3 Fragen an… Sabine Kluge

02.09.2021  |  HRM-Online-Redaktion
Die Leadership-Expertin und Autorin Sabine Kluge erklärt, wie Graswurzelinitiativen entstehen und wo agiles Denken und Arbeiten in Unternehmen anfängt.
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Die Leadership-Expertin und Autorin Sabine Kluge erklärt, wie Graswurzelinitiativen entstehen und wo agiles Denken und Arbeiten in Unternehmen anfängt.

In Ihrem Buch geht es um Graswurzelinitiativen in Konzernen. Wie muss eine Unternehmenskultur aussehen, damit die Mitarbeitenden überhaupt auf die Idee kommen, sich selbstständig zu organisieren und etwas zu verändern?
Sabine Kluge: Graswurzelinitiativen entstehen dann, wenn es aus Sicht der Mitarbeiter:innen Handlungsbedarf gibt, es sich aber gleichfalls „lohnt“, in diesem Unternehmen Zeit und Energie zu investieren, um Themen anzugehen. Die Akteur:innen sehen in so einer Unternehmenskultur eine reale Chance, Zuspruch für ihr Anliegen von Entscheider:innen zu bekommen. Es muss also bereits eine Kommunikationskultur herrschen, die es den Initiator:innen zumindest möglich erscheinen lässt, mit der Initiative etwas im Unternehmen zum positiven mitgestalten zu können.

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Sie haben sowohl für Großunternehmen wie die Deutsche Bahn und Siemens als auch für mittelständische Unternehmen wie die Sparkasse gearbeitet. Wie unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße die Herausforderungen bei der Einführung agiler Arbeitsweisen?
In großen Unternehmen gibt es erfahrungsgemäß eine größere Varianz an Reifegraden zwischen unterschiedlichen Organisationsteilen – und damit immer auch einige Vorreiter:innen im eigenen Haus, die sich agileren Arbeitsweisen mutiger als andere aneignen. Kann man in einem kleineren Unternehmen, wo die „Beweglicheren“ nicht im eigenen Haus sitzen, sich noch hinter „das geht bei uns nicht“ verstecken, offenbaren unterschiedliche Reifegrade von Agilität in einer großen Organisation, dass eben Frei- und Handlungsräume sehr wohl da sind, Führung, Entscheidung und Zusammenarbeit anders zu leben, als es schon immer war.

Bei kleineren Unternehmen erleben wir öfter, dass das Thema Agilität Topdown von einem:einer weisen Vordenker:in im Management konsequent und flächendeckend vorangetrieben wird, während die große Organisation oft ganz prima mit einer Inselstruktur unterschiedlicher Agilitätsgrade voran kommt – auch, weil diese Mischstruktur zeigt, dass auch innerhalb von Organisation die Mischung aus stabilen und agilen Aspekten den komplexen Anforderungen einer sich kontinuierlich wandelnden Umwelt gut gerecht werden können.

Sie waren bereits Top Voice auf Linkedin, haben einen HR Excellence Award gewonnen und gehörten für das Personalmagazin zu den 40 führenden HR-Köpfen und den 20 wichtigsten HR-Influencer:innen im deutschsprachigen Raum. Was ist Ihr nächstes großes Ziel oder Projekt?
Im Augenblick habe ich zwei große Ziele: Zum einen beschäftigt mich gerade die Frage, wie wir in den Werkstätten unserer Unternehmen und Organisationen neue Formen von Führen, Entscheiden und Zusammenarbeiten etablieren können. Also: New Work im gewerblichen Umfeld – was und wieviel können und müssen wir dort realisieren, um als Produktionsstandort wettbewerbsfähig zu bleiben? Und die zweite Thematik: Neue Arbeit und Politik: Welche Aspekte unserer komplexen Arbeitswelt müssen in unsere Wirtschaftsordnung, in die politischen Regelwerke Eingang finden? Hier gibt es erste Gespräche – man darf gespannt bleiben!

Zur Gesprächspartnerin:

Sabine Kluge ist Ökonomin mit den Schwerpunkten Strategie und Unternehmensführung und systemischer Business Coach. Mit Kluge+Konsorten begleitet sie Unternehmen bei der digitalen und kulturellen Transformation in Fragen der Strategie-, Personal-, Führungs- und Organisationsentwicklung. 2020 veröffentlichte sie gemeinsam mit Alexander Kluge das Buch Graswurzelinitiativen für Unternehmen. Aus der Mitte, ohne Auftrag, mit Erfolg.