Influencer Recruiting

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Foto: Getty Images / Maskot .
Foto: Getty Images / Maskot .

Als Unternehmen um einen durchdachten Social-Media-Auftritt herumzukommen, ist faktisch nicht mehr möglich – besonders, wenn man auf Personalsuche ist. Doch potenzielle Kandidaten zu Followern zu machen, ist nicht gerade leicht. Warum also nicht die eigenen Mitarbeiter zu „Influencern“ machen?

Wir sind online und das nicht zu wenig. Soziale Medien wie Facebook, Youtube oder Instagram erfreuen sich auch weiterhin einem stetigen Zuwachs an Nutzern, was wiederum die Werbeindustrie lockt. Anstatt in Fernsehwerbung oder Zeitungsannoncen laufen Werbebudgets zunehmend in soziale Netzwerke. Hier sehen sich Unternehmen jedoch mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Der übliche Instagram Nutzer folgt eher selten einer Kühlschrankfirma und auf Facebook ist es schon eine hohe Kunst, dass ein Nutzer meine Seite für Haarwaschmittel mit einem „Like“ belohnt. Nachdem etliche Budgets in den sozialen Netzwerken dieser Welt versenkt wurden, ist in manch einer Agentur die Erkenntnis gewachsen: Menschen folgen Menschen, keinen Unternehmen.

Influencer regieren die Welt

Dieses Dilemma hat sich der Influencer zu Nutze gemacht. Für kurzweilige Unterhaltung oder Information schart er eine wachsende Zahl von Anhängern um sich, denen er gegen Bezahlung bestimmte Produkte schmackhaft macht. Den Influencer gibt es zum einen in der Celebrity Ausführung. Stars wie Selena Gomez, Kim Kardashian oder Cristiano Ronaldo lassen sich einen Post an ihre über 100 Millionen Follower meist stattlich bezahlen. Zum anderen haben sich aber auch Privatpersonen in die Influencer Rigen vorgearbeitet. So wird das Jahreseinkommen des Youtube Stars PewDiePie auf satte 15 Millionen geschätzt und wenn Beauty Bloggerin Huda Kattan ein neues Paar Schuhe in einem Instagram-Post an ihre 20 Millionen Follower lobt, kostet das den Hersteller ein gutes Jahresgehalt.

Der Grund für den Werbeerfolg der Influencer liegt auf der Hand. Menschen vertrauen Empfehlungen von Freunden, Bekannten oder Personen mit denen sie sich identifizieren können oder die sie bewundern. Eine Rezension auf Amazon, eine Buchungsempfehlung auf booking.com oder mein Star der eine neue Schuhmarke „entdeckt“ hat, beeinflussen mein Kaufverhalten meist weitaus nachhaltiger als die klassische Werbung eines Unternehmens.

Was für den Kauf eines neuen Parfüms gilt, ist umso wichtiger für die Wahl meines nächsten Jobs. Bei einer derart wegweisenden Entscheidung vertrauen Menschen noch stärker auf die Empfehlungen und Meinungen ihres direkten Umfelds. Sollten wir nicht also auch auf Influencer setzen, um uns in dem immer zunehmenden Kampf um die richtigen Mitarbeiter Gehör zu verschaffen? Insbesondere für all jene Unternehmen, die nicht den Vorzug einer weit bekannten Marke geniessen oder mit einem Standort abseits der Metropolen zu kämpfen haben, können die eigenen Mitarbeiter ein wichtiger Schlüssel sein, um sich auf dem Arbeitsmarkt Gehör zu verschaffen.

Das klingt nach einem klassischen Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programm

Bereits Cäsar hat seinen Söldnern 30 Prozent mehr Lohn ausgezahlt, wenn diese einen neuen Soldaten in die römische Legion gebracht haben. Dieses Konzept wird auch heute noch von vielen Unternehmen praktiziert: Mitarbeiter können sich einen – teils stattlichen – Bonus verdienen, wenn sie Freunde oder Bekannte in das Unternehmen empfehlen sofern diese auch die Probezeit überstehen. Was aus Unternehmenssicht sinnvoll erscheinen mag, ist für die Mitarbeiter jedoch oft nur wenig motivierend. Bei Einführung eines solchen Programms ist meist noch ein großer Teil der Mitarbeiter aktiv. Jobs werden auf sozialen Netzwerken geteilt und Freunde empfohlen. In den meisten Fällen stellt sich aber bereits nach kurzer Zeit Ernüchterung ein. Der Weg bis zur Einstellung und überwundenen Probezeit einer Empfehlung ist lang und steinig und nur ein Bruchteil der Mitarbeiter erhält im ersten Jahr auch tatsächlich eine Prämie ausgezahlt. Dadurch beobachten wir in der Praxis eine stark abnehmende Empfehlungsaktivität der Mitarbeiter die nicht selten im zweiten Jahr eines Empfehlungsprogramms vollständig zum Erliegen kommt.

Von Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter zu Influencer Recruiting

Im Influencer-Recruiting geht es darum, Mitarbeiter langfristig zu Botschaftern auf dem Arbeitsmarkt zu entwickeln. Hierfür müssen neue Konzepte und Anreizmodelle geschaffen werden. Eine wesentliche Grundlage ist selbstredend die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Wenn es mir als Unternehmen nicht gelingt eine annehmbare Kultur, Entlohnung und Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, werden meine Mitarbeiter mich nicht weiterempfehlen. Aber auch wenn all dies gegeben ist, benötigen wir die richtigen Anreize, damit ein möglichst großer Teil meiner Mitarbeiter zu Influencern wird.

Wie in vielen anderen Bereichen liegt auch der Schlüssel zum Erfolg in der Wertschätzung. Die Digitalisierung ermöglicht es uns zu messen, welche Mitarbeiter als Multiplikatoren für uns tätig sind. Wie viele Jobs teilen sie auf sozialen Netzwerken, wie viele Klicks generieren sie auf meine Jobs und wie viele gute Kandidaten bringen sie an den Interview-Tisch? Unsere Erfahrung zeigt, dass es hier nicht – wie bei Ronaldo & Co – um große Geldsummen
geht, sondern dass kleine Wertschätzungen bereits ausreichend sind. Ein Amazon-Gutschein für das 20. Job-Posting auf Linkedin oder ein zusätzlicher Urlaubstag für den aktivsten Botschafter in einem Quartal, können bereits zu einer langfristigen Motivation der Mitarbeiter beitragen.

Influencer stärken das Recruiting auf vielen Ebenen

Wenn ein Großteil unserer Mitarbeiter als Influencer aktiv wird, dann erhöht das nicht nur unsere Reichweite sondern auch unsere Glaubwürdigkeit und Authentizität auf dem Arbeitsmarkt um ein Vielfaches. Ohne uns über den eigenen Karriereauftritt auf Facebook Gedanken machen zu müssen, generieren Influencer eine stark erhöhte Präsenz auf den sozialen Netzwerken und mit jeder Einstellung, die wir über einen Influencer erhalten, machen wir uns etwas unabhängiger von externen Dienstleistern und sparen Zeit und Geld im Recruiting.

Aber auch in der Innenwirkung haben Influencer einen positiven Einfluss. Mitarbeiter die in ihrem Netzwerk positiv über das Unternehmen sprechen und vielleicht sogar einen Freund oder Bekannten in das Unternehmen gebracht haben, zeigen eine wachsende Loyalität zum Unternehmen. Zudem fühlen sich Mitarbeiter und Abteilungen zunehmen selbst für die Besetzung offener Positionen in ihrem Bereich verantwortlich.

Als Unternehmen wird es uns nie gelingen, alle Mitarbeiter zu aktiven Influencern zu machen. Es werden die Mitarbeiter zu Influencern die mit dem Unternehmen zufrieden und die zumindest keine digitalen Analphabeten sind. Somit sind es auch genau diese Mitarbeitergruppen, die sich über das Influencer Programm selbst multiplizieren und das Unternehmen somit fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.

Arnim Wahls von Firstbird spricht zu diesem Thema auch in einer Expert Session auf dem diesjährigen Personalmanagementkongress – Mittwoch, 27. Juni, 10:30 bis 11:30 Uhr

Weiterbildungen zum Thema Recruiting und Social Media Recruiting