VW: Hunderte Topmanager sollen zu Leistungstests

14.03.2019  |  Deidre Rath
(c) gettyimages / animaflora
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Reaktion auf Missmanagement? VW-Chef Diess schickt Hunderte von Vorständen und Topmanagern zu Executive Assessments.

Volkswagen-Chef Diess ist mit seinem Führungspersonal offenbar unzufrieden. Laut Berichten des Magazins DER SPIEGEL sollen sich ab April alle Markenvorstände und 377 Topmanager sämtlicher Konzernmarken einem sogenannten Executive Assessment unterziehen. Manager unterhalb der Vorstandsebene würden beurteilt, um mögliche Nachfolgekandidaten für Spitzenposten ausfindig zu machen. Anschließend seien die Vorstände von Marken wie VW oder Audi an der Reihe. Für die Durchführung des Assessment Centers wurde die Beratungsfirma Spencer Stuart beauftragt.

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Die Eignungsbeurteilung diene laut unternehmenseigenen Aussagen nicht dazu, auf diese Weise Führungskräfte auszusortieren.  Vielmehr solle sie zur „systematischen Nachfolgeplanung und gezielten Personalentwicklung“ genutzt werden. Geprüft würden hierfür unter anderem Qualifikationen wie Führungsstärke und Motivation. Dennoch wird mit diesem Schritt deutlich, dass VW seine unternehmerischen Weichen neu stellt. Der Gedanke liegt daher nah, dass der Einsatz eines Executive Assessments in diesem Rahmen auch der Qualifikationsprüfung des bestehenden Führungspersonals dienen könnte.

Das mangelhafte Management von VW steht schon seit einigen Jahren in der Kritik. Doch der Druck auf den Automobilriesen wächst. Betriebsratschef Osterloh beklagte vor wenigen Tagen, es seien allein beim neuen Abgastestverfahrens WLTP im letzten Jahr „Milliarden versenkt“ worden. Die Verantwortung hierfür sieht er beim Management. Dieses hat nun angekündigt, im Zuge der Sparpläne weitere 5000 bis 7000 Stellen streichen zu wollen. Ein Schritt, der laut Osterloh vermeidbar gewesen wäre: „Wir haben den Vorstand schon vor fast zwei Jahren darauf hingewiesen, dass die Einführung neuer und moderner IT-Systeme zu einem Stellenabbau in den indirekten Bereichen führen wird“, so der Betriebsratschef.

Diess selbst wird sich wohl vorerst keiner Eignungsbeurteilung unterziehen müssen. Seine Kommunikationsfähigkeiten stehen nach seiner fragwürdigen Äußerung „Ebit macht frei“ allerdings durchaus in Frage.