„Eine strauchelnde Zukunft Personal würde uns schaden.“

Ein Interview mit Alexander Petsch, CEO der Børding Messe, über die Zukunft Personal und Trends in der HR-Messelandschaft.
© gettyimages / Angelina Cecchetto

Mehr Content, hohe Renditen? Ein Interview mit Alexander Petsch, CEO der Børding Messe, über die Zukunft Personal und Trends in der HR-Messelandschaft.

Ende Januar hatte es die Messe „Zukunft Personal“ getroffen. Deren Betreiber Spring Messe wurde durch die englische Closer Still Media gekauft, die wiederum Ende 2018 von der US-Investmentgesellschaft Providence Equity Partners übernommen wurde. Wettbewerb belebt das Geschäft, hohe Renditerwartungen verändern Unternehmen. Wie ist der Verkauf der Zukunft Personal zu werten und was bedeutet der Inhaberwechsel für den Markt? Darüber haben wir mit Alexander Petsch gesprochen.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Herr Petsch, die Spring Messe wurde an den Messe- und Konferenzveranstalter Closer Still Media verkauft. Wie passt die neue Tochter zum Portfolio des englischen Unternehmens? Übernimmt sich Closer Still mit der Zukunft Personal nicht etwas?
Alexander Petsch: Ich glaube nicht, dass sich Closer Still damit übernimmt. Dahinter steht ja die Investmentgesellschaft Providence Equity Partners. Also ausreichend finanzielle Ressourcen, um damit Dinge aufzubauen oder anders zu machen als bisher. Daher würde ich nicht von „sich übernehmen“ reden.

Es gibt jetzt aber sehr große Erwartungen an die Performance der Spring Messe und der Zukunft Personal. Das war vorher nicht ganz so der Fall.
Zu Providence und Closer Still als Private Equity getriebene Gesellschaften passt die Zukunft Personal super. Warum? Weil die Personalbranche ein sehr stabiles Themenfeld ist – und die Zukunft Personal eine sehr stabile Fachmesse. Wenn man sich anschaut, wie andere Unternehmen im HR-Bereich bewertet worden sind, dann stellt man fest, dass die Investoren-Community seit Jahren große Stücke auf das Thema „HR“ hält. Auch aus meiner Sicht ist HR durch alle Krisen hindurch ein stabiles Feld geblieben. Entweder habe ich zu wenige oder zu viele Mitarbeiter, aber stets fällt Arbeit an. Auch in einer digitalisierten Arbeitswelt wird es weiterhin Menschen geben, die Bedürfnisse haben, die HR erfüllen muss. HR ist ein Evergreen-Thema und damit für ein Private Equity-Unternehmen sehr interessant.

Was bedeutet die Übernahme für die HR-Messelandschaft im DACH-Raum? Was könnte sich verändern?
Closer Still veranstaltet in England und Frankreich die „Learning Technologies“ sowie die Online Educa Berlin (OEB). Da besteht bestimmt über das internationale Netzwerk die Möglichkeit, eine Zukunft Personal Europe in Köln internationaler auszubauen. Und vielleicht kann das Thema der Zukunft Personal auch an anderen Standorten angeboten werden, wo Closer Still stark ist. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass in 2020 oder 2021 im DACH-Raum neue Projekte mit der Vorgabe der in den Medien kolportierten Umsatzrentabilität entwickelt werden.

Das neue Renditeziel für die Spring Messe von 30 Prozent hatte Reiner Straub, Herausgeber des Personalmagazins, in einem Kommentar genannt. Ist das realistisch?
Wenn man ein Renditeziel von 30 Prozent hat, dann muss man viele Dinge anders machen. Effizienter, weniger tief – denn Content, Inhalte und Tiefe kosten Geld. Das ist bei einer guten Fachzeitschrift auch so, hier unterscheidet sich eine Messe nicht von einem Fachtitel.

Astrid Jaeger, neue Geschäftsführerin der Spring Messe, wird in dem Beitrag von Reiner Straub wie folgt zitiert: „Wir betreiben contentgetriebene Messen und wollen auf unseren Messen auch Inhalte vermitteln“. Also mehr Content? Wird das nicht teurer?
Das ist eine Frage des Anspruchs. Blieben wir mal bei dem Beispiel der Fachzeitschrift. Wenn ich sage, ich gebe meine Redaktion auf und stelle die Zeitschrift nur noch aus PR-Artikeln zusammen, dann habe ich unter dem Strich vielleicht mehr Content – und ich gebe weniger Geld aus. Steigt deshalb die Qualität? Eher nicht. Dass ein wissens- und dienstleistungsgetriebenes Thema wie „HR“ im Kontext einer Messe inhaltgetrieben sein muss, das sollte hoffentlich auch jedem klar sein.

Closer Still ist in Bereichen tätig, in denen Børding ebenfalls aktiv ist. Nun will Closer Still in Deutschland massiv ausbauen, so im Bereich „Lernen“. Wie reagieren Sie darauf?
Wettbewerb belebt das Geschäft. Ich freue mich, wenn die neuen Partner die Dinge gut machen. Wir sind aber anders aufgestellt als Closer Still und Spring Messe. Wir haben nicht das Ziel, mit einer Talent Pro die Zukunft Personal zu kopieren. Wir wollen spitzer aufgestellt und passgenauer sein. Seit ich vor 21 Jahren die Zukunft Personal gestartet hatte, hat sich die HR-Landschaft deutlich verändert. Und dieser Veränderung kommen wir mit dem nach, was machen. Unsere Messen entwickeln sich super. Eine strauchelnde Zukunft Personal würde uns eher schaden als helfen. Denn dadurch würde der Markt beschädigt werden.

Wohin wird sich die HR-Messelandschaft in der Zukunft entwickeln? Ich nehme momentan sehr viele kleinere Veranstaltungen wahr. Gibt der Markt das her?
Auch vor 21 Jahren war es so, dass ein Personalverantwortlicher täglich auf eine HR-Veranstaltung gehen konnte. Aus meiner Sicht gibt es drei Trends. Der erste Trend ist Internationalisierung. Anbieter können heute nicht nur national denken. Damit würden sie Kunden verlieren, denn diese agieren international. In dem Zusammenhang hat die Zukunft Personal eine Chance, sich positiv zu entwickeln, wenn sie die internationale Ausrichtung mit vorantreibt. Der andere Trend ist Spezialisierung, den wir bei Børding stark vorantreiben. Die HR-Branche ist mittlerweile so ausdifferenziert, dass es keinen Sinn mehr macht, einen Recruiter mit einem Verantwortlichen für Lohn- und Gehaltsabrechnung in eine Halle zu stecken. Der dritte Trend ist Qualität und die Fokussierung auf die Bedürfnisse der Besucher. Man muss heute Veranstaltungen um den Besucher herum konzipieren. Jeder muss sich wohlfühlen und für sich einen hohen Mehrwert und dadurch vielleicht auch eine Zeitersparnis gewinnen. Wer diese Punkte berücksichtigt, wird am Markt auch weiterhin erfolgreich sein.

Alexander Petsch, CEO Børding Messe

Zum Gesprächspartner:

Alexander R. Petsch ist CEO (Chief Enabling Officer) der Boerding Messe (auch „børding“ geschrieben) und Gründer des HRM Research Instituts. 1998 gründete er die Spring Messe Management GmbH. In 2000 veranstaltete Spring erstmals die „Zukunft Personal“. In 2012 übernahm die Deutsche Messe AG die Mehrheit an Spring. Die Spring Messe AG in der Schweiz verblieb bei Alexander Petsch und wurde zur Børding Messe. Diese organisiert im Personalwesen unter anderem die Talent Pro, die L&D Pro und den Salon RH.