Viel Zeit wegen Co­ro­na? Wie Recrui­ter sie sinnvoll nutzen

Recruiting-Kolumne von Henner Knabenreich auf Human Resources Manager
Henner Knabenreich © Quadriga / Maria Navas Carrillo

Viele Recruiter haben gerade wenig zu tun. Henner Knabenreich empfiehlt: Nutzen Sie die Zeit, Ihren Recruitingprozess zu hinterfragen und zu optimieren.

Die Corona-Krise hat uns alle im Griff. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice, zumindest die, bei denen es aufgrund des Jobs möglich ist und wo die Arbeitgeber verantwortlich handeln. Klar, Erntehelfer, Pflegefachkräfte, Ärzte und Kassierer können schlecht von Zuhause arbeiten. Aber alle, die in irgendeiner Form mit Recruiting zu tun haben, gehören ohne Wenn und Aber nach Hause. Dort haben viele nun so viel Zeit, wie sie sie wahrscheinlich so noch nicht hatten. Däumchen drehen und sich zu langweilen wäre allerdings wenig produktiv und empfehlenswert. Schließlich gibt es immer ein „danach“. Wie Sie die Zeit sinnvoll nutzen können, verrate ich Ihnen hier. Zwei Schwerpunkte sollten Sie nun auf die Agenda hieven: Das eine ist die Weiterbildung. Das andere ist das Angehen von schon länger brachliegenden Themen.

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Der einfachste Weg, sich in Zeiten von Kontaktsperre und Social Distancing weiterzubilden, ist das Lesen. Es gibt jede Menge spannende Bücher zu Recruiting & Co., die nur darauf warten, von Ihnen entdeckt und gelesen zu werden. Auch online können Sie sich jede Menge Wissen drauf schaffen, etwa in Form von Webinaren.

Vor allem aber haben Sie nun ausreichend Zeit, endlich einmal Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren und Ordnung in Ihr Recruiting zu bringen. Hier ein paar Tipps:

  • Dokumentieren Sie Ihren Recruiting-Prozess. Tatsächlich gibt es nicht wenige, die Recruiting „irgendwie“ machen, ohne je den Prozess dokumentiert zu haben. Jetzt endlich ist die Gelegenheit dazu.
  • Entwickeln Sie Kandidaten-Persona, zumindest für Ihre Kern-Zielgruppen! Umso leichter wird es Ihnen fallen, ein erfolgreiches Recruiting aufzusetzen.
  • Optimieren Sie Ihre Karriere-Website. Ich weiß, viele haben so oft keinerlei Ressourcen, sich um diesen wohl wichtigsten Dreh- und Angelpunkt im Recruiting zu kümmern. Und so fristet sie in vielen Unternehmen doch eher ein Mauerblümchendasein. Eine Karriereseite Erfolg versprechend umzusetzen, bedeutet eben den Aufwand von Ressourcen. Und die haben Sie jetzt!
  • Entstauben Sie Ihre Stellenbeschreibungen, sprechen Sie mit aktuellen Stelleninhabern oder den Fachvorgesetzten (natürlich virtuell) und schaffen Sie ein gemeinsames Verständnis dafür, worauf es bei der Beschreibung ankommt und was wirklich wichtig ist.
  • Lassen Sie im Anschluss daran Ihre Stellenanzeigen in neuem Glanz erstrahlen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Stellenanzeigen endlich bei Google for Jobs erscheinen.
  • Stellen Sie Ihre E-Recruiting-Software auf die Probe. Definieren Sie einen Kriterienkatalog, was Ihre Software können muss und nehmen Sie anhand dieser Kriterien eine Auswahl von Anbietern unter die Lupe. Berücksichtigen Sie dabei unbedingt auch das Servicebewusstsein dieser Anbieter! Trennen Sie sich von Anbietern, die Ihnen Kummer und Sorge bereiten.
  • Kümmern Sie sich um die Analyse Ihrer Recruiting-Prozesse, setzen Sie sich mit Google Analytics auseinander, um den Erfolg Ihrer Karriere-Website und Ihrer Stellenanzeigen zu tracken!
  • Testen Sie Tools, die sich fürs virtuelle Recruiting eignen, auf Herz und Nieren – auch bezüglich DSGVO. Etwa Zoom, Whereby, Skype, Jitsi, Teams, Slack, Cammio, Viasto… Tauschen Sie sich mit anderen dazu aus.
  • Bringen Sie Ihr Xing- und Linkedin-Profil auf Vordermann. Als Recruiter sind Sie Markenbotschafter an vorderster Front. Das Profil in Social Media ist für viele Kandidaten der erste Eindruck, den sie vom Unternehmen bekommen. Stimmt der nicht, haben Sie es sich möglicherweise für immer verscherzt.
  • Setzen Sie einen sauberen virtuellen Recruiting-Prozess auf.
  • Das (virtuelle) Onboarding gehört dazu. Und das beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag, sondern spätestens mit Unterzeichnung des Vertrags (was auch digital möglich ist).
  • Überlegen Sie, welche Möglichkeiten es gibt, Mitarbeiter trotz Krise zu halten, anstatt sie freizusetzen. Veranstalten Sie zur Ideenfindung virtuelle Barcamps (oder nehmen sie an welchen teil und bringen das Thema auf die Agenda).
  • Nutzen Sie die Corona-Krise als Chance: Viele von den nun genutzten Tools und aufgesetzten Prozessen sollten Sie nachdem die Normalität wieder einkehrt, beibehalten.

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig inspirieren. Machen Sie das Beste draus. Verlieren Sie nicht die Hoffnung! Bleiben Sie Zuhause, halten Sie Abstand, waschen Sie sich die Hände und vor allem: Bleiben Sie gesund!

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Der Recruiting-Wunschzettel

It’s the Zielgruppe, stupid!