Mit Corporate Social Respon­sibility zur Arbeitgebermarke

19.06.2019  |  Senta Gekeler
Windpark; immer mehr Unternehmen setzen sich für Umweltschutz ein
(c) gettyimages / elxeneize

Gerade die jüngere Generation fordert von ihrem Arbeitgeber soziales Engagement. Wie man CSR sinnvoll umsetzt, erklärt Björn Lampe von Betterplace.

Herr Lampe, warum suchen immer mehr Unternehmen Möglichkeiten für soziales Engagement?
Björn Lampe: Corporate Social Responsibility (CSR) und soziales Engagement von Unternehmen sind zwar nichts Neues, rücken aber immer stärker ins Bewusstsein. Die Ansprüche, die bezüglich Engagement, Positionierung und Nachhaltigkeit an Unternehmen herangetragen werden, sind gestiegen.

Unternehmen werden sich dadurch ihrer Verantwortung bewusst. Natürlich auch für ein positives Markenimage und stärkere Kundenbindung. Hier kommt auch das Thema Employer Branding als wichtiger Faktor ins Spiel.

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Ist es vor allem den jüngeren Generationen wichtig, in sozial engagierten und verantwortungsbewussten Unternehmen zu arbeiten?
Ja, insbesondere der Generation Y geht es nicht nur um gutes Gehalt, sondern auch um die Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Möglichkeit zu Homeoffice, Sabbaticals, Fort- und Weiterbildung und dann eben auch die Möglichkeit, sich im Rahmen des Jobs zu engagieren, zum Beispiel mit Corporate Volunteering.

Ich glaube auch, dass immer mehr Arbeitnehmer genau hinschauen, wie ernst Arbeitgeber ihre soziale Verantwortung tatsächlich nehmen. Ein Arbeitgeber ist dann attraktiv, wenn er neben ökonomischer Sicherheit auch ökologische und soziale Aspekte mitbedenkt und entsprechend handelt.

Ist das den Unternehmen, die sich bei Ihnen engagieren denn auch ernst? Oder machen das manche nicht nur für das Markenimage, Stichwort „Greenwashing“?
Das kommt natürlich auch vor. In einem gewissen Maße ist das meiner Meinung nach auch noch vertretbar, denn wenn Unternehmen viel über ihr Engagement reden, inspiriert und motiviert das wiederum andere dazu, sich zu engagieren.

Ich glaube, dass Mitarbeiter spüren, wie ernst es einem Unternehmen mit dem Engagement ist. Ist die Spende nur eine einmalige CSR-Aktion und dann passiert nichts mehr? Oder wird es Teil der Unternehmenskultur? Es macht sich an verschiedenen Stellen bemerkbar, dass sich ein Unternehmen auch mittel- oder langfristig engagiert.

Also muss das Engagement authentisch sein und zum Unternehmen passen?
Ja, unbedingt! Und es muss auch längerfristig wahrnehmbar sein. Wenn das Engagement konträr zum eigenen Unternehmenszweck ist, fangen die Mitarbeiter und die Kunden sofort an, es zu hinterfragen – zurecht. Spätestens da hört authentisches Engagement auf.

Was machen Sie, wenn ein Unternehmen sich bei Ihnen engagieren will und dabei nicht authentisch erscheint? Nehmen Sie die Spenden an?
Wir haben eine Charta für Unternehmenszusammenarbeit, mit der prüfen wir vorab jede Unternehmenskooperation und auch die laufenden Kooperationen regelmäßig. Wenn wir so eine Anfrage bekommen würden, würden wir dem Unternehmen sagen, dass wir das nicht für authentisch halten. Wenn Interesse besteht, geben wir ihnen Input, wie man das Engagement sinnvoller gestalten könnte – sodass es hinterher nicht nur gut aussieht, sondern auch eine langfristige Wirkung hat. Wenn das Unternehmen dazu bereit ist, arbeiten wir zusammen, wenn nicht, dann käme keine Kooperation zustande.

Was ist mit Unternehmen, die für eine gewisse Skrupellosigkeit bekannt sind?
Natürlich gibt es auch immer wieder Herausforderungen, wenn Unternehmen auf uns zukommen, die in der Vergangenheit nicht immer bestmöglich agiert haben. Lehnt man diese jetzt von vorneherein komplett ab? Oder kann man ihnen auch die Chance geben, sich zu wandeln, zu einem besseren Unternehmen zu werden? Wir sind bereit ihnen, diese Chance zu geben – aber nur, wenn auch eine gewisse Glaubwürdigkeit dahintersteckt und man zusammen mit dem Unternehmen daran arbeitet, dass das Engagement nachhaltig ist und nicht nur eine einmalige Aktion.

Hat denn auch die Digitalisierung Einfluss darauf, dass sich immer mehr Unternehmen engagieren? Insbesondere durch Social Media wird ihr Handeln ja immer transparenter.
Ich glaube, es wird vor allem sichtbarer und transparenter, zum Beispiel durch die verschiedenen Social-Media-Kanäle, die die Unternehmen heute verwenden. Früher gab es vielleicht einmal im Jahr eine öffentliche Scheck-Übergabe an ein vom Vorstand ausgewähltes Projekt und das war es dann mit dem Engagement. Inzwischen hat hier eine Demokratisierung stattgefunden. Mitarbeiterinnen und Kundinnen wollen auf das soziale Engagement des Unternehmens Einfluss haben, sie wollen mitbestimmen und nicht einfach den Geschäftsführer entscheiden lassen. Das funktioniert dann besonders gut, wenn Unternehmen sie frühzeitig in den Prozess einbinden und sie zum Beispiel selbst Projekte vorschlagen lassen oder ein Voting darüber initiieren. Digitale Medien helfen dabei, das Engagement transparenter und demokratischer zu gestalten.

Was können Unternehmen abgesehen von Spenden tun, um sozial verantwortungsbewusst und ökologisch nachhaltig zu handeln?
Corporate Social Responsibility umfasst natürlich viel mehr als nur Spenden. Welche Rohstoffe setzt das Unternehmen für seine Produkte ein und wie ressourcenschonend werden sie hergestellt? Wie geht man mit den Mitarbeitenden um, gibt es ein angenehmes Arbeitsumfeld und faire Arbeitsbedingungen? CSR betrifft sogar vermeintliche Kleinigkeiten wie welchen alltäglichen Bürobedarf das Unternehmen einkauft, woher sie ihn beziehen und mit welchen Zulieferern sie zusammenarbeiten. Das ist wirklich ein 360-Grad-Thema. Natürlich kann man nicht von heute auf morgen alles perfekt machen. Aber sich damit auseinanderzusetzen und Stück für Stück Veränderung durchzuführen ist das, was letztendlich wahrgenommen wird, insbesondere von den Mitarbeitenden.

Gibt es denn bestimmte Trends beim gesellschaftlichen Engagement? Welche Ihrer Projekte kommen besonders gut an?
Das kommt sehr stark aufs Unternehmen an. Abgesehen von dem thematischen und regionalen Bezug engagieren sich Unternehmen generell sehr gerne für Bildungsprojekte oder Projekte für Kinder. In letzter Zeit gewinnt auch das Thema Umwelt und Natur immer mehr an Bedeutung.

Das ist ja wahrscheinlich der Generation Z besonders wichtig.
Klar, da kommt jetzt natürlich nochmal zusätzlicher Druck von der „Fridays for Future“-Bewegung. In puncto Umweltschutz gibt es übrigens viele kleine Baustellen, mit denen ein Unternehmen besonders viel bewirken kann. Zum Beispiel: Wie reisen die Mitarbeiter und was kann man dafür tun, die Geschäftsreisen umweltschonend zu gestalten?

Abgesehen davon, dass Ihr Business Model bereits seinen Teil dazu beiträgt: Was tut Ihr Unternehmen für seine Corporate Social Responsibility?
Wir versuchen, wirklich einen ganzheitlichen Blick auf das Thema zu haben. Wir hosten unsere Plattform klimaneutral, nutzen Ökostrom in unserem Büro und haben eine Reiserichtlinie, die für Geschäftsreisen die Nutzung der Bahn vorschreibt. Wenn es dann ausnahmsweise zum Fliegen wirklich keine Alternative gibt, zahlen wir CO2-Kompensation. Wir stellen unseren Mitarbeitern kostenlos gefiltertes Leitungswasser statt Mineralwasserflaschen zur Verfügung und es gibt Fair-Trade-Kaffee. Wir legen Wert auf die Vereinbarkeit von Job und Familie und bieten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Homeoffice und zu flexiblen Arbeitszeiten. Zudem veranstalten wir Events, bei denen sich die Mitarbeitenden ehrenamtlich engagieren können und wir geben ihnen frei für „Fridays for Future“ oder die „Wir sind mehr“-Demos in Chemnitz.

Klingt, als wäre Ihr Unternehmen ein gutes Vorbild für CSR.
Vielleicht, aber uns ist auch klar, dass es immer noch Sachen gibt, wo wir noch besser werden können und müssen. Ein weiterer Schritt wäre zum Beispiel naturschonende Reinigungsmittel in der Büroreinigung zu verwenden. Oder noch mehr Verpackungsmaterial zu vermeiden. Man muss sich immer wieder selbst hinterfragen. Nur, weil wir ein gemeinnütziges und soziales Unternehmen sind, sind wir noch lange nicht perfekt.

Björn Lampe, Vorstandsmitglied von Betterplace.org
(c) Betterplace.org

Björn Lampe ist Diplom-Politologe und arbeitete zunächst als Berater für eine Public Affairs-Agentur. Seit 2006 konzentriert er sich auf den gemeinnützigen Sektor und war unter anderem für die Kampagnen „Erlassjahr.de“ und „Deine Stimme gegen Armut“ tätig. Ehrenamtlich war Lampe Teil des deutschen Vorstands des Europäischen Jugendparlaments und der Jungen Europäischen Föderalisten. Seit 2010 arbeitet er bei der größten deutschen Spendenplattform Betterplace.org, hat dort erst die Abteilung Fundraisingberatung geleitet und ist seit 2015 Mitglied des Vorstands.