Zahlenaffinität und Kommunikationsstärke

Nicht nur die Funktion auch die Karrierewege im Bereich Compensation & Benefits sind vielseitig, wie unsere Kurzporträts dreier C&B-Manager zeigen. Teil zwei der Miniserie.

Compensation & Benefits-Experten sind heute gefragter denn je. Grund genug, sich einmal genauer mit der Rolle dieser HR-Spezialisten zu befassen. Im ersten Teil unserer zweiteiligen Miniserie haben wir uns mit der Funktion beschäftigt. Im zweiten Teil soll es um die Compensation & Benefits-Manager selbst gehen und um die Wege, die sie in diesen Beruf geführt haben.

Fokus auf Menschen und Zahlen

Regine Pohlmann: Sie ist Leiterin Compensation & HR-Controlling bei der Otto Group

Vorgezeichnet war es nicht, dass Regine Pohlmann im Bereich Compensation & Benefits landen würde. Noch nicht einmal die Personaler-Laufbahn hatte sie zu Beginn ihrer Karriere im Kopf. Sie studierte Mathematik auf Lehramt, aber nach dem zweiten Staatsexamen entschied sie sich dazu, dem Schuldienst den Rücken zu kehren.

Nach drei Jahren in der IT eines Versicherungsunternehmens und einer Promotion im Bereich der empirischen Bildungsforschung startete sie dann bei Otto. Zunächst arbeitete Pohlmann dort an der Schnittstelle zwischen Einkauf und IT, wechselte dann in die Personalentwicklung für den Einkauf und kam so nach und nach in Kontakt mit allen Bereichen der operativen Personalarbeit. Die Zahlenaffinität ließ dabei nie nach: „Mit der Zeit entwickelte sich das Thema Vergütung zu meinem Steckenpferd.“

Jetzt ist Pohlmann bei der Otto Gruppe für HR Controlling und Vergütung im Bereich Konzern Personal verantwortlich, sie kümmert sich beispielsweise um eine übergreifende Vergütungspolitik, Vergütungsmodelle und Benchmarks. „Mein gesamter Werdegang ist durch die Standbeine Menschen und Zahlen geprägt. Mal wog das eine schwerer, mal das andere“, sagt sie. Und für die Zukunft kann sie sich auch vorstellen, das Standbein „Menschen“ nochmal stärker zu belasten.

Schlüsselkompetenz Kommunikation

Christian Thomas: Er ist Leiter Compensation & Benefits Konzern bei der Deutschen Lufthansa AG

Fragt man Christian Thomas danach, was ein guter Compensation & Benefits-Manager mitbringen muss, nennt er natürlich die Affinität zu Zahlen, genauso wie arbeitsrechtliches Know-how und Spaß an Systemen und Prozessen. Aber eigentlich entscheidend ist für ihn die Kommunikationsstärke: „Systeme zu bauen ist nicht so schwierig, auch endlich.

Aber diese hinterher in die Organisation zu bringen und die Menschen davon zu überzeugen, das ist die viel größere Herausforderung.“ Vielleicht denkt er auch so, weil er selbst einen eher ungewöhnlichen Hintergrund für einen Vergütungsexperten hat: Er ist studierter Psychologe und hat zunächst lange Jahre in der Personalentwicklung bei der Lufthansa Service Holding und Lufthansa Cargo gearbeitet.

Doch dabei wollte er auf Dauer nicht bleiben. Über eine Station im Bereich Personalgrundsatzfragen bei der Lufthansa Cityline kam er schließlich im Mutterkonzern an, zunächst als Leiter Personalpolitik und Vergütung, seit Juli diesen Jahres als Leiter Compensation und Benefits der Deutschen Lufthansa. „Vor zwei Jahren habe ich noch nicht gedacht, dass ich einmal Compensation & Benefits machen würde“, sagt Thomas. „Aber das sind spannende Themen, die das Unternehmen bewegen und mit denen man das Unternehmen bewegen kann.“

Der Funktion treu geblieben

Antonella Poklepovic: Sie ist Head HR Compensation & Benefits bei der Novartis Pharma GmbH

Sie ist eine Vergütungsexpertin der ersten Stunde. Seit 18 Jahren ist Antonella Poklepovic bereits im Bereich Compensation & Benefits tätig und hat die zunehmende Ausdifferenzierung und Spezialisierung dieser HR-Rolle daher ziemlich gut mitbekommen: „Damals gab es noch nicht so viele Firmen, die diese Funktion tatsächlich hatten. In den letzten zehn Jahren hat sich das massiv geändert.“ Darüber hinaus sei früher alles sehr zahlengetrieben gewesen.

Das ist es natürlich in weiten Teilen immer noch, aber es spielen auch Aspekte eine Rolle, die große Anlehnungen an die Personalentwicklung haben, wie Poklepovic sagt. Ein Bereich, den sie auch kennt, denn ihr war es immer auch wichtig, das „Gesamtkonstrukt HR zu verstehen“. Eingestiegen ins Vergütungsmanagement ist sie bei Sony Europe. Dann folgten Stationen bei Sony Ericsson, Microsoft und Infineon.

Seit knapp drei Jahren ist Poklepovic nun Head HR Compensation & Benefits beim Pharmaunternehmen Novartis. Sie bleibt der Funktion treu, auch wenn sie die Branchen wechselt. Und hat dabei noch einen weiteren Karriereleitfaden: „Ich wollte immer das Unternehmen und seine strategische Ausrichtung verstehen, die Produkte und das Management, um eine adäquate Vergütungsstrategie zu verfolgen.“ Auch wenn sie wieder wechseln sollte, würde sie das so angehen: Ins Große und Ganze reinschauen, aber die Spezialisierung beibehalten.