Fit für die Ausbildung

Den Unternehmen stehen immer weniger Azubis zur Verfügung. Und viele davon sind nicht ausbildungsreif. Gezielte Nachhilfe im Unternehmen soll Abhilfe schaffen.

Drei Viertel der Unternehmen, die sich mit Ausbildungshemmnissen konfrontiert sehen, attestieren ihren Azubis eine mangelnde Ausbildungsreife. Zu dem Ergebnis kommt die aktuelle Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Als Reaktion auf diese Entwicklung und darauf, dass im vergangenen Jahr – vor allem aufgrund des demografischen Wandels – 70.000 Lehrstellen unbesetzt geblieben sind, senken viele Unternehmen die Anforderungen an die Vorbildung der Bewerber. Sie sind auch immer öfter bereit, lernschwache Jugendliche in eine Ausbildung zu übernehmen. Daher spielen Aspekte wie ein eigenes Nachhilfeangebot eine größere Rolle für die Unternehmen, um der mangelnden Ausbildungsreife zu begegnen: 58 Prozent unterstützen so ihre Azubis.

Im Laufe der letzten Jahre ist allerdings der Anteil der Unternehmen, der den Auszubildenden zu geringe Mathematik- und Deutschkenntnisse bescheinigt, gesunken. Dennoch verbleibt er auf hohem Niveau: Bei den elementaren Rechenfertigkeiten lag der Wert 2006 bei 53 Prozent, 2013 bei 45 Prozent. Beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen sehen aktuell die Hälfte der Unternehmen Probleme, vor sieben Jahren waren es noch 66 Prozent.

Als mindestens ebenso wichtig wie die schulischen Leistungen werden die sozialen und persönlichen Kompetenzen der Schulabgänger erachtet, 38 Prozent sagen sogar, dass ihnen diese wichtiger sind. Knapp die Hälfte der Unternehmen sehen besonders bei der Leistungsbereitschaft, der Belastbarkeit und der Disziplin Mängel. Während der Wert für die Leistungsbereitschaft seit Jahren um die 50-Prozent-Marke herum pendelt, verzeichneten die beiden letzten Punkte mit den Jahren ein deutliches Wachstum.

Das zweitwichtigste Ausbildungshemmnis, das die Unternehmen nennen, sind unklare Berufsvorstellungen seitens der Schulabgänger. Eine Lösung hierfür sehen sie immer mehr im Angebot von Betriebspraktika. Waren es im letzten Jahr noch rund ein Viertel der Betriebe, die auf diese Weise Kontakt zu potenziellen Auszubildenden suchten, sind es aktuell bereits 38 Prozent.

Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sieht den Fachkräftemangel bei den Ausbildungsberufen als fast ebenso gravierend wie bei den Akademikern. Bald werde er sogar das größere Problem sein, sagte er bei der Vorstellung der Umfrage