Auslandserfahrung im Lockdown

Florian Vollmer zog Anfang 2020 nach Paris, um eine neue (Arbeits-)Kultur kennenzulernen – dann brach die Corona-Pandemie aus.
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Florian Vollmer zog Anfang 2020 nach Paris, um eine neue (Arbeits-)Kultur kennenzulernen – dann brach die Corona-Pandemie aus. Ein Erfahrungsbericht.

Ich war interner Berater bei Miele und dafür schon viel am Reisen, sowohl in Deutschland als auch international. China, Dänemark, Norwegen: Das hat mich gereizt. „Warum lebst du nicht einfach mal im Ausland“, habe ich mir dann gedacht. Aufgrund meiner privaten Situation habe ich mich für Frankreich entschieden, da dort meine Freundin herkommt. Zudem ist Paris nicht so weit von Deutschland entfernt und es gibt hier eine recht große deutsche Community. So kam dann eins zum anderen und ich bekam schließlich einen Job als Business Developer beim Online-Marktplatz Manomano.

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Bevor ich nach Frankreich kam, habe ich nur rudimentär Französisch gesprochen. Mit Volkshochschulkursen wollte ich mich immerhin vorbereiten, damit ich im Alltag überlebe, wenn ich zum Beispiel zum Bäcker gehe oder im Restaurant bestelle. Manomano selbst stellt sich immer internationaler auf, was darin resultiert, dass die Unternehmenssprache Englisch ist. Meine Französischkenntnisse haben sich während meines ersten Jahres bei in Paris schon deutlich verbessert, jedoch bin ich noch etwas weiter davon entfernt komplett verhandlungssicher zu sein.

Als ich in Paris ankam, habe ich dann auf die Unterstützung von der Personalabteilung und dem deutschen Team meines Arbeitgebers zählen können. Beispielsweise bei dem Beantragen von meiner Sozialversicherungsnummer. Jeder, der von Deutschland nach Frankreich gezogen ist, stand schließlich vor der gleichen Herausforderung. Sie hätten mich auch bei der Wohnungssuche unterstützt, was bei mir glücklicherweise nicht nötig war.

Nach dem Onboarding stellte ich fest, dass die Arbeitskultur in Frankreich eher nach learning by doing funktioniert. Es gibt schnellere Arbeitsweisen und man geht schneller neue Projekte an. Aber auch das selbstständige Arbeiten wird hier mehr gelebt als in Deutschland.  Die Einstellung zur Arbeit ist in Frankreich ganz klar: Es wird gearbeitet, um das Leben genießen zu können. Dafür spricht auch die Anzahl der Urlaubstage. 35 Tage im Jahr sind deutlich mehr als die Deutschen durchschnittlich haben. Allerdings habe ich in Frankreich längere Arbeitszeiten, von 9 Uhr bis 18:30 Uhr. Bei den Franzosen wird dafür aber die Mittagspause ausgiebig genossen. Die Hierarchien werden meinem Empfinden nach weniger stark betont als in Deutschland. Es herrscht ein sehr freundschaftlicher Umgang und jeder Mitarbeiter soll sich wohlfühlen.

Das Feierabendbierchen kann man nicht digitalisieren

Dann kam die Umstellung auf Homeoffice wegen Corona. Das war schon sehr abrupt. Ziemlich kurzfristig mussten wir uns alle an Remote Work gewöhnen. Ich persönlich bin ein großer Freund von Homeoffice, daher fiel mir dieser Schritt nicht so schwer. Aber man muss sich auf so etwas vorbereiten, uns wurde daher Computerzubehör aus dem Büro zur Verfügung gestellt, damit sich jeder auch zu Hause gut einrichten konnte. Einige Arbeitsplätze standen aber noch im Büro zur Verfügung, falls sich jemand zu einsam gefühlt hat, konnte er also ausweichen.

Primär ist die Arbeit bei Manomano digital, aber die Kommunikation untereinander hat trotzdem durch diese Umstellung gelitten. Ein interner Austausch ist wichtig, es gibt ja zahlreiche internationale Teams und wir arbeiten alle an gleichen Themenfeldern. Die Kollegen aus Spanien, Italien oder Großbritannien sitzen eigentlich alle direkt im Umkreis vom deutschen Team im Büro. Durch das Homeoffice ist der persönliche Austausch natürlich ein wenig eingeschlafen, da das gemeinsame Bier nach der Arbeit weggefallen ist. Stattdessen hat jeder eigene Sachen zu Hause gemacht. Das hat grundsätzlich die gesamte Kommunikation innerhalb der Firma verändert. Wie in anderen Unternehmen auch haben wir vermehrt Zoom und Slack genutzt, aber das ist nicht das gleiche, wie wenn man sich wirklich sieht. Trotzdem haben wir versucht, mit Spielen bei späten Meetings oder einem Glühwein im Videochat nach der Arbeit nicht das Persönliche komplett wegfallen zu lassen.

Während bei Manomano selbst die Umstellung auf ein quasi permanentes Homeoffice recht gut lief – wir sind ja ein sehr junges Unternehmen und die meisten sind technikaffin – waren die Einschränkungen im öffentlichen Leben durchaus härter. Der Lockdown in Frankreich war rigoroser, verglichen mit Deutschland. Man durfte nur mit Attest das Haus verlassen, die Polizei hat das kontrolliert. Auch mein ursprünglicher Plan, alle paar Monate nach Deutschland zu reisen, um Familie und Freunde zu besuchen, war dahin.

Neue Formate fürs Teambuilding

Homeoffice wird auch in Zukunft nach der Krise eine stärkere Rolle einnehmen. Aber viel vom Reiz, in einem Start-up zu arbeiten, lässt sich natürlich nicht mit nach Hause nehmen. Mitarbeitergespräche finden auch mal an der Playstation oder an der Tischtennisplatte statt. Außerdem gibt es einen Musikraum, in der man nach der Arbeit zusammen musizieren kann. Ebenso gibt es einen Fitnessraum, in dem auch Kurse angeboten werden. Und wie man es bei einem DIY-Marktplatz erwartet, verfügt Manomano natürlich auch über eine Werkstatt, in der handwerkliches Know-how weitergegeben wird.

Das ist aktuell wegen Corona gerade alles geschlossen und das kollegiale Miteinander fehlt mir dann doch. Zumal die Mittagspause in Frankreich eine Stunde und 45 Minuten lang ist, daher gibt es genug Zeit, um mit den Kollegen ausgiebig zu Mittag zu essen oder die zahlreichen Angebote im Büro zu nutzen. Da dieses Jahr viele noch weiter vom Homeoffice aus arbeiten wollen, ist es wichtig, dieses Gemeinschaftsgefühl irgendwie aufrecht zu erhalten. Sonst geht unser Konzept von „Work hard, play hard“ nicht auf. Unsere Weihnachtsfeier zum Beispiel findet dieses Jahr daher digital statt. Glühwein und die Wichtelgeschenke wurden per Post verschickt, damit jeder von zu Hause aus an der Weihnachtsfeier teilnehmen kann

Es war zwar einschränkend, dieses Jahr quasi nicht nach Deutschland zu dürfen, aber einsam oder isoliert habe ich mich nicht gefühlt. Auch nach diesem sehr schwierigen und komplizierten Jahr fühle ich mich sehr wohl und will auch in naher Zukunft nicht wieder zurück nach Deutschland.