Neues Lernen: Wie man Informa­tionen zu Wissen verarbeitet

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Laptop und Bibliothek; große Informationsmengen fordern Methoden, die Informationen einzuordnen
(c) gettyimages / noipornpan

Fachwissen veraltet immer schneller. Deshalb müssen wir vor allem das Lernen selbst beherrschen. Wie können Unternehmen das bei ihren Mitarbeitern fördern?

Dass Wissen zum wichtigsten Produktionsfaktor für die Zukunft geworden ist, merken wir immer mehr. Doch Wissen fällt nicht vom Himmel, und eine Wissensgesellschaft sind wir noch lange nicht, sondern eher eine Informationsgesellschaft. Nur dadurch, dass mehr Informationen permanent für jedermann zugänglich sind, weiß dieser jedermann noch nicht mehr. Denn die Information als solche wird erst über einen Prozess der Aneignung zum Wissen. Und gerade, weil ich im Zeitalter des Internet scheinbar jederzeit alle Informationen finden kann, brauche ich mir häufig nicht mehr die Mühe zu machen, diesen Aneignungsprozess zu durchlaufen. So kannten wir beispielsweise vor einiger Zeit noch x Telefonnummern auswendig und fanden unsere Wege einfach so, weil wir sie uns merken mussten – heute übernehmen das unser Handy und das Navi. Vor diesem Hintergrund wird der Ruf nach „Neuem Lernen“ laut.

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Parallel haben wir mit einem weiteren Effekt zu kämpfen, nämlich, dass für einige Berufsfelder zwar nicht das grundsätzliche Wissen, wohl aber bestimmte Informationen schneller veralten als früher. Das Fachwissen bleibt zwar die Grundlage dafür, dass wir unseren Job erfolgreich machen können. Aber es verändert sich eben auch. Daher müssen sich gerade die Spezialisten und Experten in ihren Bereichen ständig neue Informationen aneignen, und zwar schneller, öfter und oft auch eigenständiger als bisher. Durch die verbesserte Erreichbarkeit von Informationen muss ich dabei nicht immer unbedingt mehr wissen, sondern ich muss Methoden haben, die Informationen einzuordnen.

Digitale Lernformate

Viele digitale Lernformate eröffnen durchaus neue Wege der Darstellung und Vermittlung von Wissen. So können mit unterschiedlichen Aufbereitungsmethoden beispielsweise unterschiedliche Lerntypen angesprochen werden. Das kann den Lernenden wiederum helfen, sich komplexe Sachverhalte leichter anzueignen. Doch so neu ist dieser Aspekt des „Neuen Lernens“ gar nicht, vielmehr haben wir etwas Altes wieder neu entdeckt. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass es auch in diesen digitalen Formaten eine zentrale Konstante gibt: Das Medium der Schrift, das schon seit vielen Jahrhunderten das zentrale Element der Informationsvermittlung ist, und vermutlich auch noch längere Zeit bleiben wird. Nur eben nicht mehr mit Hilfe von Tinte und Papier, sondern mit Bildschirm und Benutzeroberfläche. Insofern lohnt auch beim Schaffen digitaler Lernformate der Blick zurück. Erfolgreiche digitale Formate wie digitale Lernkarten orientieren sich beispielsweise an bekannten analogen Medien wie Karteikarten. Auch Lernmethoden und -strategien, wie sie beispielsweise in „Serious Games“ zum Einsatz kommen, sind in dieser Hinsicht erstaunlich konstant.

Lebenslanges Lernen

Schließlich ist „Neues Lernen“ nicht losgelöst zu sehen vom Konzept des „Lebenslangen Lernens“.  Doch – und das ist eine gute Nachricht – auch das ist nicht wirklich neu. Denn der Mensch hat schon immer lebenslang gelernt – er kann gar nicht anders! Damals wie heute lernen Menschen, auch außerhalb ihrer Arbeit, ganz selbstverständlich und selbstmotiviert ständig neue Dinge, zum Beispiel Kochen, Sprachen und so weiter. Viele sind in ihren jeweiligen Hobbies sogar richtige Experten und verfügen über ein ungeheures Spezialwissen, dass sie sich ohne Zwang mit hoher Eigeninitiative angeeignet haben. Und dieses informelle und selbstbestimmte Lernen ist es, was in vielen Bereichen des Arbeitslebens wieder neu an Bedeutung gewinnt. Es ist das „Selbst“, das in den Fokus rückt in Form der Selbst-Lernkompetenz. Aber heißt das jetzt, dass alles von alleine  – von selbst – gut läuft, da wir alle ja bereits ohnehin lebenslang lernen und sich bei „Neuem Lernen“ gar nicht so viel ändern muss? Nein, denn richtig wirkungsvoll müssen wir „Neues Lernen“ erst noch machen.

Grenzen des Selbst überwinden

Die Herausforderung dabei: Wenn wir auf das „Selbst“ setzen, setzen wir auf die mitgebrachten, vorhandenen Lern- und Lösungsstrategien des Individuums. Damit ist dem Lernen eine natürliche Grenze gesetzt. Denn Lernen selbst, das Verfügen-Können über Lösungs- und Lernstrategien, die zu den Anforderungen meines Arbeitsplatzes passen, ist nicht bei allen Mitarbeitern gleich verteilt. Und auch das Lernen können fällt nicht vom Himmel. Über die zum Arbeitskontext passende Lernkompetenzen verfügen in der Regel in erster Linie diejenigen Mitarbeiter, die sich ohnehin Zeit ihres Lebens mit Lernen beschäftigen, sich immer wieder in entsprechenden Lernkontexten bewegen, und damit diese Art zu lernen trainiert haben. Oft ist das aber nicht der Fall. Hier gilt es also das Lernen selbst in den Fokus zu rücken, ihm Aufmerksamkeit zu geben und die Mitarbeiter durch die Vermittlung von Lernkompetenz bei dieser Form des Lernens zu unterstützen, ihre bisherigen Grenzen zu überwinden. Als Lerninhalte sind dabei beispielsweise Selbstkompetenzen wie Selbstreflexion, Selbststeuerung, Selbstdisziplin, Planung, Organisation, Kontrolle des eigenen Lernprozesses mit gegebenenfalls entsprechender Korrektur gefragt. Auch diese Idee der Vermittlung von Lernmethoden ist für zukunftsorientierte Unternehmen nicht neu. Doch als problematisch hat sich in der Praxis erwiesen, dass Lernen meist als isoliertes und damit abstraktes Thema in Trainings behandelt wurde und Übungsaufgaben nicht in den Arbeitsalltags integriert waren. Kurz gesagt: Es fehlte oft der Praxisbezug.

Neues Lernen

„Neues Lernen“ kann also gelingen, wenn es die Fehler der Vergangenheit vermeidet. Wenn es als Teil von Wandel und Veränderung keine zusätzliche Belastung oder „Immer-Mehr“ darstellt, sondern sich vielmehr als positiver Schlüssel zum Arbeitserfolg erweist.

Wenn es das individuelle Erleben von Lernen anhand konkreter Praxisfälle des jeweiligen Arbeitsalltags ermöglicht und die Verbindung von fachlicher, überfachlicher und digitaler Weiterbildung schafft. Lernen kann man lernen und das am besten mit Bezug zum eigenen Arbeitsalltag. Denn ohnehin gehören Lernen, Arbeiten und Leben zusammen und sollten eine Einheit bilden.