Verstehen, wie die Firma funktioniert

Endlich mal Kollegen aus anderen Abteilungen kennenlernen und das eigene Netzwerk erweitern. Bei der SAP AG wird genau das seit etwa einem Jahr mit der Applikation „Networking Lunch“ gefördert. Im Interview erklärt Personalleiter Wolfgang Fassnacht, wie die Idee dazu entstanden ist und was die Vorteile für den Softwarehersteller sind. 

Herr Fassnacht, bei der SAP wird seit etwa einem Jahr die Applikation „Networking Lunch“ eingesetzt, die Mitarbeiter, die sich womöglich noch nie gesehen haben, zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammenbringt. Haben die SAP-Beschäftigten sich vorher beim Essen etwas gelangweilt, weil sie immer mit denselben Kollegen essen gegangen sind?

Langeweile kennen wir bei der SAP nicht, das kann ich Ihnen versichern. Dafür entwickelt sich diese Firma viel zu dynamisch. Es geht um etwas anderes: SAP-Mitarbeiter sind daran interessiert, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und zu verstehen, was Kollegen in anderen Bereichen beschäftigt. Neue Kollegen kennen zu lernen kann also ein Grund sein, unser „Networking Lunch“ zu nutzen. Damit kann man unter anderem auch Informationen sammeln und Anregungen für die eigene Arbeit erhalten, die äußerst wertvoll sind. Für neue Mitarbeiter stellt „Networking Lunch“ zudem eine exzellente Möglichkeit dar, quer über die Firma Kontakte zu knüpfen und sich so besser einzufinden.

Man kann nicht nur Mitarbeiter treffen, die einem unbekannt sind, sondern es ist auch möglich, die Auswahl auf eine bestimmte Anzahl zu begrenzen. Ist da anrufen nicht leichter?

Sie sprechen die sogenannte „Buddy“-Funktionalität an. Hierbei setzt die Applikation mit den von den Nutzern ausgewählten Kollegen regelmäßig Termine zum Mittagessen auf und berücksichtigt dabei auf Wunsch auch die Verfügbarkeit laut dem Kalender der Kollegen. Sicher geht das auch per Telefon, aber automatisiert ist es einfacher und man vergisst es nicht mehr.

10.000 Nutzer hat die Applikation in etwa. Ist denn der Vorstand auch dabei?

Meines Wissens ist der Vorstand bislang nicht mit dabei. Allerdings hat er sich bereits bei unserer Applikation „TwoGo“ beteiligt, die Kollegen für die gemeinsame Fahrt zur Arbeit zusammenbringt.

Sind Treffen über mehrere Hierarchieebenen hinweg überhaupt möglich? Also Abteilungsleiter und Trainee zum Beispiel?

Die SAP ist eine sehr offene Firma. Es gibt keine Einschränkungen, wer sich mit wem zum Essen trifft. Und das geht absolut quer über alle Hierarchieebenen. Bei der Findung neuer Partner für ein gemeinsames Mittagessen über die Applikation spielt die Ebene auch keine Rolle. Die Suchkriterien sind sachliche Schlagworte oder auch die eigenen Präferenzen bezüglich der Mittagessenszeiten.

Wie ist es zu der Entwicklung der Applikation gekommen?

Einige Kollegen wollten den Kontakt mit Kollegen aufrecht erhalten, mit denen sie ursprünglich einmal zusammen gearbeitet hatten. Auch waren sie daran interessiert, ihr persönliches Netzwerk zu erweitern, indem man sich mit einem selbst unbekannten Kollegen trifft. Ein gemeinsames Mittagessen bietet dabei einen guten Rahmen.

Die betreffenden Kollegen sind Softwareentwickler. Somit war der Weg von der Idee zur Realisierung als Applikation auf unserer SAP HANA Cloud nicht weit. Den notwendigen Raum bot dabei das Angebot von SAP, einen halben Tag pro Woche in interessante selbstgewählte Projekte zu investieren. Das Projekt wurde Anfang 2012 SAP-intern auf einer firmenweiten Entwicklertagung vorgestellt und gewann dort den ersten Platz in einem sogenannten Demo-Jam. Dies machte die Anwendung SAP-intern bekannt und verhalf ihr zu einem guten Start.

Für die Mitarbeiter bringt „Networking Lunch“ unter anderem die Möglichkeit das eigene Netzwerk zu vergrößern. Welche Vorteile hat das Unternehmen davon, dass sich Mitarbeiter nicht immer nur mit denselben zum Essen treffen? Mehr Kommunikation zwischen Mitarbeitern, die aus unterschiedlichen Abteilungen kommen?

Genau das ist es. Diese Kommunikation ermöglicht es unseren Mitarbeitern besser zu verstehen, wie die Firma insgesamt funktioniert. Als Firma profitieren wir davon, wenn unsere Mitarbeiter dieses zusätzliche Wissen nutzen, um Ideen für neue oder bessere Produkte und Dienstleistungen zu gewinnen, Synergien über Bereichsgrenzen hinweg zu entdecken, oder einfach zufriedener zu sein mit der Vielfalt, die die SAP einem Mitarbeiter bietet. Am Standort Walldorf arbeiten beispielsweise Mitarbeiter aus fast 80 verschiedenen Nationen zusammen, da kann es sehr spannend sein, neue Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen aus den verschiedenen Kulturkreisen auszutauschen.