Kleine haben es schwer

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Im Zuge des Fachkräftemangels machen sich vor allem Medien- und IT-Firmen zunehmend Gedanken darüber, ob ihr Standort noch attraktiv genug ist für die junge Generation. Ein Kommentar. 

Ob sich die SAP-Gründer heute nochmal für Walldorf als Stammsitz entscheiden würden? Wohl eher nicht. Seit der Ankündigung, dass der dänische Co-Chef Jim Hagemann Snabe aus dem Unternehmen ausscheidet, machen sich manche in der Belegschaft die Sorge, Walldorf könne an Bedeutung verlieren. Der nun alleinige Mann an der Unternehmensspitze, der US-Amerikaner Bill McDermott, hat zuletzt immer mehr Entscheidungskompetenz in die USA verlagert. „Aus dem Silicon Valley kommen wichtige Impulse. Dort gibt es eine enorm kreative Start-up-Kultur“, hat sogar noch vor kurzem Hagemann Snabe gesagt. Und die Zusammenarbeit mit solchen dynamischen Technologiefirmen wird für SAP immer wichtiger – zum Beispiel weil sich die Innovationszyklen im IT-Bereich stark verkürzt haben. Zudem gilt Walldorf bei jungen Entwicklern nicht als sexy. „SAP müsste noch viel mehr die Berliner Karte spielen. Die jungen Leute wollen halt lieber ihre nächsten Jahre in der Großstadt verbringen“, sagte SAP-Gründer Hasso Plattner kürzlich in der Welt am Sonntag.

SAP ist kein Einzelfall: Für mehr und mehr Unternehmen wird der eigene Standort in der Provinz zum Problem. Und wenn es um Softwareentwicklung geht, kommt man an Berlin nur noch schwer vorbei. Manche Unternehmen gründen extra neue Dependancen in der Hauptstadt, um für die jungen Techies infrage zu kommen.

Generell gilt: Die Menschen, die gerade von der Uni kommen, wollen in die Stadt. Die Gründe liegen auf der Hand: hohe Lebensqualität, guter öffentlicher Nahverkehr und – immer wichtiger – ein flexibler Arbeitsmarkt. Sicherlich kann man Standortnachteile ausgleichen: durch eine bekannte Produktmarke – oder ein gutes Employer Branding. Nie war es von größerer Bedeutung für mittelständische Unternehmen aus der Provinz, die eigenen Stärken und Qualitäten und die der Region den Jobkandidaten näher zu bringen. Denn der Wettkampf um die klugen Köpfe wird immer härter: Seit Jahren sind die überregionalen Bewerbungen bei den Mittelständlern rückläufig. Irgendwann hilft aber auch kein Employer Branding mehr. Und dann sollte man über einen neuen (attraktiveren) Standort nachdenken.