4 Gründe für mehr Mindeststandards im Recruiting

09.10.2019  |  Tim Verhoeven
Im Recruiting sollte es Mindeststandards geben.
© gettyimages / Homiel

Schwarze Schafe unter Personalberatern verschrecken Bewerber, skurrile Tests nerven. Es ist Zeit für Mindeststandards, meint Tim Verhoeven.

Kaum ein wichtiger Bereich in unserem Leben wird nicht durch Mindeststandards oder Qualitätsstandards geprägt. Diese führen dazu, dass wir uns darauf verlassen können, dass Dinge funktionieren und wir die gewünschte Mindestqualität bekommen.

Egal, ob im privaten oder im geschäftlichen Bereich, haben wir Standards schätzen gelernt. Umso verwunderlicher ist es, dass es bei der heutigen Diskussion über Fachkräftemangel und den ‚war for talents‘ kaum Mindeststandards im Recruiting gibt. Erste Ansätze sind zwar vorhanden, aber noch haben sich Standards im Recruiting nicht durchgesetzt. Die Leidtragenden sind sowohl Bewerber als auch letzten Endes die Unternehmen selbst. Mehr Mindeststandards würden zudem dazu führen, dass sich unsere Rolle als Recruiter verändert und wir dem Anspruch, den wir an unsere Profession haben, gerechter werden.

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Hier nun die wichtigsten Gründe, warum wir mehr Mindeststandards im Recruiting benötigen:

1. Eignungsdiagnostik

Bewerber haben ein immer größer werdendes Bedürfnis an Transparenz von Auswahlprozessen. Knapp vier von fünf Bewerbern geben an, dass es ihnen wichtig oder sehr wichtig ist, zu wissen, was konkret bei Auswahlprozessen gemessen wird. In der gleichen Studie sagten 58 Prozent aller Befragten, dass es ihnen wichtig oder sehr wichtig sei, dass die Auswahl auf objektiven und wissenschaftlich fundierten Methoden basiert. Trotzdem findet man immer wieder skurrile und wissenschaftlich mehr als nur fragwürdige Methoden und Dienstleister, die sich auf dem Markt tummeln. Hier sind flächendeckende Mindeststandards längst überfällig.

2. Personalberater

Fast 90 Prozent aller Bewerberinnen und Bewerber wünschen sich nach einer aktuellen Studie Mindeststandards von Personaldienstleistern. Dies ist insofern nachvollziehbar, da es neben sehr vielen guten Vertretern auch einige schwarze Schafe gibt. Wenn man bedenkt, dass hier die höchsten finanziellen Investitionen pro Einstellung hinfließen, ist es schon arg verwunderlich, dass es keine flächendeckenden Standards in diesen Bereichen gibt. Eines der wenigen positiven Beispiele ist ein neuer Zertifizierungsansatz der GfR – Gesellschaft für Recruitingqualität, welche versucht, qualitative Mindeststandards einzuführen.

3. Künstliche Intelligenz

Der Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz im Recruiting nimmt immer mehr Fahrt auf. Jedoch mehren sich die Beispiele, die zeigen, dass wir durch diese Technologien neuen Problemen gegenüberstehen. Wir müssen die Technologien verstehen und überprüfen, damit beispielsweise keine verdeckte Diskriminierung stattfindet. Hier sollte jedoch nicht nur die Verantwortung bei den Unternehmen liegen, die diese Technologien nutzen, sondern auch bei den Herstellern solcher Lösungen. Mindeststandards wären in vielerlei Hinsicht ein erster essenzieller Schritt. Möglicherweise ist der recht frisch gegründete Ethikbeirat HR Tech eine Institution, die hier genau helfen kann.

4. Einheitliche Ausbildung

Jeder kann Recruiting – ist ein gängiger Spruch, den man im Recruiting (un)gerne hört. Das liegt vor allem daran, dass es keinerlei Studium, Aus- oder Weiterbildung gibt, die jeder (oder zumindest die Mehrheit) durchlaufen hat. Juristen, Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen und noch viel mehr unterschiedliche Hintergründe können Recruiter haben – und das macht einen gemeinsamen Nenner um so wichtiger.

Bei aller Kritik gibt es jedoch auch Lichtblicke: Positiv hervorheben sollte man, dass einige Initiativen sich mit genau diesen Themen befassen. Ob die GfR – Gesellschaft für Recruitingqualität, der Ethikbeirat HR Tech oder auch immer mehr Experten, die neue oder aktualisierte Formen von Normen und Standards zum Thema machen: Alle sind sich einig – wir benötigen mehr Standards.

Disclaimer: In diesem Artikel schreibt Tim Verhoeven nicht als Vertreter von Indeed, sondern als Recruiting-Experte und Blogger.