Immer noch Dienst nach Vorschrift

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Der alljährliche Gallup-Engagement-Index verheißt selten etwas Gutes, wenn es um emotionale Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen geht. Doch immerhin, der Anteil der inneren Kündigungen ist gesunken.

Das Bild, das der jährlich veröffentlichte Gallup-Engagement-Index von der emotionalen Bindung von Deutschlands Arbeitnehmern an ihr Unternehmen zeichnet, ist nicht unbedingt ein gutes. Zumindest dann, wenn man der Interpretation des Beratungsunternehmens folgt.

So sind lediglich 16 Prozent der Beschäftigten bereit, sich freiwillig für die Ziele ihres Arbeitgebers einzusetzen. Für 67 Prozent der Deutschen ist die tägliche Zeit auf Arbeit lediglich ein Dienst nach Vorschrift. 17 Prozent sind so weit von einer emotionalen Bindung an ihren Arbeitgeber entfernt, dass ihnen die Studienverfasser eine „innere Kündigung“ attestieren. Aber immerhin, dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr merklich gesunken. Damals waren es noch 24 Prozent, die zumindest im Kopf schon ihren Arbeitgebern den Rücken gekehrt hatten.

Grund genug für Gallup, von einer Trendwende vor allem auch in der Unternehmensführung zu sprechen: „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels scheint sich in vielen Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Qualität der Führung und die Unternehmenskultur entscheidend sind, um die Mitarbeiter zu binden“, heißt es von Seiten der Studienautoren. Die Ursachen für mangelnde Mitarbeiterbindung sehen sie vor allem in Defiziten bei der Personalführung verwurzelt.

Die emotionale Bindung hat dabei direkte Auswirkungen auf die Verweildauer von Mitarbeitern in einem Unternehmen. So gut wie jeder emotional hochgebundene Beschäftigte (93 Prozent) plant, auch noch in einem Jahr für seinen Arbeitgeber tätig zu sein. Nur 45 Prozent der emotional Ungebundenen planen das ebenfalls. Erweitert man den Erwartungshorizont auf drei Jahre, stehen 80 Prozent nur noch 34 Prozent gegenüber.

Ein von schlechter Führung geprägtes Arbeitsumfeld wirkt sich auch auf das Privatleben der Beschäftigten aus, wie die Studie ebenfalls feststellt. Auf die Frage, ob sie sich in den vergangenen 30 Tagen einmal aufgrund von Arbeitsstress ausgebrannt gefühlt hätten, antworteten 58 Prozent der emotional ungebundenen Arbeitnehmer mit „Ja“, aber nur 29 Prozent der emotional Gebundenen stimmten ebenfalls zu. Und annähernd jeder Zweite (42 Prozent) der emotional Ungebundenen hatte in dieser Zeit auch Tage, in denen er sich aufgrund des Stresses gegenüber Familie und Freunden schlecht verhalten hat. Bei denjenigen, die sich mit ihrem Arbeitgeber identifizierten, gaben das nur 13 Prozent an.

Das Beratungsunternehmen stellt seit 2001 jährlich den sogenannten Q12-Index, den Engagement Index, für Deutschland auf. Für die aktuelle Ausgabe wurden im Sommer und Herbst 2013 1.368 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer telefonisch interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.