Azubi-Marketing mit Snapchat: Funktioniert das?

(c) gettyimages/bigtunaonline
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Schüler über Snapchat für eine Ausbildung begeistern – kann das wirklich klappen? Peer Karstedt, Ausbildungsleiter bei Thyssenkrupp, teilt seine Erfahrungen.

Herr Karstedt, können Sie kurz beschreiben, wie Sie Snapchat beim Azubi-Marketing einsetzen?

Peer Karstedt: Wir haben ein Snapchat-Team bestehend aus Azubis verschiedener Berufsfeldern, die wir bei uns ausbilden. Diese bekommen dann den Zugang zu unserer Snapchat-Gruppe sowie eine Einweisung mit To-dos und Richtlinien, die sie beachten müssen.

Die Azubis können dann möglichst eigenständig Inhalte aus ihrem Berufs- und Schulalltag in die Gruppe zu stellen. Administrativ betreut wird das Ganze von unserem Communications-Team. Das hat dann auch nochmal die Möglichkeit, Inhalte zu blockieren, die gegen Richtlinien verstoßen, weil sie beispielsweise Personen zeigen, ohne dass diese zugestimmt haben.

In einem Kalender-Tool blocken wir interessante Termine wie Azubitage oder Azubifahrten, Berufsschultage oder Bewerbertrainingstage. Damit wissen die Azubis aus unserem Snapchat-Team rechtzeitig Bescheid und können vor Ort sein.

Idealerweise besteht das Team immer aus einem bunten Mix aus gewerblichen, technischen und kaufmännischen Azubis, denn wir wollen allen Berufsfeldern die Möglichkeit bieten, sich in der Öffentlichkeit darzustellen. Die sollen sich dann auch gerne gegenseitig inspirieren.

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Wie kommen Schüler und andere Interessierte denn in die Snapchat-Gruppe?

Erst einmal haben wir unsere Azubis dazu ermutigt, in ihrem privaten Kreis davon zu erzählen, also unter Freunden, Gleichaltrigen und Gleichgesinnten. Parallel hat das Communications-Team angefangen, die Werbetrommel zu rühren. Wir haben Flyer, Postkarten und Poster gedruckt, die wir an Schulen verteilt haben. Diese Materialen werden auch zu jeder Aktion mitgenommen, die wir an Schulen oder auf Ausbildungsmessen veranstalten. So wird sukzessive der Kreis der Follower vergrößert. Mit Fotos und Screenshots möchten wir Schülerinnen und Schüler für unseren Kanal begeistern. Natürlich ist auch immer gleich ein Link dabei, mit dem man der Gruppe direkt vom Smartphone aus beitreten kann.

Wie haben die Schüler auf Ihre Snapchat-Kampagne reagiert?

Sehr positiv. Ich glaube, sie waren teilweise fast verwundert, dass Thyssenkrupp, das bei der Zielgruppe als ein teilweise eher konventionelles Unternehmen bekannt ist, gerade jetzt erste Gehversuche mit neuen digitalen Medien macht. Wir haben mittlerweile weit über 150 Follower, die permanent den Kanal beobachten.

Haben sich daraufhin mehr Schüler für Ausbildungen bei Ihnen beworben?

Das ist im Moment noch sehr schwer zu greifen. Bei uns in der Region ist die Bewerberanzahl generell rückläufig. Das war für uns auch der Trigger zu beschließen, dass wir jetzt etwas Neues probieren müssen, um uns von anderen Unternehmen in der Region abzuheben. Aber im Moment haben wir noch keine Möglichkeit, eine direkte Beziehung zwischen der Anzahl unserer Follower und den eingehenden Bewerbungen herzustellen.

Was erwarten die unter Zwanzigjährigen heute von ihrem Job beziehungsweise ihrem Ausbildungsbetrieb?

Was uns besonders wundert, ist, dass in Vorstellungsgesprächen eigentlich nie nach Geld gefragt wird. Viel wichtiger ist den meisten ein sicherer Arbeitsplatz. Etwa die Hälfte der Jugendlichen, die sich bei uns bewerben, wissen bereits, wie es nach der Ausbildung weitergehen soll. Also ob sie einen Techniker, Meister oder ein Studium machen wollen. Und ob sie dafür das Unternehmen verlassen oder dort bleiben und sich berufsbegleitend weiterqualifizieren möchten.

Viele fragen auch, wie es mit Auslandsaufenthalten aussieht. Da ist bei den Jugendlichen ein hohes Interesse zu beobachten, allerdings nur für kürzere Zeiträume. Fast alle können sich vorstellen, mal zwischen zwei und sechs Wochen ins Ausland zu gehen. Das ist gut, weil wir auch sehr stark international tätig sind. Allerdings wären für manche Projekte auch längere Auslandsaufenthalte gerade nach der Ausbildung sinnvoll, und da reagieren viele dann doch erschrocken und würden das eher noch nicht machen. Als international tätiges Unternehmen haben wir viele Projekte in Ländern, wo normaler Tourismus nicht mehr stattfindet, zum Beispiel Saudi-Arabien.

Welchen Tipp haben Sie für Unternehmen, die in Zukunft über Snapchat kommunizieren möchten?

Einfach mal ausprobieren! Ein solches Projekt benötigt nicht unbedingt ein hohes Budget– man ist durchaus mit einem mittleren vierstelligen Betrag erfolgreich. Wichtig ist vor allem, einen guten Kooperationspartner zu haben, der fähig ist, ein solches Konzept umzusetzen. Wir hätten das ohne unser Communications-Team auch nicht umsetzen können. Wichtig ist, Ansprechpartner zu haben, die selber auch bereit sind, mal etwas Neues auszuprobieren.

Snapchat ist gerade der Kanal, der von Jugendlichen mit großem Zuwachs am meisten frequentiert wird. Beim Recruiting von Schülern kommt man um die Nutzung der Social-Media-Kanäle über kurz oder lang nicht herum, denn dort erreicht man einfach die Zielgruppe. Außerdem zeigen wir den Schülern damit, dass wir multimedial aufgestellt sind, dass wir mit der Digitalisierung mithalten können, dass wir mit der Zeit und mit der Generation gehen.

Für Jugendliche ist Snapchat ein sehr alltägliches Tool, deswegen fühlt es sich für unser Snapchat-Team sehr einfach und natürlich an, die To-dos in die Tat umzusetzen. Sie haben Spaß daran und posten oft sogar auch freiwillig außerhalb der Arbeitszeiten, zum Beispiel in der Mittagspause. Bei Firmen-Veranstaltungen wie  Berufsmessen bekommen sie die Zeit selbstverständlich mit ihrer Arbeitszeit verrechnet.

Ich denke, jeder, der sich in seinem Unternehmen gut aufgehoben fühlt und an seiner Ausbildung Spaß hat, wird diese Erfahrungen gerne teilen wollen. Und genau das haben wir unseren Azubis ermöglicht.

Peer Karstedt ist Ausbildungsleiter bei Thyssenkrupp Industrial Solutions in Neubeckum/ Münsterland. Bei den HR Excellence Awards 2018 erhielt Thyssenkrupp für seine Snapchat-Kampagne den Award für das beste Azubi-Marketing.