Warum wir ab jetzt doppelpunkten

20.01.2020  |  HRM-Online-Redaktion
Aus diesen Gründen verwendet die HRM-Online-Redaktion den Gender-Doppelpunkt.
© Quadriga

Seit Anfang des Jahres verwendet die HRM-Online-Redaktion den Gender-Doppelpunkt. Aus diesen Gründen.

Aufmerksamen Leser:innen ist es nicht entgangen: Wir, die Online-Redaktion des HRM, doppelpunkten jetzt. In unseren täglich erscheinenden Meldungen und Artikeln sprechen wir damit neben Männern explizit auch Frauen an und Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen können.

Für viele Leser:innen mag das auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig sein. Doch es gibt gute Gründe dafür, eine Sprache zu verwenden, die alle Menschen anspricht – und dafür, dass sich der Doppelpunkt hier am besten eignet.

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Diskriminierung ist  gesetzeswidrig

Wir vom HRM berichten jeden Tag über neueste Entwicklungen im Recruiting, Arbeitsrecht und Employer Branding und über andere HR-Trends. Bei all diesen Themen ist eines besonders wichtig: dass niemand diskriminiert wird. Das Thema spielt in unserem Online-Magazin deshalb eine wichtige Rolle. In der Arbeitswelt soll nicht zuletzt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dafür sorgen, dass niemand benachteiligt wird. Nicht wegen der Rasse oder der ethnischen Herkunft, nicht wegen der Religion und Weltanschauung, nicht aufgrund einer Behinderung, wegen des Alters oder der sexuellen Identität. Und auch nicht aufgrund des Geschlechts. Unternehmen müssen in Stellenausschreibungen deshalb alle Geschlechter gleichermaßen ansprechen. Seitdem im Jahr 2018 das Personenstandsgesetz reformiert wurde, haben Menschen außerdem die Option, ein „d“ für „divers“ in das Personenstandsregister eintragen zu lassen, wenn sie sich weder dem weiblichem noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zuordnen können. Aus diesem Grund sind Arbeitgeber gut beraten, in Jobanzeigen auch das dritte Geschlecht anzusprechen. Dies tun wir nun auch.

Hoher Frauenanteil in Personalabteilungen

Unsere Statistiken zeigen uns täglich: Mehr als die Hälfte unserer Leser:innen ist weiblich. Auch in den HR-Abteilungen großer und kleiner Unternehmen finden sich im Gegensatz zu anderen Abteilungen überdurchschnittlich viele Frauen. Die logische Konsequenz ist es, dass die männliche Form in einer von Frauen dominierten Branche nicht die Norm sein sollte. Wir sprechen deshalb alle Leser:innen an.

Warum wir uns für den Doppelpunkt entschieden haben

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Texte zu gendern. Neben dem Binnen-I und dem Unterstrich hat sich das Gendersternchen durchgesetzt. Die Verwaltungen der Städte Lübeck, Hannover und Flensburg haben sich allerdings für eine andere, noch recht ungewohnte Variante entschieden, nämlich für den Doppelpunkt. Und das hat einen Grund: Der Doppelpunkt ist weitestgehend barrierefrei. Auch für Menschen mit Behinderungen, zum Beispiel einer Sehbehinderung, sind Texte mit dem Gender-Doppelpunkt gut verständlich. Denn Sprachausgabeprogramme machen an der Stelle des Doppelpunkts lediglich eine kleine Pause. Sternchen dagegen werden von den Programmen mitgelesen, was den Textfluss tatsächlich etwas stören kann. Bei allen Varianten ist es immer ein Abwägen, eine perfekte Lösung gibt es (noch) nicht.

Zeiten ändern sich, Sprache auch

Kritiker:innen der gegenderten Sprache finden häufig, der Doppelpunkt, das Sternchen oder auch das Binnen-I störe den Lesefluss oder sei schlichtweg unschön. Menschen, die gegendert sprechen („Liebe Kolleg- Pause -innen“), klängen, als hätten sie sich verschluckt. Wir finden: Der Grund dafür ist nicht, dass die gegenderte Form weniger schön oder weniger flüssig ist, sondern dass sie für viele Menschen noch ungewohnt ist. Allerdings ist vieles, was uns vor 20 Jahren noch absurd vorkam, heute ganz normal. Zum Beispiel, dass wir per Videochat telefonieren oder in Form eines Smartphones einen internetfähigen Mini-Computer immer in der Tasche haben oder einen Post auf Facebook per Emoji liken. Die Zeiten ändern sich, auch unsere Sprache ist im Fluss. Und gerade weil sie das ist, unterstellen wir nicht allen, die nicht gendern, dass sie damit automatisch andere diskriminieren.  Wir respektieren es selbstverständlich, wenn unsere Gastautor:innen in ihren Beiträgen nicht gendern möchten.

Wenn wir jetzt die richtigen Impulse setzen, wird auch eine Sprache, die alle Geschlechter gleichermaßen anspricht, eines Tages normal sein. Es ist nur eine Sache der Gewöhnung. Die HR, eine Disziplin, die den Menschen in den Vordergrund stellt, sollte da mit guten Beispiel voranschreiten.