Studentische Zeitarbeit als Talent Pool?

28.03.2019  |  Andreas Wels
(c) gettyimages / StockRocket
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Viele Studenten haben ein großes Interesse an Nebenjobs mit Fachbezug. Für Unternehmen ist das eine Chance, passende Fachkräfte frühzeitig zu binden.

Laut dem Statistischen Bundesamt lag die Arbeitslosenquote im Februar 2019 bei lediglich 5,3 Prozent. Heißt für Arbeitgeber: Es wird immer schwieriger, gutes Personal zu finden. Ein anderer Trend spielt ihnen hierbei allerdings in die Karten: In Deutschland gibt es einen Rekord an Studenten. 2019 sind es 2,9 Millionen – fast eine Millionen mehr als noch vor zehn Jahren. Zwei Drittel dieser Studenten jobben regelmäßig neben der Uni. Wer hier denkt, dass die Studenten nur in der Gastronomie arbeiten, der irrt und dem entgehen hochmotivierte und qualifizierte Arbeitskräfte. Durch Zeitarbeit können Studenten vielseitig und flexibel eingesetzt werden.

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Zeitarbeit wird von Studenten gerne angenommen

Zeitarbeit ist im öffentlichen Diskurs häufig negativ konnotiert. Befristete Verträge, ungeregelte Arbeitszeiten, kurzfristige Planbarkeit und flexible Einsatzgebiete bieten für Unternehmen Chancen, sind Arbeitnehmern aber meist ein Dorn im Auge. All diese vermeintlich unerwünschten Punkte werden von Studenten aber positiv aufgenommen. Ungewöhnliche Arbeitszeiten am Abend oder am Wochenende passen gut zu ihrem vollen Stundenplan. Je nach Stand im Semester können sie mal mehr mal weniger arbeiten und sind offen dafür, Schichten jeweils wochenweise einzutakten und zeitlich zu planen.

Studenten als Allrounder

Studierende sind es gewohnt, sich schnell in neue Probleme und Aufgabenstellungen einzuarbeiten. Das Anlernen der angehenden Akademiker für eine bestimmte Tätigkeit im Unternehmen gestaltet sich damit sehr unproblematisch. Studenten sind dadurch vielseitig einsetzbar. Sie sprechen häufig gut Englisch, sind motiviert, haben eine gute Allgemeinbildung und gehören zur Generation der Digital Natives.

Frühe Bindung von Fachkräften

Der Fachkräftemangel im Bereich der IT oder den MINT-Fächern ist allgegenwärtig. Fachkräfte zu finden ist heutzutage eine der größten Herausforderungen für Unternehmen. Ein Weg ist, die Fachkräfte frühzeitig zu binden. Natürlich arbeiten auch Studenten der Informatik, Elektrotechnik oder Naturwissenschaften während ihres Studiums. Als Studenten in Zeitarbeit können sie den Fachkräftemangel in einem Unternehmen ausgleichen, lernen Unternehmen frühzeitig in der echten Arbeitswelt kennen und können als fertige Akademiker gleich übernommen werden.

Wir beobachten immer häufiger, dass Unternehmen Hochschüler zunächst in Zeitarbeit einsetzen und anschließend fest anstellen. Unternehmen sollten hier frühzeitig Perspektivgespräche mit den Studenten führen und mögliche Einstiegschancen in Vollzeit aufzeigen. Eine unserer Studien zeigt: Das Interesse an Nebenjobs mit Fachbezug ist unter deutschen Studenten sehr groß. 85 Prozent der Befragten wünschen sich in ihrem Studentenjob einen inhaltlichen Bezug zum Studium, doch nur 29 Prozent sehen diesen Wunsch auch erfüllt. Das Angebot von fachnahen Nebenjobs kann somit ein echter Wettbewerbsvorteil sein.

Vorteil für Unternehmen: Auftragsspitzen überbrücken

Unternehmen kämpfen häufig mit regelmäßig oder unregelmäßig auftretenden Auftragsspitzen. Das können Montage sein, an denen vermehrt Bestellungen und Aufträge bearbeitet werden müssen, oder es ist das Sommer- beziehungsweise Wintergeschäft, in dem mehr Nachfrage herrscht. Solche Spitzen durch das Stammpersonal abzudecken kann problematisch werden. Hier eignen sich Überlassungsverträge. Externe Personaldienstleister erstellen ein Anforderungsprofil der Kandidaten, die zur Entlastung eingesetzt werden sollen, stellen die passenden Arbeitskräfte und kümmern sich um die Schichtplanung. Gleiches gilt für Urlaubszeiten, die Unternehmen vor die Herausforderung stellen, Personal auszugleichen, das gerade frei genommen hat.

Die Haupturlaubssaison fällt meist zusammen mit den Semesterferien an den Universitäten. Zu dieser Zeit können und wollen Studierende besonders oft eingesetzt werden. Ein anderer Aspekt: Krankheitsbedingte Ausfälle. Wenn ein Vollzeitmitarbeiter ausfällt, muss ein anderer Vollzeitmitarbeiter einspringen, der an dem Tag eigentlich frei hätte. Der Kollege hat dadurch weniger Urlaub, ein höheres Risiko selbst krank zu werden, und baut Überstunden auf. Kann ein Unternehmen auf einen Pool an Studenten zurückgreifen, ist die Chance groß, dass ein Student schnell einspringen kann. Das schont das Stammpersonal, vermindert weitere Ausfallzeiten und verringert das Überstundenkonto.

Was ist bei studentischer Zeitarbeit zu beachten?

Während den Vorlesungszeiten – meist zwischen April bis Juli und Oktober bis Februar – dürfen Studenten nur 20 Stunden pro Woche arbeiten. In der vorlesungsfreien Zeit dürfen Studenten ohne spezielle zeitliche Beschränkung in Vollzeit arbeiten. Eine Besonderheit der studentischen Zeitarbeit: Unternehmen müssen bei herkömmlicher Zeitarbeit auf die Fristen von Equal Pay (die Lohngleichheit zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern) und auf die Höchstüberlassungsdauer achten. Nach neun Monaten tritt Equal Pay ein, nach 18 Monaten müssen die Mitarbeiter zwingend fest übernommen werden. Beides ist nicht der Fall bei studentischer Zeitarbeit. Studenten möchten gerne unterschiedliche Unternehmen kennenlernen und sich im Regelfall ihrem Studium widmen. Erst nach dem Ende des Studiums kommt eine Übernahme in einen fachnahen Job für sie in Frage. Die Verträge in studentischer Zeitarbeit können demnach darauf ausgelegt werden.