Der Hype um Social Media im Recruiting ist vorbei

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Social Media sind im Personalmarketing fast allgegenwärtig, doch wie eine aktuelle Studie zeigt, hat eine gewisse Stagnation eingesetzt. Von einem Wundermittel in der Kandidatenansprache ist darin keine Rede mehr, doch im Detail zeigt sich noch Potenzial.

Der Einsatz von Social Media im Recruiting und Employer Branding gehört inzwischen zum festen Repertoire eines modernen Personalers, auch wenn sich gezeigt hat, dass die neuen Medien sich nicht zum „Stein der Weisen“ im Personalmarketing entwickelt haben. So zumindest heißt es in der „Social Media Personalmarketing Studie 2016“ der Hochschule RheinMain und der Unternehmensberatung embrander.

Demnach stagnieren die Nutzungszahlen der Social Media nach einem anfangs steten Zuwachs seit 2014, das allerdings auf einem recht hohen Niveau. So werden diese Kanäle derzeit in 86 Prozent der befragten Unternehmen genutzt. Da 2014 dieser Wert noch bei 91 Prozent lag, müsste genaugenommen sogar von einem leichten Rückgang gesprochen werden.

Weiterhin stark genutzte Kanäle sind Karriere-Webseiten mit 95 Prozent und Stellenanzeigen auf Jobbörsen (88 Prozent). Damit treffen die Unternehmen auch die Ansprüche potenzieller Kandidaten. Diese nutzen ebenfalls in erster Linie die Karriere-Webseiten (90 Prozent) und die Jobbörsen mit 71 Prozent.

Für die Studienautoren ist dies jedoch kein Abgesang auf die Social Media als Kanal. „Genauso wie es in der Vergangenheit übertrieben war, Social Media zu glorifizieren, wäre es jetzt übertrieben, aus Enttäuschung und Überdruss komplett darauf zu verzichten“, sagt Thorsten Petry, Professor für Organisation und Personalmanagement an der Hochschule RheinMain.

Allerdings zeigt die Studie auch, dass sie keinesfalls ein „must have“ sind, um dieser Tage junge Menschen zu erreichen, denn tatsächlich nutzen Studenten die verschiedenen Kanäle sogar seltener als Fach- und Führungskräfte.

Zudem sind Unternehmen häufig sogar breiter aufgestellt als ihre jeweiligen Zielgruppen. Mehr noch, wie sich an den Beispielen Xing, LinkedIn und Twitter zeigt, sind Unternehmen oft deutlich aktiver, als jene, die sie zu erreichen suchen. So nutzen Studenten Xing zu 35 Prozent und LinkedIn zu 18 Prozent, Unternehmen hingegen sind hier zu 90 Prozent beziehungsweise zu 60 Prozent aktiv.

Die Fach- und Führungskräfte liegen in ihrem Nutzungsverhalten schon eher auf der Unternehmenslinie – so sind 79 Prozent für Xing und 53 Prozent für LinkendIn zu verzeichnen. Hier offenbart sich für Unternehmen noch einiges an Anpassungspotenzial in der Social Media-Nutzung.

Erstaunlich ist auch, dass Arbeitgeberbewertungsplattformen für Studenten so gut wie keine Rolle spielen. Lediglich fünf Prozent nutzen die hier abgefragte Plattform Kununu. Bei Fach- und Führungskräften sind es immerhin noch 23 Prozent. Unternehmen sind hier mit 58 Prozent deutlich aktiver.

An der 2016er Auflage der Studie haben 487 Personen teilgenommen. Insgesamt liegen seit 2010 über 2.000 vollständig auswertbare Datensätze vor. Die komplette Studie kann hier kostenpflichtig erworben werden – ein kostenfreier Ergebnisbericht steht dort ebenfalls zur Verfügung.