Was hat HR mit der verdammten digitalen Transformation zu tun, verdammt nochmal?!

*** Die Blogparade ist vorbei. Wir freuen uns über die zahlreichen und vielseitigen Beiträge. Hier gibt es dazu eine erste Zusammenfassung. ***

„Zukunft“ – so lautet das Fokusthema des diesjährigen Personalmanagementkongresses am 18. und 19. Juni in Berlin. Und wenn von „Zukunft“ die Rede ist, dann ist die „Digitalisierung“ nicht weit. Und von dieser, so hört man, ist bald so ziemlich jedes Unternehmen betroffen. Irgendwie. Digitale Transformation nennt sich das. Ein Nervthema, weil der Begriff ständig fällt. Gut, dass die Personaler wenig damit zu tun haben. Oder? Meinungen dazu sind sehr willkommen. Macht mit bei unserer Blogparade! #ZukunftHR

HR ist interner Dienstleister im Unternehmen. HR ist dafür da, eine exzellente administrative Leistung für die Fachbereiche zu liefern. Punkt. Dieses Ziel allein ist schon eine Herausforderung, denn, mal ehrlich, wo laufen die Services wie zum Beispiel Personalverwaltung, das Erstellen von Arbeitszeugnissen, der Rekrutierungsprozess und die Administration rund um die Weiterbildung wirklich reibungslos und kundennah?

Natürlich hat so ein Selbstverständnis auch etwas Trauriges. Denn wir leben in Zeiten, die voller Dynamik sind, in denen die Zukunft immer schwerer zu prognostizieren ist, in Zeiten, in denen Geschäftsmodelle plötzlich in Frage gestellt werden, Herausforderungen durch Wettbewerber aus anderen Ländern bestehen und – oha! – plötzlich Konkurrenten aus anderen Branchen in unseren Markt drängen, vor allem leben wir in Zeiten, in denen alles digitalisiert wird, was sich digitalisieren lässt: die Interaktion mit Kunden, operative Geschäftsprozesse, interne Arbeitsabläufe. Digitale Technologien wie die Sozialen Medien, mobile Kommunikation, Business Analytics verändern Unternehmen grundlegend.

Doch was diese umwälzenden Zeiten vor allem ausmacht, sind zuvorderst gar nicht so sehr die Technologien. Christoph Keese, der in dem Buch „Silicon Valley“ seine Eindrücke eines längeren Aufenthalts im Mekka der Digitalen Pioniere schildert, zeigt sich immer wieder beeindruckt, wie Google, Facebook und die zahlreichen innovativen Startups dort arbeiten, worauf sie besonders Wert legen und welche Haltungen und Einstellungen die Mitarbeiter dort mitbringen.

Warum findet man in Deutschland kein Gegenstück zu Google oder Facebook? Warum gibt es hier keine digitalen Innovationen, die eine breite Masse erreichen? Das liegt nicht daran, dass wir hier keine Programmierer haben. Sondern es ist vor allem eine Frage der Kultur, der Mentalität und auch eine Frage der Arbeitsorganisation: Wie arbeiten wir zusammen? Wie kommunizieren wir miteinander? Und jetzt machen sich diese Unternehmen von der Westküste der USA auch noch daran, gute deutsche traditionelle Industrieunternehmen in ihrem Stammgeschäft anzugreifen.

Nun gut. Aber was, verdammt nochmal, hat das alles mit HR zu tun? Kann sich nicht die Abteilung Forschung und Entwicklung zusammen mit dem Marketing um neue Ideen kümmern? Es gibt genügend Prozesse zu optimieren.

Apropos HR. So ein klassisches Unternehmen wie Continental hat sich vor einigen Monaten zu einem bemerkenswerten Schritt entschlossen, genauer gesagt: die Personaler rund um die neue Chefin Ariane Reinhart haben das gemacht. Ein kleiner Schritt mit einer starken Botschaft. Die Funktion hat sich nämlich umbenannt: von „Human Resources“ in „Human Relations“.

Man kann zu dieser Entscheidung nur gratulieren und muss sich fragen, warum nicht noch mehr Personalabteilungen diese Umbenennung vornehmen (und auch unser Magazin sich einen neuen Namen gibt). Denn natürlich sind die Mitarbeiter diejenigen, die über den Erfolg eines Unternehmens entscheiden. Und in Zeiten der digitalen Revolution wird diese Aussage wahrer denn je. Da ist es schon mal eine Frage des Respekts, sie nicht mit dem Begriff „Ressourcen“ zu titulieren.

„Human Relations“ – Beziehungen, Zusammenarbeit, Kommunikation, Arbeitskultur, das sind Dinge, mit denen die Personaler sich auseinandersetzen sollten. Wie müssen diese gestaltet werden, um in Zeiten der digitalen Transformation zu bestehen? Welches Mindset und welche Kompetenzen sind im neuen Zeitalter besonders wichtig? Durchaus Fragen, mit denen man sich als Personaler beschäftigen kann. Man müsste sich aber auch ein bisschen mit Trends auseinandersetzen, Zukunftsforschung betreiben, und das wiederum bedeutet, sich viel auszutauschen, zu netzwerken, zu lernen, auch von Menschen außerhalb des Unternehmens.

Auch HRler können zum Beispiel mal einen längeren Bildungsurlaub beantragen und ins Silicon Valley reisen, wie Christoph Keese, der im mächtigsten Tal der Welt nach Erfolgsmustern und Treibern der boomenden Internetwirtschaft gesucht hat. Manches was er fand, ist gar nicht so digital: „Alle Firmen, die ich besuche, legen Wert auf Dichte. Physische Nähe, glauben sie, ist so wichtig wie die Abwesenheit allzu strenger Regeln. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso wie steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konvention. Vorschriften töten Ideen. Menschen werden kreativ, wenn sie beruflich so arbeiten dürfen, wie sie privat leben: eng verwoben, in freundschaftlichem Abstand, im ständigen Dialog, im freien Spiel der Ideen, ohne Angst vor Bestrafung durch eine höhere Instanz.“ So einfach ist das – und so schwer. So oder so, könnte HR da vielleicht das ein oder andere Wörtchen mitreden.

Aufruf zur Blogparade

Jetzt sind wir gespannt, was HR eurer Meinung nach mit der digitalen Transformation zu tun hat und rufen für die kommenden Wochen zur Blogparade auf. Teilnehmen kann jeder, der Lust hat.

Die gesammelten Beiträge fassen wir an dieser Stelle nach Ende der Blogparade zusammen. Details zur Teilnahme an der Blogparade findest du unten.

Wir freuen uns auf zahlreiche, interessante Beiträge!

Dir fehlt ein Ansatzpunkt für einen eigenen Artikel? Dann haben wir hier ein paar Ideen für dich:

  • Welche Rolle spielt HR vor allem im Rahmen der digitalen Transformation?
  • Was wird man in Zukunft unter HR verstehen?
  • Wie werden neue Beschäftigungsformen wie zum Beispiel Crowdworking die Profession verändern? Welche Aufgaben bringen sie mit?
  • Muss sich HR mehr um das Thema Gesundheit kümmern, da mit der Digitalisierung auch tendenziell Selbstausbeutung zunimmt und Arbeit und Freizeit sich vermischen?
  • Mobilität, Big Data, Social Media: Wie weit ist der digitale Wandel im Personalmanagement selbst?

So nimmst du an der Blogparade teil:

Die Blogparade startet heute, am 11. Mai 2015 und endet am 22. Juni 2015.

Ein paar Hinweise gibt es noch:

  • Jeder Teilnehmer verlinkt in seinem Beitrag auf diesen Artikel und erwähnt die Blogparade.
  • Der Hashtag ist #ZukunftHR
  • Als Teilnehmer hinterlässt du unter diesem Artikel einen Kommentar, in dem du deinen Beitrag zur Blogparade ankündigst.
  • Bitte behalte das Thema im Blick! Werbung für eigene Leistungen und Angebote wollen wir hier bitte nicht lesen. Reine Werbebeiträge werden wir nicht in unsere Blogparade aufnehmen

Beiträge zur Blogparade:

Thomas Eggert: Personalarbeit – was ist das eigentlich?

Marcus K. Reif: Arbeitswelt 2025 – Evolution des Personalwesens: Vom Verwalter zum Gestalter

Ralf Gräßler: Der Personaler – glücklich, aber bedeutungslos? Personalmanagement in Zeiten der digitalen Transformation

Esther Packullat: Die Zukunft der HR-Kommunikation: Public Relations = Human Relations?

Stefan Döring: Innovation, New Work und Demokratisierung – und keiner geht hin

Andre Stark: Zukunft von HR – Wir brauchen Crowdworking Scouts

Uwe Sunkel: Das HR-Management der Zukunft

Stefan Döring: Was macht HR wirklich erfolgreich?

Sarah Biendarra: Was hat digitale Transformation mit HR zu tun?

Robindro Ullah: #ZukunftHR – heute spielen wir Digitalisierung

Jost Sagasser: Digitale Transformation und der Weg zu Emotional Excellence

Burkhard Scherf: 5 Fragen zur Industrie 4.0, die heute noch fast niemand (offen) stellt

Holger Antz: Die (digitale) Zukunft von HR

Ruth Böck: Digitale Transformation im Recruiting – eine Frage von Kommunikation und Kollaboration

Welche technologischen Trends werden in Zukunft den Alltag des HR massgeblich verändern?

Henrik Zaborowski: HR & Digitalisierung? Ich sag nur “10/90″!

Guido Bosbach: “HR-digital” oder “HR-sozial” – Ist HR am Scheideweg angelangt?

Sebastian Rahm: Recruiting 4.0 durch digitale Transformation?

Silke Glüsenkamp: Wird aus „Human Resources“ in Zukunft „Hiring Robots“?

Claudia Lorber: Zieht euch warm an Recruiterinnen

Olaf Dammann: Was hat HR mit der verdammten digitalen Transformation zu tun?

Winfried Felser: The Future of Work and Human Relations – Schicksalsjahre oder jetzt endlich gemeinsam handeln?!

Jochen Iseke: HR und Digitalisierung: Warum wir Arbeit neu erfinden müssen

Wolfgang Tomek: 5 Gründe, warum die neuen Generationen und ihre neuen Werte ein neues E-Recruiting erfordern

Alenka Mladina: Digitale Transformation: Wenn HR führt, folgen die Anderen

Daniel Pötzsch: #ZukunftHR – Digital ist besser

Joachim Stegger: Nur ein neues Buzz-Word? Wie die digitale Transformation auch die HR revolutioniert

Claus Vormann: Strategische Personalplanung – Eine Antwort auf die Frage zur #ZukunftHR

Stephan Schmid: Personaler müssen zukunftsfähig(er) werden – ein Plädoyer für HR als Transformations-Partner!

Anja Wittenberger: Digitale Transformation und der Mensch im Fokus

Franziska Wehner: HR in der Glaskugel

Maja Rißmann: Innovation in Human Resources (HR) – Sind wir bereit?

Leo Molatore: Personaler 2015: Atemlos im Strudel der Digitalen Transformation?

Herwig Kummer: #ZukunftHR und die digitale Transformation – ein Missverständnis!

Gero Hesse: Zukunft von HR: Administrator oder Transformator?

Martin Salwiczek: Personalgewinnung und Jobsuche: Was die Digitalisierung damit zu tun hat