Wie Manager mit Karrierebrüchen umgehen

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Topmanager gehören zu den Eliten der Wirtschaft. Ihr Job dient ihnen nicht selten als Jungbrunnen und Energiequelle und steigert das Selbstwertgefühl, auch weil Ansehen sowie Gehalt weit über dem Durchschnitt liegen. Doch was geschieht, wenn ihnen aus heiterem Himmel diese Macht genommen wird? Wie fühlen sich Topmanager nach einer unerwarteten Trennung und wie geht ihr Leben weiter?

Auf den Schock folgt die Ernüchterung
Wie eine Studie der Talent- und Karriereberatung von Rundstedt gemeinsam mit der HPO Research Group und der Hochschule Fresenius zeigt, gehen viele Betroffene zunächst – nach Verarbeitung der Trennungsnachricht – davon aus, dass der Jobverlust ihrer Karriere nicht weiter schaden wird. Sie sind davon überzeugt, mithilfe ihres bisherigen Status und ihres guten Netzwerks schnell eine neue, vergleichbare Position zu finden. Nach den ersten Wochen voller Motivation kommt jedoch die Ernüchterung, denn die Realität sieht meist anders aus: Anstelle eines neuen Jobs sehen sich viele mit einer länger anhaltenden Phase ohne erfolgsversprechende Aussichten konfrontiert.

Besonders hart trifft es dabei diejenigen, die sich hauptsächlich oder gar ausschließlich über ihren Beruf beziehungsweise ihre Position definieren und ihr Selbstwertgefühl fast ausschließlich darauf stützen. Diese Einstellung ist jedoch gerade bei Topmanagern nicht ungewöhnlich, da der Job einen sehr großen Teil ihres Lebens – auch des Privatlebens – eingenommen und bestimmt hat. Die meist sehr überraschende berufliche Veränderung verletzt ihr Selbstwertgefühl, da sich Manager auf ihrer Position oft unantastbar fühlen. Hinzu kommt mit der Zeit eine noch schwerwiegendere Belastung, nämlich die Sorge, auf Dauer keine neue Anstellung zu finden. Das kann in der Folge zu Existenzängsten führen – besonders dann, wenn das Managergehalt eine ganze Familie versorgt hat. Viele Topmanager fallen in ein tiefes Loch, sie zweifeln stark an sich und ihren Fähigkeiten.

Rückbesinnung auf sich selbst führt zum Erfolg
Wie schnell und erfolgreich man sich aus diesem Tief wieder befreien kann, hängt stark davon ab, wie die nächsten Schritte aussehen. Wie zuvor in ihrem beruflichen Alltag, sollten Topmanager diese strategisch planen und wohlüberlegt umsetzen. Wichtig ist, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen und sich dadurch im schlimmsten Fall Chancen zu verbauen.

Ein wichtiger Weg zurück in den Beruf sind gute Kontakte in einem vielfältigen Netzwerk. Entscheidend ist, dieses Netzwerk kontinuierlich und proaktiv zu pflegen und auszubauen. Dabei sollten Topmanager auch Kontakte außerhalb der ehemaligen Unternehmenskreise einbeziehen, denn viele berufliche Kontakte sind eher an die Position als an die eigene Person geknüpft. Viele beobachten, dass sich diese Beziehungen mit dem Ausscheiden aus einem Unternehmen zunehmend auflösen. Hingegen können sie besonders über Bekannte auf ähnlichen Hierarchieebenen – in anderen Unternehmen oder gar anderen Branchen – oft das Meiste über relevante Entwicklungen, wie zum Beispiel interessante Vakanzen, erfahren.

Der zweite Weg führt über die bewusste Besinnung auf die eigenen Werte und Ziele. In diesem Zusammenhang sollten Senior Executives Fragen klären wie: „Was will ich? Was kann ich? Was macht mich einzigartig? Wie und wo kann ich das einsetzen?“. Durch die Beantwortung dieser Fragen, allein oder besser gemeinsam mit einem neutralen Sparringspartner auf Augenhöhe, können sie neue Einsatzbereiche finden und ihre persönliche Marketingstrategie für die weitere Jobsuche ableiten. Ein zusätzlicher Vorteil dieser intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit ist, dass sich ehemalige Topmanager zunehmend nicht mehr rein über ihren beruflichen Status definieren, sondern über mehrere Aspekte wie die Familie, ein Engagement im Verein oder ein Ehrenamt Identität für sich stiften. Diese sogenannte Selbstkomplexität stärkt das Selbstbewusstsein und öffnet den Blick für Betätigungsfelder außerhalb der bekannten Kreise.

Auf der Überholspur ausgebremst – und wieder beschleunigt
Durch die Besinnung auf eigene Werte und Ziele gelingt es Betroffenen, berufliche Umbrüche konstruktiv zu bewältigen und in einer neuen Position durchzustarten. Laut Studie geben dabei über 80 Prozent an, mehr Spaß und Freizeit zu haben und Aufgaben zu bearbeiten, die stärker auf die eigene Persönlichkeit einzahlen. So kommt es auch, dass sich bei fast 90 Prozent der Betroffenen die privaten Beziehungen verbessert haben. Es zeigt sich, dass unerwartete Umbrüche Senior Executives zunächst vor scheinbar unüberwindbare Probleme stellen. Im Rückblick überwiegen jedoch häufig die Vorteile, die der Wandel mit sich gebracht hat.