene Anwender… Stellen Sie sicher, dass Ihr Kursportfolio nach unterschiedlichen Wissenslevels – zum Beispiel Anfänger, Fortgeschrittene, Experten – strukturiert ist und eine hohe Kontinuität bietet.

2. Lernpräferenzen berücksichtigen

Darüber hinaus ist es sinnvoll, individuelle Lernpräferenzen zu berücksichtigen. Denn während der Eine das Anschauen von Videos bevorzugt, können Andere sich Wissen besser über spielerische Elemente (Gamification) aneignen. Auch eBooks erfreuen sich in einem diversifizierten Kursportfolio nach wie vor großer Beliebtheit.

3. Lernen flexibel gestalten

Digitales Lernen und Präsentationsformen müssen sich den Gegebenheiten des heutigen Arbeitslebens anpassen. Viele Arbeitnehmer beklagen einen Mangel an Zeit zum Lernen. Eine sehr effektive Schulungsmethode sind daher Micro Learning-Kurse. Diese vorwiegend Video-basierten „Lernhäppchen“ sind aufgrund ihrer Praxisnähe – häufig werden typische Szenen aus dem Berufsalltag nachgestellt – bei Lernenden besonders beliebt. Dank ihrer geringen Dauer von fünf bis zehn Minuten pro Einheit und ihrer mobilen Verfügbarkeit auf dem Tablet oder Smartphone können sie ideal in den Arbeitsalltag eingebaut oder auch in der Freizeit genutzt werden.

Was das Beispiel Netflix-zeigt

Bei den Mitarbeitern erfolgreiches E-Learning erfordert eine ansprechende und intuitive Plattform, deren Inhalte sowohl die Geschäftsziele des Unternehmens unterstützen, als auch jeden Mitarbeiter in seiner persönlichen Entwicklung fördern. Ein Unternehmen kann die Motivation der Mitarbeiter maßgeblich erhöhen, wenn es individuelle Karriereperspektiven fördert.

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