Jeder Vierte in Deutschland geht unmotiviert zur Arbeit

Deutsche Arbeitnehmer sind laut einer Peakon-Studie im weltweiten Vergleich am unmotiviertesten.
© gettyimages / Nattakorn Maneerat

Deutsche Arbeitnehmer sind im weltweiten Vergleich am unmotiviertesten. Martin Daniel von Peakon erklärt, woran das liegt und was Unternehmen tun können.

Auf dem Weg zur Arbeit schon wieder sehnsüchtig an den Feierabend denken? Das ist für viele Realität: 23 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland gehen unmotiviert zur Arbeit. Hochgerechnet sind das über 10 Millionen Beschäftigte. Das ist weltweiter Spitzenwert. Und hat wirtschaftliche Folgen: Ein Unternehmen mit 10.000 Angestellten hat dadurch Mehrkosten von mehr als 48 Millionen Euro pro Jahr. Denn: Die Arbeitsleistung nimmt ab, wenn Arbeitnehmer nicht das Gefühl haben, zum Unternehmen zu gehören. Bei einer unmotivierten Belegschaft verdoppelt sich zudem das Risiko für Kündigungen und die Anzahl der Krankheitstage liegt im Schnitt um 75 Prozent höher.

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Klare Gewinner bei der Erhebung sind übrigens Dänemark und die USA. Dort gehen jeweils 45 Prozent der Angestellten motiviert zur Arbeit. Untersucht wurden 80 Millionen Datenpunkte aus Mitarbeiterumfragen von 160 Ländern, neun Branchen und unterschiedliche Altersgruppen.

Gen Z ist am motiviertesten, Schlusslicht sind Millennials

Motivierte Arbeitnehmer gilt es nicht nur zu finden, sondern auch zu halten. Dabei sollten Unternehmen vor allem die jüngste Generation am Arbeitsmarkt umwerben und über Benefits hinausdenken. Unsere Erhebung zeigt, dass die Generation Z, die sich durch ihre ungebundene Lebenseinstellung definiert, im Job wider Erwarten motiviert ist: 49 Prozent gehen gerne zur Arbeit – Höchststand unter den Generationen am Arbeitsmarkt. Danach folgen Generation X (46 Prozent) und Babyboomer (45 Prozent). Das Schlusslicht bilden die Millennials mit nur 41 Prozent.

Das ist spannend, denn Millennials starteten doch mit hohen Anforderungen in das Arbeitsleben. Sie wollten mehr Flexibilität und forderten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem waren sie darauf bedacht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Digitalisierung voranzutreiben und die Globalisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen. Inzwischen sind Millennials jedoch die unmotivierteste Generation am Arbeitsmarkt. Die Gründe für diese Entwicklung lassen sich nicht pauschalisieren, aber für Deutschland ist sicher auch die fehlende Flexibilisierung der Arbeitszeit ein Grund.

Work-Life-Blending wird immer wichtiger

Flexible Arbeitszeitmodelle fordert auch die Generation Z, aber dabei belassen sie es nicht: Mehr als jeder andere Generation ist ihnen wichtig, dass ihr Arbeitgeber authentisch ist und sich sozial und ökologisch engagiert. Im vergangenen Jahr stiegen die Erwähnungen von umweltbezogenen Begriffen in den Kommentaren der Generation Z um 128 Prozent – weit mehr als bei jeder anderen Generation.

Während diese Generation also weiter in den Arbeitsmarkt drängt, müssen Unternehmen Strategien entwickeln, um sie zu binden und Arbeitszeitmodelle schaffen, die jeden Einzelnen berücksichtigen. Denn heutzutage haben Angestellte nicht mehr das Gefühl, dass sie ihr Privatleben an der Bürotür lassen müssen und das sogenannte Work-Life-Blending wird immer entscheidender. Darauf sollten sich Unternehmen künftig noch mehr einstellen.

Spicken bei europäischen Nachbarn erwünscht

Um sich einige Ansätze zunutze zu machen, sollten deutsche Unternehmen einen Blick nach Dänemark werfen. Dort ist die Balance zwischen Job und Privatleben fest in der Arbeitswelt verankert. Zum Beispiel ist es völlig normal, dass Führungskräfte in Dänemark nachmittags ab 15 Uhr nicht mehr im Büro sind, weil sie ihre Kinder von der Schule abholen. Durch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind zudem viel mehr Frauen erfolgreich im Berufsleben: Insgesamt arbeiten 78 Prozent aller Däninnen wieder, wenn ihre Kinder beginnen zur Schule zu gehen. Generell wird die Work-Life-Balance in Dänemark also anders verstanden, was sich auch in der Arbeitszeit widerspiegelt: Die durchschnittliche Arbeitszeit in Dänemark liegt bei 37 Stunden wöchentlich, in Deutschland sind es 40 Stunden.

Angestellte müssen auch mal Kröten schlucken

Zu jedem Job gehören Routineaufgaben. Das geht los beim Telefonat mit Kunden bis zu den immer gleichen Handgriffe in der Produktion. Diese Routinen können irgendwann langweilig werden, wenn nicht zwischendurch neue Herausforderungen dazukommen. Dennoch gilt: Stimmt die Atmosphäre bei der Arbeit nicht, können Routinen auch schnell in Unmut umschalten. Das zeigen auch unsere Zahlen, vor allem, wenn es um das Thema flexibles Arbeiten geht. Hier lassen sich in den meisten Branchen Zuwächse verzeichnen, aber in der Transportbranche ist mit einem Anstieg von 55 Prozent die höchste Zunahme im Vergleich zum Vorjahr zu sehen. Das Thema ist inzwischen zwar überall angekommen, aber längst nicht zufriedenstellend erfüllt. Hier also einen Kompromiss zwischen Machbarem und Gefordertem zu finden, wird die Herausforderung der nächsten Zeit sein.

Fazit

In den vergangenen Jahren haben Unternehmen allmählich verstanden, dass sie das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter zu einem Teil ihrer Strategie machen müssen. Denn wenn Angestellte das Gefühl haben, dass ihr Wohlbefinden wichtig ist, sinkt die Zahl der Fehlzeiten und die Produktivität steigt. Hier gibt es aber keine Schablone, die sich auf allen Unternehmen auflegen lässt. Und es geht hier nicht nur um Snacks oder kostenlose Yoga-Kurse. Im War for Talents erwarten Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber ein ganzheitlicheres, individuelleres Angebot.

Zudem sollten Unternehmen daran denken, dass Taten mehr als Worte sagen. Wenn Manager regelmäßig auf das Feedback ihrer Mitarbeiter hören, können sie schneller auf Wünsche aus der Belegschaft reagieren. Denn Mitarbeiter, die das Gefühl haben, dass ihre Stimme gehört wird, werden an einem Strang ziehen, um ihr Unternehmen voranzubringen.