HR Hackathon geht in die zweite Runde

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2015 betrat Eva Zils mit ihrem Hackathon in HR-Kreisen Neuland. Doch die Idee, Personaler und Programmierer zusammen HR-Software durchdenken zu lassen, ging auf. Nun steht die Neuauflage an. Wir haben mal gefragt, was diesmal anders wird.

Die Idee stammt aus der Soft- und Hardware-Entwicklung und ist sie dort schon ein etabliertes Projekt-Tool. Der Gedanke: diejenigen, die ein System nutzen, und diejenigen, die es entwickeln, arbeiten von Anfang an zusammen, geben sich Impulse, liefern Ideen, klären offene Fragen im Prozess und nicht via Updates nach dem Launch – Zusammenarbeit quasi Laptop an Laptop. Das Ganze auch in der HR-Welt zu etablieren, hat sich HR-Tech-Expertin Eva Zils zur Aufgabe gemacht. Ihr erster HR Hackathon fand vergangenes Jahr im Mai statt. Der zweite nun findet am 16. und 17. April wieder im Telefonica BASECAMP in Berlin statt.

Eva, nach der Premiere im vergangenen Jahr startet nun am 16. April die zweite Auflage Deines HR Hackathons. Wie haben sich denn letztes Mal HRler und Programmierer verstanden?
Sehr gut. Die Kommunikation war gut und auch die Zusammenarbeit – eigentlich sogar besser, als ich erwartet hatte. Es war wirklich sehr schön mitanzusehen, was da entstanden ist, und wie die Teams zusammengearbeitet haben.

Dein Ziel war es ja auch, die beiden Gruppen näher zusammenzubringen. Wie offen waren denn beide Seiten für den Austausch.
Das ging auch wunderbar ohne großartig irgendetwas zu machen. Bevor der eigentliche Event losging, saßen schon fast alle Teilnehmer bunt verteilt im BASECAMP zusammen. Da sah man dann Entwickler und HRler zusammen an den Tischen, die alle ihre Laptops aufgeklappt hatten, die Umgebung eingerichtet und das WLAN-Passwort und so weiter eingegeben hatten. Schon vor dem Kickoff war der Austausch da. Und das war auch das, was die Teams und die Teilnehmer generell im Nachhinein gesagt haben, dass die Bereitschaft, sich auszutauschen, Inhalte zu teilen sich auch mitzuteilen, sehr hoch war. Das ist bei vielen Veranstaltungen nicht selbstverständlich, wo jeder ein bisschen mit seinem Wissen hinter dem Berg hält – auch aus gewissen Konkurrenzgedanken und  Wettbewerbsgründen.

Hat das die Teilnehmer selbst überrascht und haben sich da vielleicht auch Ansichten über die jeweils andere Seite relativiert?
Ich denke schon – gerade von HR-Seite aus. Die Entwickler sind das, glaube ich, auch teilweise bereits gewöhnt. Die fanden es vor allem gut, dass sie die Anwendergruppe sozusagen direkt in Reichweite hatten, dass sie sie auch traktieren konnten mit Fragen zu Prozessen, wie manches denn so abläuft. Und bei den HRlern war der Tenor, dass man auch mit den Entwicklern ganz normal sprechen und arbeiten kann. Letztendlich waren alle sehr positiv überrascht.

Sind daraus konkrete Projekte entstanden?
Am Anfang stehen ja die Ideen-Pitches. Jeder, der möchte, kann mit einer konkreten Idee oder einer Problematik auf die Bühne kommen und in einer Minute vorstellen, was er mit einem Team gerne angehen würde, das beispielsweise aus einem Entwickler aus einem bestimmten Bereich besteht und jemanden, der sich im HR damit auskennt. Im vergangenen Jahr sind dabei dann elf Teams und acht Prototypen entstanden. Erstaunlich war auch, dass es oft um Mobile-Applikationen ging – beispielsweise Videobewerbungen. Wir hatten auch eine Art Siri für die Jobsuche dabei. Man muss sich aber auch vor Augen halten, dass man in den 48 Stunden nicht eine komplette HR-Suite programmieren kann, sondern das auf jeden Fall Punktlösungen sind. Aber Trends waren zuerkennen und das waren ganz klar Mobile, Videobewerbungen und auch Talent Pools.


Teamwork beim HR Hackathon, Foto: Oscar Mager, www.recruitingessentials.nl

Weißt du, ob etwas davon inzwischen bis zur Marktreife gelangt ist?
Zur Marktreife bisher noch nicht. Ich weiß von einer Videobewerbungs-Applikation von einem der drei Gewinnerteams, die in ein bestehendes Bewerbermanagementsystem eingebettet worden ist. Bei anderen war die Idee sehr gut, aber letzten Endes das Businessmodell nicht ausgereift genug, um damit an den Markt zu gehen. Und andere sind noch Ideen, die aber wichtig genug sind, um sie dann später noch weiterzuentwickeln.

Du hast sicherlich dabei einiges drumherum mitbekommen. Welche Themen haben beide Seiten bewegt?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir hatten ja auch einen gewissen Ausschnitt an HRlern auf dem HR Hackathon, weil es zu einem natürlich nicht für jedes Unternehmen ein Format ist und auch nicht unbedingt für jeden HR-Manager. Man braucht HR-Verantwortliche, die so zwei, drei Schritte ihrer HR-Zeit voraus sind und auch flexibel genug sind, um sich mit ganz anderen Dingen auseinanderzusetzten und auch auf innovativen Eventformaten die Sachen konkret anzupacken. Dementsprechend war bei vielen das Thema, einfach mal so ein bisschen aus den ausgetrampelten Pfaden von HR herauszukommen und direkt in den Austausch zu gehen. Wir hatten ja auch HR-Content-Session, wo Experten – teilweise auch HR-Manager – inhaltliche Sessions geleitet und diskutiert haben. Auch da hat man gemerkt, dass alle irgendwie diesen Netzwerkcharakter und den Austauschen mit Gleichgesinnten auf einem sehr fortgeschrittenen Niveau gesucht haben.

Du hattest angesprochen, dass es im vergangenen Jahr einen Fokus auf mobile Lösungen hab. Was, denkst Du, wird es jetzt sein?
Mobile wird auch dieses Jahr ein Thema sein. Was ich aber generell in HR-Startups als Trend sehe sind Plattformen, die Employee Engagement und Candidate Experience als Thema aufgreifen oder auch Reference- oder diese Happiness-Geschichten, bei denen man direkt on the go Mitarbeiterfeedback geben kann. Ich denke, solche Themen werden ganz spannend sein. Das ist auch etwas, das man während eines Hackathons gut umsetzen kann.

Welche Erfahrungen hast Du als Organisatorin gemacht. Was lief besonders gut.
Also irgendwie alles (lacht). Das war wirklich erstaunlich. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass alles so glatt läuft und die Atmosphäre von Anfang an so toll war. Klar haben wir auch ein paar Lehren daraus gezogen, gerade was so Monitore und diverse Adapter angeht. Das machen wir auf jeden Fall besser.


Content-Session beim HR Hackathon, Foto: Oscar Mager, www.recruitingessentials.nl

Was machst Du dieses Jahr anders?
Der Fokus ist jetzt viel stärker auf Corporate HR ausgerichtet. Letztes Jahr – bei einem ersten Event ist das ja klar – waren die angesprochenen Teilnehmer sehr breit gestreut. Dieses Mal achte ich sehr drauf, dass wir viele Corporate HR Manager dort haben. Das Verhältnis ist zwei Drittel Entwickler und ein Drittel HR. Und was wir auch ein bisschen anders machen werden, ist, dass am Ende des ersten Tages nun die Teams noch einmal auf der Bühne ihr Projekt vorstellen und erläutern, wo sie gerade dran sind und wie sie dann am nächsten Tag weitermachen.

Neuauflagen sind immer etwas schwierig – die einen erwarten eine Professionalisierung, ein Erwachsenwerden, andere wollen die gleiche Aufbruchsstimmung spüren, die normalerweise nur Premieren haben können. Was wünscht Du Dir vom zweiten HR Hackathon.
Ich wünsche mir im Prinzip die gleiche Atmosphäre, wie beim letzten Mal. Die gleiche Offenheit bei den Teilnehmern, dass man sich gut unterhält, sich sehr gut austauscht, dass die Teilnehmer viele Ideen mitbringen und die Entwickler sehr fit sind. Und natürlich dass wir wieder ein paar Prototypen mehr haben und die eine oder andere Idee, die auch ein bisschen weiter geht.

Dann viel Spaß in Berlin
Ja, vielen Dank.