Wenn Fachbereich und HR sich ignorieren

Personalplanungen bleiben oft ohne durchschlagende Wirkung, wenn dabei Alleingänge dominieren – egal ob von HR oder den Fachbereichen. Auf die Dauer wird das zu einem Problem.

Dass die Personalplanung heute längst kein Hoheitsgebiet mehr von HR ist, zeigt das kräftige Mitmischen der Fachbereiche. Egal, ob ein neuer Mitarbeiter in Festanstellung rekrutiert wird oder externe Fachkräfte eingesetzt werden. Ohne das Dazutun der fachlichen Kollegen kann keine Stelle ruhigen Gewissens mehr besetzt werden.

Logisch also, dass HR und die Vertreter aus den Fachbereichen bei der Planung einer langfristigen Personalstrategie die Köpfe zusammenstecken müssen. Schließlich ist eine integrierte und vernetzte Personalplanung ein wichtiger Erfolgsschlüssel im stets härter werdenden „War for talents“.

Wie unsere aktuelle Studie in Zusammenarbeit mit PAC allerdings deutlich macht, geht es in der Unternehmenspraxis ganz anders zu. Anstatt einvernehmlich eine tragfähige Personalstrategie zu verabschieden, gehen sich die Entscheider beider Bereiche lieber aus dem Weg und planen Alleingänge. Zwar gibt es vielerorts einen unternehmensweiten Strategieplan – dies behaupten zumindest 82 Prozent von 303 befragten Entscheidern aus den Bereichen Personal, Einkauf und Fachbereich. Der wird aber ausschließlich von den Entscheidern aus der Personalabteilung gemeinsam mit der Geschäftsleitung ausgetüftelt. Für die Personalbedürfnisse der Kollegen aus den Fachbereichen gibt es hingegen eine kalte Abfuhr.

Kein Wunder also, dass sie sich mangels Anerkennung abwenden und ihr eigenes Süppchen kochen. Selbstbewusst nehmen sie ihre eigene Personalplanung in Angriff und positionieren sich nach außen sogar als Hauptakteure in diesem Thema. Ganze 84 Prozent meinen, das zu tun.

Und geht es um die Nutzung von Mitarbeitern in Arbeitnehmerüberlassung, sehen sich immerhin 72 Prozent der befragten Fachbereichsleiter selbst in der Pole-Position.

Zwar haben die Kollegen aus dem HR-Bereich stets die Rückendeckung der Geschäftsleitung, also die funktionale Macht, wenn es um die Entwicklung der Personalstrategie geht. Aber was bringt das, wenn die Fachbereichskollegen sich so gar nicht daran halten? Eines in jedem Fall: die Pläne der Personaler werden immer abstrakter, da sie sich immer mehr vom operativen Tagesgeschäft entfernen.

Dass dieser Zustand den Personalern zu schaffen macht, belegt die Studie. 81 Prozent sind demnach mit der Art und Weise, wie ihre strategische Personalplanung vonstatten geht, unzufrieden. Sicher auch deshalb, weil der Fachbereich „sein eigenes Ding“ macht und HR damit indirekt signalisiert, dass sie ihm die Personalbeschaffung für die eigene Abteilung nicht zutrauen.

Besonders evident tritt das zutage, wenn es um die Beschaffung externer Fachkräfte geht. Denn diese wichtige Ressource kommt in den strategischen Plänen der Personaler so gut wie gar nicht vor, sondern wird allein über die Fachbereiche rekrutiert und verwaltet.

Der Grund: Personaler haben bei ihren langfristigen Planungen ausschließlich Festangestellte im Visier. Ein Fehler, wie die Studienergebnisse belegen, da selbständige Experten und Mitarbeiter in Arbeitnehmerüberlassung immer intensiver eingesetzt werden.Was diese Ergebnisse aussagen, stellt also mittel- und langfristig ein echtes Problem für Unternehmen dar: Mangelnde gegenseitige Akzeptanz zwischen Entscheidern des Personalwesens und den Kollegen aus dem Fachbereich sowie deren unterschiedliche Wahrnehmungen münden unweigerlich in unkoordinierte Einzelaktionen, zu abstrakte unrealistische Personalstrategien und massive Planungsdefizite. Nicht schön.

Hin wie her: im Grunde geht es doch gar nicht um die Herstellung irgendeines Idealzustandes oder die ganz „große Strategie“. Nein, es geht schlicht um ein bisschen mehr gegenseitige Akzeptanz und regelmäßigen Austausch. Damit sparen sich beide Bereiche nicht nur Zeit und Nerven, sondern kriegen auch ihren tatsächlichen Personalbedarf in den Griff.